Gedenktag

Wie Berlin und Brandenburg der Holocaust-Opfer gedenken

In den ehemaligen Konzentrationslagern wird am Sonntag an die Holocaust-Opfer erinnert. Auch in Berlin gibt es Gedenkfeiern.

 Mit einer Kranzniederlegung an der Station Z des ehemaligen Konzentrationslagers Sachsenhausen wurde auf einer öffentlichen Geedenkfeier an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert.

Mit einer Kranzniederlegung an der Station Z des ehemaligen Konzentrationslagers Sachsenhausen wurde auf einer öffentlichen Geedenkfeier an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert.

Foto: Bernd Settnik / Foto: Bernd Settnik/dpa

Oranienburg/Berlin.  Mit Kranzniederlegungen, Vorträgen, Lesungen und einer Theateraufführung wurde am Sonntag an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Die KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen und der Brandenburger Landtag richteten zum Holocaust-Gedenktag eine gemeinsame Gedenkfeier aus. Im Mittelpunkt standen in diesem Jahr die mehr als 6300 jüdischen Männer, die nach dem Novemberpogrom 1938 in das KZ Sachsenhausen verschleppt wurden. Mindestens 64 von ihnen überlebten die Haft nicht. Schüler lasen deren Namen vor.

Bei der Gedenkfeier wurde die Ausstellung „Im Reich der Nummern. Wo die Männer keine Namen haben“ über die Geschichte von Haft und Exil der Novemberpogrom-Gefangenen im KZ Sachsenhausen eröffnet. Zu dem erstmals in Deutschland gezeigten Material gehörten Interviews mit Kindern und Enkeln der NS-Verfolgten, teilte die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten mit. Die Dokumente seien in den USA, Großbritannien und Israel aufgezeichnet worden.

Im Frauen-KZ Ravensbrück waren 900 Kinder inhaftiert

Am ehemaligen Standort der Gaskammer in Brandenburg an der Havel wurde am Sonntag mit Kränzen an die Opfer der nationalsozialistischen Euthanasie-Morde erinnert. Anschließend wurde das Theaterstück „Komm schöner Tod“ aufgeführt, das die Euthanasie-Morde in Beziehung mit ethischen Fragen zu Behinderung und Medizin setzt. Im ehemaligen Frauen-Konzen­trationslager Ravensbrück im heutigen Fürstenberg/Havel standen die Kinderhäftlinge im Mittelpunkt. Rund 900 Kinder im Alter von zwei bis 16 Jahren aus vielen Ländern waren dort inhaftiert. Außerdem wurden dort mehr als 560 Kinder geboren.

Bei einer Lesung standen Erinnerungen von Kinderhäftlingen und Müttern, die in dem KZ ihre Babys zur Welt bringen mussten, im Mittelpunkt. Weitere Veranstaltungen gab es unter anderem in der Todesmarsch-Gedenkstätte im Belower Wald bei Wittstock, in Potsdam, Frankfurt an der Oder, Eberswalde und Cottbus. Bereits am Freitag hatte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) in Potsdam dazu aufgerufen, „Erinnerungen an die Vergangenheit wachzuhalten und Rechtsextremismus sowie Rechtspopulismus entschieden entgegenzutreten“. Auschwitz sei „das Symbol für Massenmord und ideologische Vernichtung“, so Woidke weiter. „Daraus müssen wir heute mehr denn je unsere Lehren ziehen.“

Der frühere Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Günter Morsch, wies am Sonntag auf neue Herausforderungen für die Erinnerungskultur hin. Mit dem „allmählichen Erlöschen der Erlebnisgeneration und dem absehbaren Ende der Zeitzeugenschaft“ werde aus Zeitgeschichte Geschichte, sagte der Historiker bei einer Gedenkveranstaltung im saarländischen Landtag in Saarbrücken. Die emotionale Kraft in der Darstellung ihrer subjektiven Geschichte durch Überlebende sei jedoch unersetzbar. „Die Zeitzeugen, vor allem aus dem Kreis der Opfer der NS-Verbrechen, waren in der Lage, durch ihre Präsenz und ihre eindrucksvollen Berichte eine Brücke zwischen Gegenwart und Vergangenheit zu schlagen“, betonte Morsch. Diese Brücke lasse sich nicht länger aufrechterhalten.

Regierender Bürgermeister äußert sich auf Twitter

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) rief am Sonntag auf Twitter zur Verteidigung der Demokratie gegen Rechtspopulisten, Rechtsextremisten und Antisemiten auf. „Der Rechtsstaat muss alle seine Mittel einsetzen, den Gegnern unserer freiheitlichen Demokratie, Rechtspopulisten, Rechtsextremisten und Antisemiten entschieden entgegenzutreten“, schrieb Müller. Das nationalsozialistische Deutschland habe in beispielloser Weise Menschen ausgegrenzt und vernichtet. Es sei die Pflicht aller, immer wieder daran zu erinnern. Bürgermeister Klaus Lederer (Linke) kam zur Gedenkfeier des Lesben- und Schwulenverbandes für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen.

Am Holocaust-Gedenktag wird der sechs Millionen ermordeten europäischen Juden und aller anderen Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Am 27. Januar 1945 hatten sowjetische Soldaten die Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz befreit. Auch der Bundestag erinnert jährlich in einer Gedenkstunde an die Opfer, dieses Jahr am kommenden Donnerstag. In den Stadien der Fußball-Bundesligavereine wurde ebenfalls an die Auschwitz-Befreiung erinnert. Im Olympiastadion zeigten sich die Spieler von Hertha BSC und FC Schalke 04 am Freitagabend mit einem Banner und der Aufschrift „Nie wieder“.

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