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Besserer Unterricht

Mehr Deutsch und Mathematik für Berlins Schüler

Die Bildungssenatorin startet eine Qualitätsoffensive für die Berliner Grundschulen. Bis zu 200 neue Lehrer werden eingestellt.

Der Schulunterricht in Berlin soll besser werden.

Foto: Patrick Pleul / dpa

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Berlins Schüler sollen besser in den Fächern Deutsch und Mathematik werden. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) legte dafür am Mittwoch eine 39 Punkte umfassende „Qualitätsoffensive“ vor. So erhalten etwa Grundschüler künftig eine Stunde mehr Deutschunterricht.

Kinder der ersten Klasse haben dann sieben, Schüler der zweiten bis vierten Klassen acht Stunden Deutsch pro Woche. Lernziel sei unter anderem flüssiges Lesen für besseres Textverständnis. Zunächst 90, langfristig bis zu 200 zusätzliche Lehrer werden dafür eingestellt.

Ein bundesweiter Vergleichstest unter Drittklässlern hatte ergeben, dass die Hälfte der Schüler aus Berlin in Rechtschreibung nicht einmal die Mindestanforderungen erfüllte. Dabei investiert Berlin pro Kopf mehr in seine Schüler als die anderen Länder.

Lernstandserhebungen für Schüler und Fortbildungen für Lehrer

Die jetzt vorgestellten Pläne für das Fach Mathematik umfassen mehr Fortbildung für Lehrer sowie einheitliche Lehr- und Lernmittel. In sogenannten Lernstandserhebungen wird pro Schuljahr in jeder Jahrgangsstufe per Fragebogentest festgestellt, auf welchem Niveau sich Grundschüler befinden. Zudem sollen bis Ende 2019 Verträge zwischen Schulaufsicht und Schulen geschlossen werden, mit dem Ziel größerer Verbindlichkeit bei den Lerninhalten. Die Voraussetzungen der Schüler beim Übergang von Kita zu Schule und weiterführenden Schulen werden enger abgestimmt.

Auch die Lehrerleistungen sollen effizienter werden. Schulinterne Bewertungen der Lehrer sollen durchgesetzt und ein Feedback für Führungskräfte eingeführt werden. In einer zu gründenden Führungsakademie werden etwa Schulleiter und mittleres Management ausgebildet. Daneben soll jede Schule zur Ausbildungsschule für Quereinsteiger werden, also für Lehrer ohne pädagogisches Studium. Ihr Anteil liegt angesichts des Lehrermangels in Berlin bei fünf Prozent. Aufgrund von Abgängen sowie wachsender Einwohnerzahlen werden jährlich 2500 bis 3000 neue Lehrer benötigt.

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Opposition kritisiert, Berlin handele mit Jahren Verspätung

Die Opposition kritisierte das Konzept. Die bildungspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Hildegard Bentele, urteilte, Berlin handele mit mehrjähriger Verspätung. „Wie lange darf Scheeres noch auf Kosten der Berliner Schüler improvisieren?“, so Bentele.

Der Vorsitzende des Landeselternausschusses, Norman Heise, sagte: „Vieles deckt sich mit dem, was wir gefordert haben.“ Allerdings seien viele der Vorhaben mit Mehrarbeit der Lehrer verbunden. Tom Erdmann, Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Berlin, mahnte entsprechend: „Qualitätsverbesserung gelingt nur, wenn die Pädagogen nicht permanent überlastet sind, weil sie viel zu viele Aufgaben erledigen müssen.“

Und Beatrice Kramm, Präsidentin der Industrie- und Handelskammer zu Berlin, sagte: „Mit der Verpflichtung der Lehrkräfte zur Selbstevaluierung und Fortbildung setzt die Bildungsverwaltung Forderungen der Wirtschaft um, die für die nachhaltige Verbesserung der Qualität schulischer Bildung unerlässlich sind.“

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