Bushido vs. Capital Bra

Warum der Rapper-Krieg in Berlin eskaliert

Der Bruder von Arafat Abou-Chaker wurde in Dänemark verhaftet. Indes verlässt Rapper Capital Bra unter Protest Bushidos Label.

Der Berliner Rapper Capital Bra (Mitte) beendete die Zusammenarbeit mit dem Label von Bushido (l). Rechts Arafat Abou-Chaker.

Der Berliner Rapper Capital Bra (Mitte) beendete die Zusammenarbeit mit dem Label von Bushido (l). Rechts Arafat Abou-Chaker.

Foto: pa/Olaf Wagner/Imago Stock/Montage: BM

Berlin. Die Ermittlungsbehörden haben mit einer weiteren Festnahme erneut für Unruhe im Milieu mutmaßlich krimineller Familienclans gesorgt: Wie die Berliner Staatsanwaltschaft der Berliner Morgenpost am Mittwoch bestätigte, ist ein Bruder des Clanchefs Arafat Abou-Chaker bereits am Montagabend in Dänemark verhaftet worden. Der Bruder sitze derzeit in einer Auslieferungshaftanstalt. Die Verhaftung stehe im Zusammenhang zu einem Ermittlungskomplex um eine mögliche Entführung der Frau und Kinder des Berliner Rappers Bushido. Demnach soll der Bruder von Arafat Abou-Chaker an der Planung der Entführung beteiligt gewesen sein, heißt es seitens der Staatsanwaltschaft. Ein Anwalt der Familie war für die Berliner Morgenpost am Mittwoch nicht erreichbar.

Erst vor wenigen Tagen war Arafat Abou-Chaker wegen ähnlicher Vorwürfe spektakulär im Gerichtssaal verhaftet worden. Der Clanchef war gerade in einem anderen Verfahren zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden, als ihm der Richter den Haftbefehl der Staatsanwaltschaft verkündete. Seitdem sitzt Arafat Abou-Chaker in Untersuchungshaft. Die Verhaftung kam für ihn und seine Verteidiger völlig überraschend. Oberstaatsanwältin Petra Leister nutzte den Gerichtstermin, um den Haftbefehl gegen den Clanchef vollstrecken zu lassen.

Die Verhaftungen schlagen vor allem im millionenschweren Rap-Geschäft sehr hohe Wellen. Um zu verstehen warum, muss man an den Anfang des Konflikts zurückgehen. Arafat Abou-Chaker und der Rapper Bush­ido hatten sich bereits im Frühjahr des vergangenen Jahres geschäftlich getrennt. Bushido suchte Schutz bei einem anderen Clan. Gerüchten zufolge soll es sich dabei um Ashraf R. handeln.

Über Monate hatte sich der Konflikt zwischen Bushido und seinem alten Freund aber weiter zugespitzt. Im Kern geht es dabei nicht nur um alte und neue Freundschaften, sondern auch um ein millionenschweres Geschäft. Denn Gangsterrap ist so angesagt wie noch nie, und wird von Berlin über Dresden bis Offenbach und München gehört. In Bewegung kam die Szene, als mit dem Berliner Rapper Capital Bra einer der derzeit kommerziell erfolgreichsten deutschen Musiker im vergangenen Jahr seine Zusammenarbeit mit Bushido bekannt gab.

Clanland

Nun aber verkündete Capital Bra am Dienstagabend in einem kurzen Video bei Instagram, dass er nicht mehr für das Label von Bushido arbeiten wird. Er begründet den Schritt damit, dass sein (ehemaliger) Labelboss mit der Polizei zusammenarbeite. „Jetzt scheißt er Leute an, und die Leute gehen in den Knast.“ Er sei nicht für so was, sagt er weiter.

Rapper verhöhnen Bushido für Aussage bei der Polizei

Unklar ist im Moment, wie sich Ashraf R., Mitglied einer anderen arabischen Großfamilie, der damals Capital Bra zu Bushido lotste, verhalten wird. Denn sollte auch er sich von Bushido abwenden, stünde der einst erfolgreichste Rapper Deutschlands ohne Beschützer da. Wie groß der Unmut in der Rapperszene auf Bushido ist, zeigt ein neues Video, dass Capital Bra unter dem Pseudonym „Joker Bra“ zusammen mit dem Berliner Künstler Samra einen Tag vor der überraschenden Trennung veröffentlichte. Es trägt den Titel „Fick 31er“ – eine Anspielung auf die Kronzeugenregelung und in der Szene gleichbedeutend mit einem Verräter.

In den Songtexten der Gangster-Rapper-Szene mögen wechselseitige Verbalattacken aufgesetzt wirken, wie inszenierte Provokationen zur Imagepflege. Auf den Straßen entladen sie sich allerdings mitunter in brutalen Revierkämpfen. In Dresden zeigte sich die Gewalt, als Mitglieder eines Clans ein Tonstudio einer verfeindeten Rappertruppe stürmen wollten. An der Auseinandersetzung sollen auch führende und einschlägig polizeibekannte Mitglieder einer Großfamilie aus Berlin beteiligt gewesen sein. „Die Menschen wissen, sie können nicht mit uns umgehen, wie sie wollen“, sagte ein Berliner Gangster-Rapper, der zu einem anderen polizeibekannten Clan gehört, in einer Fernsehdokumentation des RBB und der Berliner Morgenpost, die im vergangenen Sommer ausgestrahlt wurde. Jeder Rapper in Deutschland habe einen „Rücken“, sagte der Rapper. Gemeint ist damit die Unterstützung eines Familienclans. Die Szene gleiche einem Haifischbecken, sagte der Rapper. Ohne „Rücken“ sei man „wie eine Kaulquappe“. Für Bushido sind das keine guten Aussichten.

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