Gemeinsames Projekt

Berliner Studierende sollen sich in Vorlesungspausen bewegen

Techniker Krankenkasse und Freie Universität vereinbaren ein gemeinsames Projekt für mehr Bewegung, denn Studierende sitzen zu viel.

Berlins Studenten sitzen zu viel und sollen sich mehr bewegen. Etwa beim Frisbee-Spielen.

Berlins Studenten sitzen zu viel und sollen sich mehr bewegen. Etwa beim Frisbee-Spielen.

Foto: vladans / iStockphoto

Berlin. Der Alltag von Studierenden besteht vor allem aus einem: Sitzen. Morgens begibt sich der gewöhnliche Student der Freien Universität (FU) schon sitzend auf den Weg zu seinem Lernort – zumeist in Bus oder Bahn. Dort angekommen, wird es nicht besser. Sei es in Seminaren und Vorlesungen oder beim mittäglichen Mensagang. Bewegung ist zumeist Mangelware. Das Angebot des Hochschulsportes soll diesem Mangel entgegenwirken, bislang ist es aber nicht in den Studienalltag integriert. Das sportliche Verhalten der FU-Studenten hat nun eine vom Arbeits­bereich Public Health der Universität durchgeführte Studie untersucht. Diese hat ergeben, dass vor allem die Geistes- und Sozialwissenschaften betroffen sind.

Auch die Techniker Krankenkasse (TK), die an der Studie beteiligt war, sorgt sich um den Bewegungsausgleich der Studenten: „Im stressigen Uni-Alltag bleiben Sport und Bewegung nicht selten auf der Strecke“, sagt Projektleiter Olaf Meier. Und das, obwohl ausreichend Bewegung zu den wesentlichen Voraussetzungen für eine gute Gesundheit zähle. Dem pflichtet auch Christian Mundhenk, Leiter der Zen­traleinrichtung Hochschulsport an der FU, bei. Dabei seien „Studierende von heute die Entscheidungsträger von morgen“.

Genau diese ausreichende Bewegung wollen nun TK und die Zentraleinrichtung Hochschulsport der FU den Studenten bieten – und zwar inte­griert in den Studienalltag. Geplant seien vor allem zwei Dinge, erklärt Mundhenk. Auf der einen Seite seien in den Vorlesungen Pausenexpresse eingeplant, in denen drei- bis fünfminütige Entspannungsübungen durchgeführt werden, auf der anderen Seite soll den Studenten ein Spielemobil zur Verfügung stehen, an dem sie kostenfrei Bälle, Frisbees oder andere Sportgeräte ausleihen können.

Das Ziel des Projektes liege darin, „Studierende für das Thema Gesundheit zu sensibilisieren und damit zukünftige Führungskräfte bereits während des Studiums von dessen Bedeutung zu überzeugen“, resümiert Mundhenk. Doch das sei nur der Anfang: „Pausenexpress und Spielemobil sind die ersten Bausteine, weitere Maßnahmen sollen in den kommenden Jahren gemeinsam mit allen Beteiligten entwickelt und umgesetzt werden.“

Initiiert wurde das Projekt unter anderem vom „Steuerkreis zur Studierendengesundheit“. In ihm sitzen auch Studenten. Es ist auch durchaus geplant und gewollt, dass „Studenten sich in das Projekt einbringen“, so Mundhenk weiter. „Sie sollen selbst zu Übungsleitern werden. Wir planen, Schulungen für zukünftige Übungsleiter anzubieten.“

„Liegestütze zwischendurch wären schon anstrengend“

Fünf Minuten Ablenkung und dabei noch körperliche Erfrischung in der Pause finden nicht nur der Hochschulsport und die Techniker Krankenkasse gut. „Ich stehe auf Warm-ups zwischendurch“, sagt Greta, Studentin der Sozialen Arbeit. „Allerdings wären Liegestütze zwischendurch schon ein bisschen anstrengend“, sagt sie lachend. Dem pflichtet ihr Kommilitone Mielosch bei: „Bislang kommt es noch nicht so häufig vor, dass es Pausen in Vorlesungen gibt. Bewegung zwischendurch ist auf jeden Fall gut.“ Bewegung sei auf jeden Fall wichtig, man dürfe es halt nicht übertreiben. Insgesamt, so der Politik- und Geschichtsstudent, seien Dehnübungen zur Auflockerung eine gute Idee.

Doch nicht nur die Studenten reagieren positiv auf das Projekt. Auch seitens der Dozenten kommt Zustimmung. Professorin Jessica Gienow-Hecht findet „die Idee gar nicht schlecht“, einige Kindergärten und Schulen hätten das ja bereits „mit Erfolg ausprobiert“. Zwar habe jede ihrer Vorlesungen ohnehin eine fünfminütige Pause, so die Inhaberin des Lehrstuhls für nordamerikanische Geschichte, das Angebot eines Bewegungsablaufes wäre aber sicherlich ein Gewinn. „Ansonsten stehen die Studenten herum oder rauchen“, sagt die Hochschullehrerin. Was die Mitmachbereitschaft der Studenten betrifft, ist sie unsicher: „Ob eine ausreichende Anzahl von Studierenden mitmachen würde, kann ich nicht sagen.“ Einen Versuch sei es aber auf alle Fälle wert.

Für die Mitarbeiter der Universität gibt es indes bereits ein Pausenangebot. Auf Anfrage kommt ein Pausen­express-Team in das entsprechende Institut und führt mit den Mitarbeitern Sportübungen durch. Andere Hochschulstandorte haben bereits ähnliche Projekte eingeführt. So gibt es beispielsweise in Aachen, Gießen und Bonn auch Pausenexpresse, die mit den Lehrenden Entspannungsübungen während der Vorlesungspausen durchführen. Ähnliche Angebote gibt es dort auch für die Studenten. Ob mehr Bewegung wirklich zu einem freieren Kopf und zu besseren Leistungen der Berliner Studenten führt, wird sich im Sommersemester – also im April – zeigen. Dann startet das Projekt.