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Velo-Berlin

Das sind die Fahrrad-Trends der kommenden Saison

Familienkutsche? Das kleine Graue? Allrounder? Auf der Velo-Berlin werden im April die neuen Entwicklungen vorgestellt. Ein Test vorab.

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Berlin.  Mehr Elektrizität, mehr Vielfalt. So lassen sich die beiden großen Trends bei den Fahrrädern für die kommende Saison zusammenfassen. Die Sparte des stromgetriebenen E-Bikes löst sich zunehmend auf. Fast alle Radtypen – vom Mountainbike über das Lastenrad bis zum Rennrad – gibt es inzwischen mit eingebautem Elektromotor. Und was es früher nur als Spezialanfertigung gab – etwa geländetaugliche Rennräder –, gibt es in diesem Jahr von der Stange.

Am Dienstag stellte das Fahrradfestival Velo-Berlin die neuesten Entwicklungen vor. Das Festival in den Hangars des Tempelhofer Feldes ist eigenen Angaben zufolge zur größten Fahrradmesse Europas angewachsen: 18.000 Besuchern kamen im vergangenen Jahr. Im April sollen es noch mehr werden.

Das passt zu Berlin. Der Fahrradverkehr ist in zehn Jahren um 36 Prozent gestiegen – das besagen die aktuellsten offiziellen Zahlen von 2016. Auch wenn der Ausbau der Radwege lahmt, Berlin ist längst eine Fahrradstadt. So steigen einer Umfrage der Berliner Morgenpost zufolge täglich mehr als eine halbe Million Menschen in der Stadt aufs Rad.

Vieles, was als Trend für den Fahrradfrühling 2019 vorgestellt wird, ist eher etwas für Liebhaber mit Dritt- und Viertfahrrad. Voll gefederte E-Mountainbikes mit Reifenprofilen, die eher an Traktoren erinnern. Das auf Kindergröße heruntergezoomte BMX-Rad. Und dann ist da noch das smarte Fahrradschloss von Avus. Es soll das Suchen nach dem Schlüssel überflüssig machen, sich automatisch öffnen, wenn sich der Nutzer mit der passenden Handy-App seinem Rad nähert. Kostenpunkt: 199,95 Euro. Wie man nach Hause kommen soll, wenn der Handy-Akku leer ist? Darauf scheinen die Entwickler noch keine Antwort gefunden zu haben.

Die Berliner Morgenpost hat sich bei den Fahrradtrends auf die großstadttauglichen Modelle konzentriert. Und drei Modelle getestet:

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Die Familienkutsche

Ich gehöre zu einer wachsenden Spezies: Stadtmensch ohne eigenes Auto. Und weil ich meine zwei Kinder und den Wocheneinkauf trotzdem und gerne stilgerecht nach Hause bringen will, träume ich von einem dieser schicken Lastenräder. Auch in dieser Sparte hält die Elektrifizierung Einzug. Auf der Velo-Berlin 2019 wird das voll gefederte Load 75 von Riese & Müller vorgestellt. 75 Zentimeter Ladefläche, Platz für drei Kinder oder etliche Einkaufstüten, der gefederte Rahmen trägt bis zu 200 Kilo Gesamtlast.

Schon beim Ausparken spüre ich den entscheidenden Haken. Mit gut zweieinhalb Meter Fahrradlänge geschmeidig zu manövrieren, erfordert Übung und Augenmaß. Beim Anschieben denke ich: Was für ein schweres Exemplar. Aber dann der Tritt in die Pedale, der Elektromotor setzt ein, ich schalte von Eco auf Turbo hoch – und habe mit einem Minimum Muskelkraft ein Maximum Fahrtwind in den Haaren. Das macht Spaß. Vielleicht etwas zu viel Spaß. Man sollte im Geschwindigkeitsrausch bloß die wertvolle Fracht in den Kindersitzen nicht vergessen. Fazit: Das E-Lastenrad ist eine echte Alternative zum SUV. Und kostet. 5599 Euro.

Das kleine Graue

Meinen Arbeitsplatz erreiche ich normalerweise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln – mit dem gewöhnlichen Fahrrad wäre es einfach zu weit. Ein faltbares Rad, wie das Brompton X CHPT3, ist hier die vielleicht ideale Lösung. Mit dem Fahrrad zur Bahn, das Rad schnell in ein handliches (und natürlich kostenloses) Gepäckstück zusammenklappen. Komprimiert und verschachtelt hat es etwa die Größe eines kleinen Reisekoffers.

Das Falten soll 10 bis 20 Sekunden dauern – sagt der Hersteller. Als ich das zum ersten Mal versuche, brauche ich eine Minute. Ohne etwas Übung wird das so schnell nichts. Auch die Reifen ähneln mit 20 Zoll eher denen eines Kinderfahrrades. Doch der Schein trügt. Das kleine Graue fährt sich flüssig und sicher. Aber auch zusammengefaltet wiegt das Brompton immer noch 12 Kilogramm und kostet satte 2300 Euro.

Der Allrounder

Das wohl massentauglichste Modell bei den Trends 2019 ist das City-E-Bike Yukatan 8. Es kostet 1999 Euro. Zugegeben: Ich gehöre zu den Puristen. Zum Radfahren gehört Muskelkraft. Aber andererseits, je mehr Berliner auf das Rad umsteigen, desto besser. Und E-Bikes erleichtern vielen diesen Schritt. Schon beim Aufsteigen zuckelt das Rad ungeduldig. Der Elektromotor springt beim geringsten Gewicht auf die Pedale an, das Rad ruckelt, als suche es nach dem nächsten Radschnellweg. Auch hier kann man den Motoreinsatz abstufen.

Auf Höchstleistung treibt mich der graue Allrounder schnell auf 15 Kilometer die Stunde. Der Akku, so sagt es der Hersteller, hält 40 bis 60 Stunden. Ladezeit: unter drei Stunden. Das ist auch für Pendler mit Halbtagsjobs ausreichend. Fazit: maximaler Fahrkomfort mit minimalem Muskeleinsatz. Nur, wer das City-Bike über Treppenstufen in den Innenhof tragen muss, der kommt ganz gut ins Schwitzen.