Grundschülerin gestorben

Schüler fordern Debatte über Mobbing

Der Tod einer Grundschülerin in Reinickendorf hat Bestürzung ausgelöst. Die CDU beantragt eine Anhörung zum Thema Mobbing.

Mitschüler und Angehörige haben nach dem Tod der 11-Jährigen Kerzen und Blumen vor der Hausotter-Grundschule in Reinickendorf abgelegt.

Mitschüler und Angehörige haben nach dem Tod der 11-Jährigen Kerzen und Blumen vor der Hausotter-Grundschule in Reinickendorf abgelegt.

Foto: Jörg Krauthöfer

Nach dem Tod einer elf Jahre alten Grundschülerin aus Reinickendorf haben Eltern, Schüler und Politiker eine Debatte über Mobbing gefordert – und darüber, wie man frühzeitig helfen kann.

In der Diskussion meldete sich der Berliner Landeselternausschuss zu Wort. Der Ausschuss sieht beim Vorgehen gegen Mobbing unter Schülern nicht nur die Schulen in der Pflicht. „Hier sind auch die Eltern gefragt“, sagte der Vorsitzende des Gremiums, Norman Heise, am Montag. Wenn sich ein Kind zurückziehe, nicht zur Schule wolle oder plötzlich schlechte Noten habe, seien das Alarmzeichen, auf die Eltern reagieren müssten.

Eine große Rolle spiele laut Heise auch Cybermobbing. Auch hier seien die Eltern in der Pflicht. „Es kann nicht sein, dass sie ihren Kindern ein Smartphone schenken und den Rest dann der Schule überlassen.“ Dabei sei wichtig, dass Eltern die Gefahren auch kennen, die ihren Kindern im Internet drohen.

Auch der Berliner Landesschülerausschuss hat eine offenere Debatte über Mobbing gefordert. „Das ganze Klima an den Schulen muss sich ändern“, sagte die Vorsitzende der Schülervertretung, Eileen Hager, am Montag der Deutschen Presse-Agentur.

Viele Schülerinnen und Schüler trauten sich nicht, sich in Mobbing-Fällen an Lehrer und Sozialarbeiter zu wenden. „Eltern sollten an Workshops teilnehmen, um da sensibilisiert zu sein“, sagte Hager. Für Schülerinnen und Schüler wäre es dann leichter, mit Eltern zu reden.

CDU beantragt Anhörung zum Thema Mobbing

Die bildungspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Hildegard Bentele, sagte: „Meine Fraktion hat heute nach dem erschütternden Suizid einer Grundschülerin eine Anhörung zum Thema Mobbing im Bildungsausschuss beantragt.“ Es gehe darum, weitere Hintergründe der Verzweiflungstat zu erfahren und die richtigen Schlussfolgerungen daraus zu ziehen.

„Das Thema schwelt schon lange, deshalb müssen wir uns selbstkritisch mit der Frage auseinandersetzen“, so Bentele weiter. Man müsse fragen, ob an den Schulen und im schulischen Umfeld alles getan werde, damit so etwas nicht wieder passiere. „Schulen dürfen keine Angsträume sein. Wir wollen, dass unsere Kinder in Sicherheit und innerer Ruhe lernen und aufwachsen können“ so Bentele.

Es stehen Vorwürfe im Raum, dass Mobbing an der Schule des Mädchens nicht ernst genommen worden sei. Bereits früher gab es Berichte über Vorfälle an der Hausotter-Grundschule in Reinickendorf. Auch ein Bericht der Bildungsverwaltung aus dem Jahr 2016 stellte Defizite fest. Die Schulleitung spricht von Einzelfällen. Derzeit läuft ein Todesermittlungsverfahren, wie bei Suiziden üblich. Eine Sprecherin der Berliner Staatsanwaltschaft sagte dieser Zeitung, dass der Tod der 11-Jährigen eine große Tragödie sei. (mit dpa)

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