Auflagen

Lüftungsanlagen werden ein Muss für alle Shisha-Bars

Der Berliner Senat plant nun schärfere Vorschriften für Lokale – ein Rap-Song soll die jungen Konsumenten aufklären.

Verena Weihofen vom Landesamt für Gesundheit und Shisha-Bar-Betreiber Tarik Akan, in dessen Bar das Aufklärungsvideo gedreht wurde.

Verena Weihofen vom Landesamt für Gesundheit und Shisha-Bar-Betreiber Tarik Akan, in dessen Bar das Aufklärungsvideo gedreht wurde.

Foto: jörg Krauthöfer /Funke MedienGruppe

Berlin will strengere Auflagen für Shisha-Bars durchsetzen. Die Gaststättenbetreiber sollen künftig verpflichtet werden, eine Lüftung und Kohlen­monoxid-Warnmelder in ihren Räumen einzubauen. Allerdings ist ungeachtet der einmütigen Zielsetzung von Senatsverwaltungen und Abgeordneten offenbar noch unklar, auf welcher rechtlichen Basis solche Auflagen erteilt werden sollen. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) hat derweil eine Kampagne gestartet, um über die Gefahren einer Kohlenmon­oxidvergiftung beim Shisha-Rauchen aufzuklären.

In den vergangenen Wochen häuften sich Berichte über gefährliche Kohlenmonoxidkonzentrationen in Shisha-Bars. So teilte das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg mit, dass im vergangenen Jahr 30 Shisha-Bars kon­trolliert worden seien. Erschütterndes Ergebnis: Alle Lokale wurden, zumindest vorübergehend, geschlossen. In Charlottenburg räumte die Feuerwehr am vergangenen Wochenende eine Shisha-Bar an der Kantstraße, weil die Kohlenmonoxidwerte in der Raumluft zu hoch waren.

Kohlenmonoxid (CO) ist sehr gefährlich. Das Gas ist farb-, geruch- und geschmacklos, aber hochgiftig. Es entsteht vor allem, wenn kohlenstoffhaltige Stoffe, wie zum Beispiel die Kohle in den Shisha-Pfeifen, bei unzureichender Belüftung unvollständig verbrennen. Die akute Gesundheitsgefährdung durch Kohlenmonoxid beim Shisha-Rauchen steht im Zentrum der Aufklärungskampagne des Lageso „Lüften statt vergiften“.

Die Wasserpfeifen sind unter jungen Menschen zunehmend beliebt. Während das Rauchen insgesamt abnimmt, steigt der Shisha-Konsum. „Wir setzen mit unserer Kampagne primär bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen an“, sagte Verena Weihofen, im Landesamt zuständig für umweltbezogenen Gesundheitsschutz, der Berliner Morgenpost.

Berliner Künstler klärt mit Shisha-Rap auf

Die wichtigsten Botschaften: Wer zu Hause Shisha raucht, sollte dies nur draußen oder bei weit geöffneten Fenstern oder Türen tun, nicht aber in geschlossenen Räumen. Und Shisha-Bars sollten nur besucht werden, wenn sie eine Lüftungsanlage und Kohlenmon­oxid-Warnmelder haben. Um diese Botschaften zielgerichtet an 14- bis 24-Jährige zu bringen, hat das Lageso 66.000 Gratispostkarten mit eingängigen Sprüchen in Jugendtreffs sowie in Gaststätten verteilen lassen, die vorwiegend von jungen Menschen frequentiert werden. Mit dem Berliner Künstler Graf Fidi wurde ein Shisha-Rap als Musikvideo produziert, das nun per Youtube, Instagram und Facebook verbreitet wird.

Unabhängig von aller Aufklärung plädiert das Lageso für eine „präventive Erlaubnispflicht“. „Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens könnte gefordert werden, dass Shisha-Lokale über eine Lüftungsanlage und Kohlenmonoxidmelder verfügen müssen, damit Leben und Gesundheit der Gäste und Beschäftigten nicht gefährdet werden“, sagte Weihofen.

