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Prozessauftakt

LaGeSo mit angeblichen Wohnungen für Geflüchtete abgezockt

Ein Immobilienmakler soll Wohnungen angemietet und die Unterbringung von Geflüchteten vorgetäuscht haben. Zahlen musste das LaGeSo.

Geflüchtte warten vor dem LaGeSo (Archivbild)

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Berlin. Der Bedarf an Unterkünften war gewaltig, als 2015 und 2016 Flüchtlinge in großer Zahl nach Berlin kamen. Das zuständige Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) war dankbar für jedes Angebot. Wenn dann ein Anbieter kommt, der im Namen ein von und zu führt und Spross eines uralten fränkischen Adelsgeschlecht ist, dürfen Seriosität und Verlässlichkeit vorausgesetzt werden, dachte sich offenbar das Amt. Das war ein Fehler, meint zumindest die Staatsanwaltschaft.

Denn Wolfgang von A. soll mit gewieften Tricks und Fälschungen beim LaGeSo abkassiert haben, ohne die vereinbarte Gegenleistung zu erbringen. Seit Freitag steht er deshalb vor Gericht. Gewerbsmäßiger Betrug und gewerbsmäßige Urkundenfälschung wirf die Staatsanwaltschaft dem 31-Jährigen vor. Und damit aus dem Titel „von und zu“ kein „auf und davon“ wird, sitzt der umtriebige Immobilienmakler derzeit in Plötzensee in Haft. Der Angeklagte gestand die Taten, eine finanzielle Notlage und Drogenprobleme hätten ihn dazu verleitet.

Das betrügerische Vorgehen, dass die Berliner Staatsanwaltschaft dem 31-Jährigen vorwirft, war dreist, aber auch simpel. Zwischen Januar und Mai 2016 mietete er in Berlin Wohnungen an, um dann die dortige Unterbringung von Flüchtlingen vorzutäuschen. Denn die Unterbringungskosten, die von A. dem Amt in Rechnung stellte, gab es nicht. Die für die Abrechnung erforderlichen Erklärungen der untergebrachten Personen, dass sie zum angegeben Zeitpunkt tatsächlich in den Wohnungen lebten, hat der Angeklagte allesamt gefälscht. Zudem befanden sich die angegebenen Wohnungen teilweise gar nicht seinem Besitz oder waren anderweitig vermietet.

61.000 Euro in Rechnung gestellt

13 Rechnungen hat von A. an das LaGeSo geschickt, mit Forderungen, die zwischen bescheidenen 200 und üppigen 28.000 Euro lagen. Die von ihm in Rechnung gestellte Gesamtsumme betrug etwa 61.000 Euro. Vereinbarungsgemäß leistete das Amt Abschlagszahlungen in Höhe von knapp 33.000 Euro. Weitere von dem 31-Jährigen versandte Rechnungen wurden dann allerdings nicht mehr beglichen. Nach vier Monaten schöpften Mitarbeiter des LaGeSo Verdacht und der Schwindel, flog auf.

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Gegen Wolfgang von A. besteht zwar ein Berliner Haftbefehl, hinter Gittern sitzt der Angeklagte allerdings zur Verbüßung einer Reststrafe aufgrund eines Urteils des Landgerichts Bamberg. Und parallel zu dem aktuellen Verfahren in Berlin ermittelt auch die Staatsanwaltschaft in Nürnberg, auch dort liegt ein Haftbefehl vor. Der Immobilienmakler hat die Justiz schon häufiger beschäftigt.

Vor dem Landgericht Moabit sind fünf Verhandlungstage angesetzt, Fortsetzung ist am 23. Januar.

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