Berliner Clan-Chef

Haftbefehl gegen Arafat Abou-Chaker aufgehoben

Clan-Chef Abou-Chaker war im Amtsgericht Tiergarten verhaftet worden. Nun wurde der Haftbefehl laut Staatsanwaltschaft aufgehoben.

Arafat Abou-Chaker (l.) mit seinem ehemaligen Geschäftspartner Bushido (Archivbild).

Arafat Abou-Chaker (l.) mit seinem ehemaligen Geschäftspartner Bushido (Archivbild).

Foto: pa/dpa

Berlin. Eine der medienwirksamsten Verhaftungen in Berlin könnte der Berliner Staatsanwaltschaft nun auf die Füße fallen. Familienclanchef Arafat Abou-Chaker, der im Verdacht steht, an der Planung der Entführung der Frau und der Kinder des Berliner Rappers Bushido beteiligt gewesen zu sein, wurde aus der Untersuchungshaft entlassen. Ein Ermittlungsrichter hob den Haftbefehl auf. Die Staatsanwaltschaft prüft nun, Beschwerde gegen den Beschluss einzulegen. Die Kanzlei des Rechtsanwaltes von Abou-Chaker teilte auf Nachfrage der Berliner Morgenpost mit, dass man zu laufenden Mandaten generell keine Auskunft erteile.

Nach Informationen der Berliner Morgenpost störte sich der Haftrichter daran, dass die Anschuldigungen im Wesentlichen auf einer belastbaren Zeugenaussage beruhen – für die Haft zu wenig. Auch in den zurückliegenden Tagen gelang es offenbar nicht, die Vorwürfe weiter zu erhärten. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter teilte die Generalstaatsanwaltschaft lediglich mit, dass Haftgründe fehlen würden. Nähere Angaben machte sie nicht. Noch am Donnerstag konnte Arafat Abou-Chaker die Untersuchungshaftanstalt in Moabit verlassen.

Abou-Chaker war am 15. Januar überraschend im Amtsgericht Tiergarten verhaftet worden. Nach der Urteilsverkündung in einem anderen Verfahren verkündete der Richter den Haftbefehl. Der Vorwurf: eine geplante Entführung von Familienmitgliedern des Rappers Bushido. Abou-Chaker, der ehemalige Geschäftspartner des Rappers, sei dringend der Verabredung zu einem Verbrechen verdächtig, hieß es damals. Der 42 Jahre alte Clanchef wurde noch am gleichen Tag zur Untersuchungshaft in eine Zelle an der Turmstraße gebracht. Kurz darauf war auch der Bruder des Clanchefs in Dänemark verhaftet worden. Er ist bislang aber noch nicht nach Deutschland überstellt worden. Die Auslieferung des 37-Jährigen wurde von den Berliner Behörden aber beantragt.

Strategie der Ankläger war von Beginn an riskant

Über die spektakuläre Verhaftung Abou-Chakers wurde weit über die Grenzen Berlins berichtet. Doch die Vorbereitung einer Straftat ist oft schwer nachzuweisen. Schon kurz nach der Aktion mahnten Kritiker, dass sich die Bilder der Verhaftung auch ins Negative umkehren könnten – nämlich dann, wenn ein Untersuchungsrichter wie am Donnerstag geschehen den Haftbefehl aufhebt.

Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Norbert Cioma, mahnte allerdings, dass eine Haftentlassung nicht bedeute, dass die Vorwürfe fallen gelassen würden. Er sagt: „Es war jedem bewusst, dass Arafat Abou-Chaker vermutlich nicht bis zu einer möglichen Anklageerhebung in Untersuchungshaft bleiben wird, und dennoch war es wichtig, dass er auch mal eine Zelle von innen gesehen hat. Dass der Haftbefehl jetzt aufgehoben wurde, bedeutet nicht das Ende der Ermittlungen. Wir sind uns sicher, dass die Staatsanwaltschaft engagiert dranbleibt.“ Mit leeren Händen stehen die Ermittler nicht da. Denn ohne Beweise hätten sie keinen Haftbefehl erwirken können.

Ende November hatte die Berliner Polizei mit einem größeren Aufgebot und Spezialkräften in Kleinmachnow südwestlich der Hauptstadt ein Haus durchsucht. Der Einsatz stand im Zusammenhang mit den aktuellen Ermittlungen. Bushido und seine Frau Anna-Maria Ferchichi hatten im September 2018 in einem Interview des Magazins „Stern“ über die Trennung von ihrem langjährigen Geschäftspartner gesprochen. Dabei sagten sie auch, sie fühlten sich bedroht. Bushido erzählte, er habe die Familie abgesichert. „Falls mir etwas passieren sollte, ist für meine Frau und meine Kinder gesorgt.“ Er führe die Auseinandersetzung nach der Trennung juristisch. „Aber auf der Straße laufen ganz andere Sachen, über die niemand mit der Polizei redet.“ Seine Frau ergänzte: „Natürlich haben wir Angst, dass jemand aus Rache auf mich oder meinen Mann schießt. Eigentlich rechnen wir jeden Tag damit.“

Nach der Trennung von Geschäftspartner Arafat Abou-Chaker war Bushido aber nicht schutzlos, sondern soll mit Ashraf R., der selbst zu einer bekannten Großfamilie gehört, einen neuen Beschützer an seiner Seite gefunden haben. Mit Capital Bra unterzeichnete zudem einer der kommerziell erfolgreichsten Rapper Deutschland einen Vertrag bei Bushido. Nach der Verhaftung Arafat Abou-Chakers trennte sich Capital Bra allerdings von Bushido „Jetzt scheißt er Leute an, und die Leute gehen in den Knast“, nannte Capital Bra als Begründung.

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