Das Problem dabei: Für eine Gaststätte mit weniger als 40 Plätzen braucht der Wirt bislang keine Baugenehmigung. Er muss auch gegenüber den Behörden nicht anzeigen, dass er Shishas anbietet. Nur bei größeren Lokalen können über die Bauordnung Auflagen, etwa für eine Lüftung, erteilt werden. Diese Problematik führt auch dazu, dass niemand weiß, wie viele Shisha-Bars in Berlin eigentlich betrieben werden. Schätzungen gehen von 300 Lokalen aus.

Viele größere Bars haben schon Lüftungsanlagen

Die derzeitigen Regelungen im Gaststätten- und Baurecht lassen also solche technischen Auflagen nicht zu. Sie sind nur anlassbezogen nach Kon­trollen möglich. In Baden-Württemberg zum Beispiel hat man auf das Problem bereits reagiert. Dort wurde auf Basis des Gaststättenrechts eine sogenannte Allgemeinverfügung erlassen. Shishas dürfen dort seit sechs Monaten nur noch bei entsprechenden Einbauten angeboten werden.

Die Berliner Wirtschaftsverwaltung hält nichts davon, den Weg über das Gaststättengesetz zu wählen. Verordnungen könnten dort nur für Betriebe erlassen werden, die Alkohol ausschenken. Das aber sei in den meisten Shisha-Bars nicht der Fall. „Wir sehen die Lösung im Gesundheitsbereich“, sagte Verwaltungssprecherin Svenja Fritz. Dazu seien die beteiligten Senatsressorts „im engen Austausch“.

Sie plädiert für eine Orientierung an einem Gesetzentwurf der Hamburger Gesundheitsverwaltung. Neue Regelungen für Shisha-Bars könnten in Berlin im Rahmen der Novellierung des Nichtraucherschutzgesetzes verankert werden, so Fritz. Diese wird derzeit im Abgeordnetenhaus beraten.

Etliche Betreiber größerer Shisha-Bars halten solche Auflagen für sinnvoll, haben ohnehin längst Lüftungsanlagen installiert. Tarik Akan, Chef im „My Moon“ an der Reinickendorfer Markstraße, hat dafür bereits 18.000 Euro investiert. Er ärgert sich, dass oft alle Shisha-Bars in einen Topf geworfen werden. Deshalb macht er auch bei der Aufklärungskampagne des Lageso mit. Das Rap-Video wurde in seinem Lokal gedreht.

Auch Catherina Pieroth, Gesundheitsexpertin der Grünen im Abgeordnetenhaus, plädiert für einen verpflichtenden Einbau von Lüftungsanlagen in Shisha-Bars. "Es ist wichtig, dass Kohlenmonoxidvergiftungen in Shisha-Bars ausgeschlossen werden, das meine ich nicht nur im Sinne der Besucher, sondern auch im Sinne der Betreiber. Wir müssen im Rahmen der Novellierung des Nichtraucherschutzgesetzes diskutieren, welche Regelungen hierzu im Bezug auf Be- und Entlüftungsanlagen und auf Kohlenmonoxidmelder zu treffen sind“, sagte Pieroth der Morgenpost. „Die Koalition hat sich zum Ziel gesetzt, den Nichtraucherschutz zu verbessern, die gilt natürlich auch für Shishabars.“

Florian Swyter, Wirtschaftsexperte der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus, sieht ebenso wie die Senatswirtschaftsverwaltung dringenden Handlungsbedarf. Er hegt allerdings Zweifel, ob das Nichtraucherschutzgesetz den richtigen Ansatz bietet und empfiehlt rechtliche Auflagen, die bei der Gewerbeanmeldung oder im Gaststättengesetz verankert sein sollten. Swyter kritisierte, dass die Beratung des Themas in den Abgeordnetenhaus-Ausschüssen verschoben wurde

Mehr zum Thema:

Ordnungsamt schließt 30 Shisha-Bars in Tempelhof-Schöneberg

Shisha-Bars wehren sich gegen Gesetzesvorhaben

Shisha-Bars kämpfen gegen verschärften Nichtraucherschutz

© Berliner Morgenpost 2019 – Alle Rechte vorbehalten.