Gesellschaft

Schultoiletten für drittes Geschlecht auch in Berlin?

Ein Schild "WC für alle Geschlechter" hängtan der Tür zu einer ehemaligen Damentoilette.

Ein Schild "WC für alle Geschlechter" hängtan der Tür zu einer ehemaligen Damentoilette.

Foto: dpa

Berlin. Die Debatte um Toiletten für das dritte Geschlecht an bayerischen Grundschulen verfängt in Berlin offensichtlich nicht so recht. Weder Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) noch der Senator für Antidiskriminierung, Dirk Behrendt (Grüne), wollten sich am Mittwoch auf dpa-Anfrage zu dem Thema äußern. Beide ließen über ihre Sprecher ausrichten, sie seien nicht zuständig.

Der Grünen-Abgeordnete Sebastian Walter sagte der dpa, das Thema werde aus seiner Sicht symbolisch völlig überladen. Er plädierte für pragmatisches Vorgehen. "Die Frage ist doch: Braucht es so was? Gibt es Bedarf?", sagte der Sprecher seiner Fraktion für Antidiskriminierungs- und Queerpolitik der dpa. Wenn Eltern und Kinder diesen Bedarf sähen, könnten Schulen selbst entscheiden, eine solche Toilette einzurichten.

Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg teilte mit, bei Neubau- und Sanierungsmaßnahmen an Schulen sei man an die Vorgaben von berlinweit geltenden Musterraumprogrammen gebunden. "Diese sehen derzeit solche Toiletten nicht vor." Anliegen von Schulen in Trägerschaft des Bezirks, Toiletten für das dritte Geschlecht einzurichten, seien im Schulamt nicht bekannt.

In mehreren geplanten Grundschulen in Bayern sollen Kinder künftig zwischen drei Toiletten wählen können: einer für Mädchen, einer für Jungen und einer für das sogenannte dritte Geschlecht. Menschen, die sich weder als Frau noch als Mann identifizieren, können sich seit kurzem offiziell als "divers" bezeichnen, was umgangssprachlich häufig als drittes Geschlecht bezeichnet wird. In vielen Berliner Behörden gibt es bereits Unisex-Toiletten, in denen alle Menschen ihr Geschäft erledigen können.