Berlin

Sollen wildlebende Katzen in Berlin kastriert werden?

Geschätzt 10.000 streunende Katzen gibt es in Berlin. Seit einem halben Jahr gibt es einen Entwurf für eine Katzenschutzverordnung.

Katzen kurz nach der Kastration in Narkose (Archivbild).

Katzen kurz nach der Kastration in Narkose (Archivbild).

Foto: Grit Büttner / dpa

Berlin. In Berlin können sich freilaufende Katzen vorerst weiter ungehindert vermehren. Der seit rund einem halben Jahr vorliegende Entwurf für eine Katzenschutzverordnung mit Kastrationspflicht befinde sich noch in der Abstimmung, sagte Michael Reis, Sprecher der Senatsjustizverwaltung, der Deutschen Presse-Agentur. Wann ein Ergebnis zu erwarten sei, sei offen.

Die Verwaltung stellt dem Tierschutzverein seit 2018 Geld für die Kastration verwilderter Katzen zur Verfügung, von denen es schätzungsweise mindestens 10 000 in der Hauptstadt gibt. Im vergangenen Jahr konnte laut Verein aber nur ein Bruchteil abgerufen werden.

Sprecherin Annette Rost bedauert, dass die Senatsverwaltung dem Entwurf der Landestierschutzbeauftragten «eher kritisch bis ablehnend gegenübersteht». «Ich hoffe, dass sich das Blatt noch wendet», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Andere Metropolen hätten es auch geschafft, eine solche Verordnung einzuführen.

Tierschützer fordern die Kastrationspflicht auch in Berlin seit Jahren. In fast 700 Städten und Gemeinden gibt es sie laut Deutschem Tierschutzbund bereits.

Katzenschutzverordnung bereits im Koalitionsvertrag festgeschrieben

Eine Berliner Katzenschutzverordnung war bereits im Koalitionsvertrag festgeschrieben. Doch bislang hat die Verwaltung lediglich Geld für die Kastration bereit gestellt: Für 2018 und 2019 jeweils 50 000 Euro. «2018 konnten gerade einmal 6733,74 Euro abgerufen werden. Grund war die späte Bereitstellung des Geldes», sagt Rost.

Kein Haustier verwildert ohne Zuhause wieder so schnell wie die Katze. «Wenn Freigängerkatzen sich unkontrolliert vermehren, entsteht ein unglaubliches Elend», warnte die Tierschutzbeauftragte Diana Plange in einem früherem Interview. Die Fachtierärztin für Tierschutz und Tierschutzethik trieb deshalb die vom Senat geplante Kastrationspflicht für Katzen voran. Die nicht entwurmten und geimpften Tiere könnten nicht nur krank werden, sondern auch Erreger weitergeben, etwa wenn sie in Sandkästen ihren Kot hinterließen - eine Gefahr für Kinder.

Der Bundesverband Praktizierender Tierärzte rät dazu, nicht nur Miezen, die heraus dürfen, zu sterilisieren. Auch Wohnungskatzen profitierten davon. Nicht kastrierte Tiere seien dauerhaft rollig. Kater markierten die Wände, Katzen könnten Zysten bekommen und viele Tiere jaulten durch den Hormon-Stress.