Nach BER-Eröffnung

Lufthansa-Chef will Offenhaltung von Tegel neu bewerten

Carsten Spohr zweifelt, ob die Kapazitäten am BER ausreichen. Deshalb sollte man die Offenhaltung von Tegel noch einmal prüfen.

Carsten Spohr, Chef der Lufthansa, hat angeregt, die Offenhaltung des Berliner Flughafens Tegel (TXL) nochmals zu prüfen.

Carsten Spohr, Chef der Lufthansa, hat angeregt, die Offenhaltung des Berliner Flughafens Tegel (TXL) nochmals zu prüfen.

Foto: pa

Berlin. Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr hat angeregt, die Offenhaltung des Berliner Flughafens Tegel nochmals zu prüfen. Er begründete seine Ansicht mit dem wachsenden Flugverkehr und Zweifeln, ob die Kapazität des Hauptstadtflughafens BER in Schönefeld ausreichen wird.

Dessen Eröffnung ist für Oktober 2020 geplant. Der Flughafen Tegel soll spätestens ein halbes Jahr später schließen.

Spohr sprach zugleich von „unhaltbaren Zuständen“ in Tegel. „Und wir werden weiterhin keine Ruhe geben, bis diese Situation verbessert wird“, sagte er am Dienstagabend am Rande des Neujahrskonzertes der Lufthansa im Konzerthaus am Gendarmenmarkt.

Spohr: Unklar, ob die Kapazitäten am BER reichen

Dies sei vor allem nötig, da das Wachstum im Luftverkehr weitergehen werde und heute noch nicht beurteilt werden könne, ob und wie der neue BER und die umliegende Infrastruktur dieses Wachstum überhaupt aufnehmen könne.

Deshalb erwarteten „inzwischen unsere Kunden und viele in der Öffentlichkeit zu Recht von allen Beteiligten, dass wir die Frage der Offenhaltung von Tegel mit Blick auf die aktuelle Entwicklung des Luftverkehrs neu bewerten“, sagte der Unternehmenschef.

Spohr hatte sich bislang öffentlich dafür ausgesprochen, den Berliner Luftverkehr auf den einen Standort Schönefeld zu konzentrieren. Sollte der BER mit fast neun Jahren Verspätung wirklich 2020 eröffnen, wird jedoch nicht Lufthansa, sondern Easyjet die wichtigste Airline am neuen Hauptstadtflughafen sein.

Berliner FDP unterstützt Spohrs Vorstoß

"Die Flexibilität, mit der Lufthansa-Chef Spohr Tegel bewertet, sollte Schule machen", sagte der Berliner Landesvorsitzende der FDP, Christoph Meyer. "Womöglich könnten wir ab 2020 eine Doppellösung in der Hauptstadt haben, in der sich BER und TXL gegenseitig entlasten und gemeinsam Rekorde aufstellen. Dafür müsste der Berliner Senat aber endlich mal flexibel auf die Bedürfnisse der Stadt reagieren." Die FDP hatte maßgeblich einen Volksentscheid zur Offenhaltung des Flughafens Tegel initiert.

Der Reinickendorfer Bundestagsabgeordnete Frank Steffel (CDU) hält Spohrs Anregung in einer Mitteilung für "ermutigend". Die Zweifel an den Kapazitäten in Schönefeld seien erheblich. "Insofern fordere ich von allen Beteiligten endlich eine ideologiefreie Debatte ohne parteipolitische Vorgaben im Interesse der Zukunft Berlins", so Steffel weiter.

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