Wirtschaft

Dieses Unternehmen produziert Kaffeebecher aus Kaffeesatz

Mit Kaffeeform produziert ein Berliner Unternehmer Becher aus Kaffeesatz. Jetzt unterstützt er damit ein Hamburger Festival.

Julian Lechner präsentiert am Firmensitz in Prenzlauer Berg eine seiner Tassen.

Julian Lechner präsentiert am Firmensitz in Prenzlauer Berg eine seiner Tassen.

Foto: jörg Krauthöfer /Funke MedienGruppe

4000 Kaffeebecher. So viele hat Julian Lechner für die Besucher des Hamburg Coffee Festivals eingeplant. Das von ihm gegründete Berliner Unternehmen Kaffeeform wird dort nicht nur als Aussteller vertreten sein, sondern auch sämtliche Becher für die Verkostung stellen. Das Besondere: Die Trinkgefäße bestehen aus recyceltem Kaffeesatz. Auf der Veranstaltung wird es also keine Plastikbecher geben.

Eigner Kaffeekonsum diente als Inspiration

Die Idee zu einer Tasse aus Kaffeesatz kam dem Unternehmer erstmals 2009, während seines Studiums für Produktentwicklung im Südtiroler Bozen. „Ich habe zu dieser Zeit Unmengen an Kaffee getrunken und wollte wissen, was mit der Masse an Kaffeesatz passiert“, erzählt Lechner. Unterstützt von Fachleuten, Professoren und Biochemikern entstand aus Lechners Gedankenmodell schließlich, ebenfalls noch 2009, der erste Prototyp.

Es folgten weitere Entwicklungsrunden und neue Muster, bis 2015 die ersten Tassen auf den Markt kamen. Für die Herstellung wird zunächst der anfallende Kaffeesatz aus Cafés und Gastronomie eingesammelt und getrocknet. Mit Holzspänen, Biopolymeren, Stärke, Zellulose, Naturharzen, Wachsen und Ölen entsteht daraus ein neues, stabiles Verbundmaterial, das einmal in Form gebracht auch spülmaschinenfest sein soll. Neben einer nachhaltigen Alternative zu Plastikbechern bieten die Produkte noch einen weiteren Vorteil: Sie sind robuster und leichter als Porzellan, gehen also nicht so schnell kaputt.

Mittlerweile sind Lechners Produkte europaweit in über 150 Geschäften erhältlich. Nachdem der erste Prototyp noch eine Espresso-Tasse war, umfasst das Sortiment inzwischen außerdem Milchkaffee- sowie Cappuccinotassen mit passendem Untersatz. Bald kam dann auch die Überlegung hinzu, die umweltfreundlichen Gefäße in einer To-go-Variante mit Deckel anzubieten. Seit einiger Zeit sind nun auch die Mitnehm-Becher im Handel, also jene, die auch auf dem Hamburg Coffee Festival verwendet werden sollen.

Kaffeeform-Becher statt Plastik

Für den Einsatz auf solchen Veranstaltungen haben Lechner und sein Team eigens ein Pfandsystem entwickelt. Auf dem Berlin Coffee Festival im August des vergangenen Jahres wurde es erstmals getestet – mit Erfolg. Nicht nur bei den Besuchern kam der To-go-Becher aus Kaffeesatz gut an, auch die Organisatoren des Hamburg Festivals waren vor Ort und wurden auf das Unternehmen aufmerksam. Sie sprachen Lechner daraufhin an, ob er sich eine Zusammenarbeit auch in der Hansestadt vorstellen könne. Der begrüßt das Interesse nicht nur aus unternehmerischer Sicht: „Bei so einem Festival mit Tausenden Besuchern wird natürlich wahnsinnig viel Abfall produziert. Mit unseren Bechern lässt sich das etwas eindämmen.“

Das gilt natürlich nicht nur für Festivals. Allein in Berlin werden pro Jahr 170 Millionen Coffee-to-go-Becher weggeworfen. Dass sich daran langfristig etwas ändern muss, ist längst bekannt, immer mehr Geschäfte bieten eigene Mehrwegbecher an. Deshalb können auch die Besucher in Hamburg den Kaffeeform-Becher behalten, wenn sie Gefallen daran finden. Der Deal sieht folgendermaßen aus: Kaffeeform betreibt auf dem Festival einen Stand und stellt im Gegenzug kostenlos die Becher für die Verkostung zur Verfügung. Gegen ein Pfand werden sie ausgegeben, vor Ort gespült und wieder verwendet.

Am Ende wird gegengerechnet, wie viele Becher fehlen beziehungsweise mitgenommen wurden. Lechner hat vorsorglich mehr eingeplant. „Der Veranstalter rechnet mit 3000 Gästen pro Tag. Wir planen insgesamt 4000 Becher ein, weil wir die Erfahrung gemacht haben, dass die Menschen sie gern behalten“, sagt Lechner.

Hamburger Festival ist nur der erste Schritt

Aus dem anfallenden Kaffeesatz mal schnell neue Becher produzieren geht übrigens nicht. „Es dauert rund drei Monate, bis die Becher fertig sind“, erklärt Lechner. „Wir müssen erst mal eine gewisse Menge an Kaffeesatz einsammeln, das dauert normalerweise so ungefähr sechs Wochen. Dann wird das ganze verarbeitet, verpackt und ausgeliefert.“ Lechner ist allerdings überzeugt, genug Becher für das Festival vorproduziert zu haben.

In jedem Fall wird er seine Erfahrungen für den nächsten Einsatz mitnehmen – die Zusammenarbeit mit dem Hamburg Coffee Festival soll kein Einzelfall bleiben. „Wir haben auch schon Anfragen von anderen Veranstaltungen bekommen“, verrät Lechner. Und auch bei den Produkten soll es weitergehen und nicht nur bei Tassen und Kaffeebechern bleiben. „Wir überlegen in Richtung Café-Mobiliar zu gehen. Tische, Stühle und Tresen aus Kaffeesatz“, so der Geschäftsführer. Ende des Jahres soll außerdem sogar ein aus Kaffeesatz hergestelltes Skateboard im Verkauf erhältlich sein.