Schlägerei

Justizmitarbeiter verhindern Meuterei in JVA Heidering

Bei einer versuchten Meuterei wurde ein Gefangener fast totgeschlagen, ein Justizmitarbeiter verletzt.

Blick auf die JVA Heidering

Blick auf die JVA Heidering

Foto: pa

Mit voller Kraft schlägt der Russe auf einen anderen Mann ein. Immer ins Gesicht. Vier weitere Angreifer treten und schlagen das Opfer, das am Boden liegt. Sie rufen „Allahu Akbar, Allahu Akbar“. Um 15.48 Uhr löst ein Wärter den Anstaltsalarm im Gefängnis Heidering aus. Sofort kommen drei weitere Wärter auf den Freistundenhof von Trakt 3. Statt vom Opfer abzulassen, versuchen die Angreifernun andere Gefangene aufzuwiegeln, bedrohen die Wärter.

Ein Mitarbeiter, der sich auf das Opfer setzt, um es zu schützen, wird ebenfalls geschlagen und leicht verletzt. Erst als etwa fünf Minuten später 16 Justizbeamte aus der ganzen Anstalt in den Innenhof kommen, beruhigt sich die Lage etwas. Einer nach dem anderen werden die Angreifer fixiert und in ihre Zellen gebracht. Das Opfer, ein Tschetschene, wird sofort in ein Krankenhaus transportiert.

Am Donnerstagnachmittag hat es nach Informationen der Berliner Morgenpost eine versuchte Gefängnismeuterei in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Heidering gegeben. Sebastian Brux, Sprecher der Justizverwaltung, bestätigte am Freitag, dass neben der Körperverletzung auch wegen des Verdachts der Gefangenenmeuterei ermittelt wird. „Das war für die Justizmitarbeiter eine Ausnahmesituation“, sagt er der Berliner Morgenpost. Normalerweile würden sich andere Gefangene aus Schlägereien heraushalten, um keine Strafen zu erhalten. Die Wärter hätten dem Opfer mit ihrem Eingreifen das Leben gerettet. Brux ergänzt: „Die Gefangenen waren aber weit entfernt davon, dass Gefängnis zu übernehmen.“ Die Wärter mussten keine Schlagstöcke und kein Pfefferspray einsetzen. Waffen benutzten die Gefangenen nicht. Die Revolte blieb auf den Hof von Trakt 3 beschränkt.

Opfer noch nicht vernehmungsfähig

Was der genaue Hintergrund der Tat ist, ist bislang unklar. Nach Informationen der Berliner Morgenpost könnte es sich um ein missglücktes Drogengeschäft handeln. Brux wollte das nicht bestätigen. Einen islamistischen Hintergrund schloss er hingegen aus. „Wir gehen davon aus, dass die ‘Allahu Akbar’-Rufe eine Provokation waren“, sagte der Justiz-Sprecher. Die fünf Angreifer seien nicht als Gefährder gelistet oder würden islamistischen Kreisen zugerechnet.

Der Haupttäter, ein Russe, Ende 20, sitzt wegen Diebstahl mit Waffen und ist erstmals in Berlin inhaftiert. Die vier weiteren Täter, alle zwischen Ende 20 und Ende 30, sind Dauergäste der Berliner Justiz - alle stammen aus Osteuropa. Bislang verweigern sie die Aussage. Das Opfer ist noch nicht vernehmungsfähig, er wurde am Freitag in einem Krankenhaus in Potsdam operiert. Der Mann hat schwerste Verletzungen im Gesicht und an den Schultern, ist außer Lebensgefahr. Er sitzt ebenfall wegen Diebstahls mit Waffen und sollte im April 2019 freigelassen werden.

Haupttäter in JVA Tegel verlegt

Der Haupttäter wurde nach dem Angriff in die Sicherungsstation der JVA Tegel verlegt. Die anderen Angreifer bleiben in der JVA Heidering. Nach Paragraph 121 des Strafgesetzbuches könnte die fünf eine Verurteilung wegen Gefangenenmeuterei erwarten. Die Strafe dafür liegt zwischen drei Monaten und fünf Jahren. In besonders schweren Fällen ist eine Haftstrafe von bis zu zehn Jahren möglich - das gilt, wenn eine Waffe benutzt wird oder jemand in Todesgefahr gebracht wird. Brux erklärte, der Fall sei ein schwerwiegender Zwischenfall und „nicht alltäglich“. Ähnliche Zwischenfälle, die als Meuterei gelten, gab es laut Justizverwaltung im vergangenen Jahr einmal, dreimal im Jahr 2017 und dreimal im Jahr 2016. Justizsenator Dirk Behrendt (Bündnis 90/Die Grünen) erklärte am Freitag: „Ich bin den Bediensteten sehr dankbar, dass sie eingegriffen und dem Opfer so vermutlich das Leben gerettet haben.“

Die JVA Heidering, die im brandenburgischen Großbeeren liegt, hat 628 Gefangene. Zum Zeitpunkt der Tat arbeiteten dort 118 Mitarbeiter. Im Trakt 3, wo die versuchte Meuterei stattfand, sind zur Zeit 210 Gefangene untergebracht. Immer häufiger gibt es in Berliner Gefängnissen Probleme mit Gefangenen aus den ehemaligen Sowjetrepubliken, vor allem Tschetschenien. Diese haben oftmals Erfahrung im Kampfsport und Probleme mit Drogen. Nach Informationen der Berliner Morgenpost geht von ihnen ein besonders hohes Gewaltpotential aus.

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