Piktogramme

Kurfürstenkiez: Bunte Bilder sollen Prostituierte fernhalten

Piktogramme werden auf Gehwegen vor Schulen und Kitas gesprüht, weil Prostituierte oft nicht wissen vor welchen Gebäuden sie stehen.

Ein Kind auf der Schaukel ist auf den  Gehweg gesprüht.

Ein Kind auf der Schaukel ist auf den Gehweg gesprüht.

Foto: Anikka Bauer

Berlin. Die bunten Bilder zeigen drei Motive: Kinder mit Schulmappen, ein Kind mit Luftballon und eines auf einer Schaukel. Diese Piktogramme sind immer häufiger auf den Gehwegen im Kurfürstenkiez zu sehen, vor Schulen, Kitas und Spielplätzen. Die kleinen Bilder sollen Prostituierte darauf hinweisen, um welchen Ort es sich handelt, und sie dazu anregen, sich nicht dort aufzustellen.

Mitarbeiterinnen vom Frauentreff Olga haben diese Piktogramme gemeinsam mit sogenannten Sexarbeitenden entwickelt und sprühen sie seit dem
24. Januar auf die Bürgersteige vor Einrichtungen für Kinder, Jugendliche und Familien. Die Aktion wird zuvor mit diesen Einrichtungen abgesprochen, Eltern werden informiert. Die Bilder sind mit einer Kreidefarbe aufgetragen. Der Frauentreff Olga will sie von seinen Straßensozialarbeitern immer wieder erneuern lassen.

Prostituierte wissen oft nicht, wo sie stehen

Die Prostituierten, die aus osteuropäischen Ländern stammen, wüssten oft nicht, vor welchen Gebäuden sie stehen, sagt Heike Krause vom Verein Notdienst Berlin e. V. „Sie sind gern bereit, Rücksicht zu nehmen und woanders hinzugehen. Viele haben selbst Kinder in ihren Heimatländern.“ Der Verein Notdienst betreibt den Frauentreff Olga an der Kurfürstenstraße 40, eine Kontakt- und Beratungsstelle für Prostituierte und drogenabhängige Frauen. Sie existiert seit mehr als 30 Jahren. Etwa 80 bis 100 Frauen kommen täglich in den Treff.

Die Piktogramme sind Teil des Projektes „Nachbarschaft im Kurfürstenkiez“, das vom Quartiersmanagement Schöneberger Norden und vom Bezirksamt Mitte gefördert wird. Ziel ist ein besseres Miteinander der verschiedenen Interessengruppen im Quartier. Auch eine Ausstellung über den Alltag von Prostituierten wird im Rahmen des Nachbarschaftsprojektes gezeigt. Initiiert wurde sie von Sozialarbeiterinnen des Frauentreffs Olga. Sie heißt „Photovoice Kurfürstenstraße“.

Die Ausstellung ist am 30. Januar eröffnet worden. Sie zeigt Fotos, die 14 Frauen aus fünf Nationen von ihrer Lebenswelt im Kurfürstenkiez gemacht haben. In den Texten erzählen die Prostituierten von sich selbst. Die Fotoapparate stellte der Verein Notdienst Berlin zur Verfügung. Er half auch beim Erstellen der Texte. Die Ausstellung ist derzeit im Nachbarschafts- und Familienzen­trum Kurmark an der Kurmärkischen Straße 1–3 zu sehen. Sie wird bis Sommer 2019 an verschiedenen Orten im Quartier gezeigt.

Mehr Sensibilität und Verträglichkeit fördern

Das Projekt „Nachbarschaft im Kurfürstenkiez“ habe zum Ziel, „Nachbarschaft zu fördern, zu mehr Sensibilität, mehr Verträglichkeit beizutragen“, sagt Jörn Oltmann (Grüne), Stadtrat für Stadtentwicklung in Tempelhof-Schöneberg, auf Anfrage der Berliner Morgenpost. Mit den Piktogrammen könne für Verständnis, Respekt und Rücksicht geworben werden, „was sicherlich zu einer Verbesserung der Situation im Kiez beitragen kann.“

Zum Nachbarschaftsprojekt gehöre jedoch noch mehr, erzählt der Stadtrat. Sprechstunden für Anwohner sind eingerichtet worden. Erzieher und Sozialarbeiter werden für den Umgang mit Prostituierten qualifiziert. Im Kurfürstenkiez, sagt Oltmann, „ist es immer wieder erforderlich, für eine gute, verträgliche Nachbarschaft zu sorgen, ohne auf der einen Seite Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter zu diskriminieren oder auf der anderen die Belange der Nachbarinnen und Nachbarn nicht ernst zu nehmen.“