Biesdorf

Schule zu klein: Kinder müssen in marode Räume ziehen

Der stark gestiegene Zuzug von Familien mit kleinen Kindern in Biesdorf war nicht absehbar. Nun ist die Schule zu klein.

Die neugebaute Grundschule  am Fuchsberg ist bereits zu klein. Deshalb sollen einige Schüler wieder in den alten Containern unterrichtet  werden.

Die neugebaute Grundschule am Fuchsberg ist bereits zu klein. Deshalb sollen einige Schüler wieder in den alten Containern unterrichtet werden.

Foto: Lorenz Vossen

Berlin. Im Spätsommer letzten Jahres war die Welt noch in Ordnung. Mit vielen fröhlichen Gesichtern und vom Schulorchester begleitet, wurde die neue Grundschule am Fuchsberg eingeweiht. Nach den Herbstferien zogen 490 Schüler in den schicken Bau in Biesdorf, der am Ende sogar eine Million Euro weniger kostete als vorgesehen.

Das Problem: Die Schule war von Anfang an nur auf rund 430 Schüler ausgelegt, da die Planungen schon vor 20 Jahren losgingen und wegen etlicher Verzögerungen erst 2016 mit dem Bau begonnen wurde. Der stark gestiegene Zuzug von Familien mit kleinen Kindern in Biesdorf war nicht absehbar.

Klassen sind jetzt schon überfüllt

Schon jetzt sind die Klassen überfüllt, statt wie vorgesehen maximal 26 teilen sich rund 30 Kinder einen Raum. Aktuell muss ob der Überbelegung sogar die Bibliothek als Unterrichtsraum herhalten. Der Bezirk hatte deshalb ein Jahr vor Eröffnung entschieden, auf einem benachbarten Grundstück sechs Container aufzustellen, mit Kapazität für 150 Schüler.

Diese Woche erreichte die Schule nun aber die Nachricht, dass es mit den neuen Containern so schnell nichts wird. Aufgrund der Zahl schulpflichtiger Kinder zum Schuljahr 2019/20 sei es nötig, die Container am alten Standort der Schule im Dankratweg zu beziehen, heißt es in einem Schreiben des Schulamts. Von eben dort aber konnte man dank des Neubaus nach 26 Jahren endlich ausziehen – die Container waren ein totaler Sanierungsfall.

Die Eltern sind schockiert, dass ein Teil der Kinder nun in die „verschimmelten“ Räume zurückkehren soll. „Das ist, wenn überhaupt, nur nach einer umfangreichen Sanierung möglich“, sagt Elternvertreterin Wenke Snelinski. Diese hat Bildungsstadtrat Gordon Lemm (SPD) nun angekündigt. Kommendes Schuljahr sollen die Container am alten Standort wieder in einem annehmbaren Zustand sein.

Aufstellen der Container dauert 15 Monate

Lemm erklärt den unbeliebten Umzug mit der langen Vorlaufzeit, die die Aufstellung der neuen Container benötige. „Die baurechtlichen Anforderungen sind ähnlich denen eines Hausbaus“, so der Stadtrat. Zudem hatte es mit der Senatsfinanzverwaltung, mit der Kapazitätserweiterungen an Schulen abgestimmt werden müssen, Probleme bei Fragen der Finanzierung gegeben. Es gab keine Regelung für die Finanzierung solcher Container, zumal der Bezirk selbst das nötige Geld nicht hatte. Im Herbst wurde dann eine Einigung gefunden und eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben.

Diese ergab, dass es bis zum Aufbau der Container 15 Monate dauern würde. Zwar will der Bezirk mit dem Bauamt versuchen, diese Spanne auf maximal zehn Wochen zu verkürzen, dies wäre aber immer noch zu wenig Zeit bis zum Schulstart im August. Zumal die Container noch nicht mal bestellt sind, die nötigen Vorbereitungen laufen noch. Angestoßen wurde die Planung für die Container im Mai 2017, dabei war der Mehrbedarf schon 2016 mit
Baubeginn der neuen Fuchsberg-Schule bekannt. Der Biesdorfer CDU-Abgeordnete Christian Gräff wirft der Schulverwaltung im Bezirk Schlamperei vor:
„Das Thema wurde ganz klar verschleppt.“

Stadtrat Lemm plant derweil schon weiter: Die sechs Container sollen ein gutes Jahr später von modularen Unterrichtsräumen abgelöst werden. Sie ähneln von Art und Größe her den Containern, sind aber besser ausgestattet, komfortabler und haben eine längere Standzeit. Insgesamt sechs Millionen Euro werden für Container (2,5 Millionen Euro) und Module (3,5 Millionen Euro) fällig. „Das ist viel Geld, aber die beste Lösung“, sagt Lemm. So sollen die Container nach Abbau an anderer Stelle zum Einsatz kommen, wo der Platz eng wird. Dass es in Marzahn-Hellersdorf dazu kommen wird, gilt laut Lemm als sicher.

Fast 3000 Euro Schaden wegen Einbruchsversuchs

Schon im November hatte die Fuchsberg-Schule Schlagzeilen gemacht, wenn auch anderer Natur. Zur Einweihung hatte ein Künstler ein Vogelnest aus purem Gold erstellt, das seither in einer Vitrine aus Panzerglas ausgestellt wird. Materialwert: 28.000 Euro. Laut Gesetz muss bei Gebäuden der öffentlichen Hand bis zu ein Prozent der Baukosten für Kunst ausgegeben werden. Eines Nachts versuchten Einbrecher das Goldnest zu stehlen, scheiterten aber an der Eingangstür. Wie aus der Antwort von Wirtschaftsstadträtin Nadja Zivkovic (CDU) auf eine CDU-Anfrage nun hervorgeht, belaufen sich die Kosten für die Reparatur der Glastür auf knapp 3000 Euro. Der Abschluss einer Hausratversicherung sei nicht vorgesehen, da das Land Berlin Selbstversicherer sei.

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