Unterhaltsverweigerer

Mehr Berliner Kinder sind auf Hilfe vom Amt angewiesen

Immer mehr Kinder erhalten in Berlin einen Unterhaltsvorschuss vom Amt, weil Eltern ihren Unterhaltspflichten nicht nachkommen.

Das Land überwies  125,9 Millionen Euro an alleinerziehende Eltern

Das Land überwies 125,9 Millionen Euro an alleinerziehende Eltern

Foto: Andreas Gebert / dpa

Berlin. Immer mehr Kinder und Jugendliche erhalten in Berlin einen Unterhaltsvorschuss vom Amt, weil ein Elternteil – in der Regel der Vater – seinen Unterhaltspflichten nicht nachkommt. Erhielten vor drei Jahren noch 26.631 Mädchen und Jungen Geld vom Amt, so waren es im vergangenen Jahr 43.712.

Das Land überwies dafür 125,9 Millionen Euro an alleinerziehende Eltern. Die Ursache dafür liegt in einer Gesetzesänderung. Bis 2017 konnte nur für Kinder bis zum 12. Lebensjahr und für eine Maximaldauer von fünf Jahren ein Vorschuss beantragt werden, seit zwei Jahren ist das auch für ältere Kinder ohne zeitliche Beschränkung möglich.

Der hohe Anstieg hat gleichzeitig dazu geführt, dass immer weniger Geld von den säumigen Vätern zurückgeholt werden konnte. Zwar hat der Senat den Bezirken 72 zusätzliche Stellen zur Bearbeitung des Unterhaltsvorschusses zugebilligt, dennoch sank die Rückholquote von 18 auf elf Prozent. Das entspricht etwa 14 Millionen Euro, wie aus der Antwort der Jugendverwaltung auf eine Anfrage der FDP hervorgeht.

„Erschreckend ist, dass die Rückholquote des Landes in allen Bezirken gesunken ist“, sagt die Jugendexpertin der FDP, Maren Jasper-Winter. „Die Verwaltung schafft es zunehmend nicht, sich den Unterhalt von den Verpflichteten zurückzuholen.“

Die Zahl der Anträge ist sprunghaft gestiegen

Die Landesregierung räumt den Rückgang ein, setzt aber auf Besserung. „Der Senat erwartet, dass sich mit Abschluss von noch laufenden bezirklichen Stellenbesetzungsverfahren ein positiver Effekt in Bezug auf die Kosteneinziehung beim unterhaltspflichtigen Elternteil entfalten wird“, antwortete Jugendstaatssekretärin Si­grid Klebba auf die Anfrage. „Dass die Rückholquote in 2018 im Vergleich zu 2017 deutlich gesunken ist, hängt unmittelbar mit dem sprunghaften Anstieg der Antragszahlen zusammen.“

Nach Inkrafttreten der Gesetzesänderung habe die Bearbeitung der Anträge Priorität gehabt, damit Familien die ihnen zustehenden Leistungen erhalten. „Des Weiteren prüft die vom Senat eingesetzte Arbeitsgemeinschaft Landesweites Forderungsmanagement Un-terhaltsvorschuss die Möglichkeiten, offene Forderungen konsequent und professionell einzutreiben“, heißt es in der Antwort der Staatssekretärin weiter.

Dass der Versuch, sich das Geld von den Vätern zurückzuholen, erst jetzt ernsthaft in Angriff genommen werden soll, empört die FDP. Es sei unglaublich, erst jetzt „offene Forderungen konsequent und professionell einzutreiben“, so Jasper-Winter. „Ein weiterer Punkt, in dem das Land unprofessionell und hier zulasten des Steuerzahlers verwaltet wird.“ Die meisten Kinder, die auf den Unterhaltszuschuss vom Amt angewiesen sind, leben in Marzahn-Hellersdorf (6638) und Lichtenberg (5426), die wenigsten in Steglitz-Zehlendorf (2311) und Charlottenburg-Wilmersdorf (2533).

Mehr zum Thema:

Wer Kinder in die Welt setzt, muss Verantwortung übernehmen

© Berliner Morgenpost 2019 – Alle Rechte vorbehalten.