Bauindustrieverband

„Der Bau ist erst auf den zweiten Blick sexy“

Robert Momberg, Chef des Bauindustrieverbandes Ost, über die schwere Suche nach Fachkräften und neue Ideen für mehr Wohnungen.

Robert Momberg, Geschäftsführer des Bauindustrieverbandes

Robert Momberg, Geschäftsführer des Bauindustrieverbandes

Foto: Reto Klar

Berlin wächst. Doch nicht immer finden neue Einwohner eine Wohnung. Wie der Wohnungsbau beschleunigt werden könnte, erklärt Robert Momberg, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbands Ost.

Herr Momberg, in Berlin sollen bis 2030 mindestens 200.000 neue Wohnungen gebaut werden. Sie schlagen vor, stärker auf seriellen Wohnungsbau zu setzen. Warum?

Robert Momberg: Berlin steht vor der Herausforderung, sehr schnell, sehr viele Wohnungen neu bauen zu müssen. Da ist es naheliegend, Erfahrungen aus anderen Branchen aufzunehmen und in die Bauindustrie zu übertragen. Wenn Wohnungen verstärkt mit dem Einsatz von Fertigelementen gebaut werden könnten, würden Projekte nicht nur schneller fertig, sondern auch günstiger werden. Mir geht es nicht darum, den traditionellen Wohnungsbau beiseite zu schieben. Aber die serielle Bauweise kann eine Alternative sein, in einer Zeit, in der schnell und günstig gebaut werden soll. Berlin hat bei Schulen mit serieller Bauweise bereits gute Erfahrungen gemacht. Unser Verband wird das Gespräch auch mit den zuständigen Senatsverwaltungen suchen, um diese Bauart auch verstärkt auf Wohnungen zu übertragen.

Droht Berlin angesichts zahlreicher Wohnungen von der Stange dann nicht eine gewisse Monotonie?

Das muss nicht sein. Die Bauindustrie erfindet sich gerade auch ein Stückweit neu. Mehrere Firmen sind bereits mit entsprechenden Ideen auf dem Markt. Schon das stellt eine gewisse Varianz sicher. Zudem haben Bauherren noch immer den Hut auf, wenn es um die Grundrisse oder auch die Gestaltung der Außenfassade geht. Aber klar ist auch: Es muss verantwortungsvoll mit der Gestaltung umgegangen werden, um nicht den schwer vermietbaren Wohnraum der Zukunft zu produzieren.

Haben die Bauunternehmen in Berlin überhaupt noch Luft, neue Aufträge anzunehmen?

Die Baufirmen sind gut ausgelastet. Im Bauhauptgewerbe liegt die Auslastung bei rund 80 Prozent. Es sind also noch Kapazitäten vorhanden. Gleichzeitig versuchen die Unternehmen, ihre Kapazitäten weiter auszubauen. Das ist aber in Zeiten des Fachkräftemangels gar nicht so einfach.

Wie versuchen die Firmen, neue Mitarbeiter zu finden?

Die Unternehmen nehmen sich immer mehr Zeit für Personalentwicklung. Viele Firmen lassen sich zunehmend auf Fragen ein, die etwa die Work-Life-Balance betreffen oder bieten speziell jungen Vätern an, auch mal in die Elternzeit zu gehen. Das war vor Jahren in der Baubranche noch nahezu undenkbar. Wir sehen auch verstärkt, dass Unternehmen sich früher als bislang um neue Mitarbeiter bemühen, etwa in die Schulen gehen und Angebote für junge Leute bieten. Weiche Faktoren spielen dabei verstärkt eine Rolle. Das ist bitter nötig, denn die Baubranche hat gewissermaßen ein doppeltes Problem: Durch den demografischen Wandel gehen immer mehr Beschäftige in Rente, zudem spielt uns unser Image nicht gerade in die Karten.

Häufig wird das Berufsumfeld des Bauarbeiters noch immer als laut und dreckig wahrgenommen. Wie kann sich das ändern?

Der Bau ist erst auf den zweiten Blick sexy. Lärm und auch Dreck gehören auf einer Baustelle dazu. Doch die Branche wird immer digitaler, die Verdienstmöglichkeiten sind gut, die Arbeit ist vielseitig. Unternehmen müssen das noch stärker nach außen tragen.

Die Arbeit auf dem Bau scheint angesichts der Auftragslage aber vor allem auch ein sicherer Job zu sein. Viele Unternehmen brauchen noch nicht mal mehr die Aufträge der öffentlichen Hand, um über die Runden zu kommen.

Das ist auch eine Folge des Baubooms. Wenn viele Aufträge auf dem Markt sind, können sich die Firmen aussuchen, wo sie Angebote abgeben. Viele Bauunternehmen empfanden Aufträge des Landes zuletzt nicht mehr als attraktiv.

Woran lag das?

Viele Firmenchefs haben die Stimmung in der Stadt Berlin in den letzten Jahren nicht gerade als unternehmensfreundlich wahrgenommen. Das klingt erstmal pauschal, aber es geht auch ganz handfest zu. Die Bauaufträge der öffentlichen Hand etwa sind nicht besonders attraktiv, weil sie extrem bürokratisch sind und lange Genehmigungszeiten nach sich ziehen. Firmen sind teilweise nicht mehr bereit, sich die Ausschreibungen überhaupt anzusehen, sondern wenden sich der privatwirtschaftlichen Seite zu. Auch da gibt es genug zu tun.

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) will jetzt mit einem neuen Vergabegesetz gegensteuern. Vor allem der Abbau von Bürokratie ist ein Ziel. Der Entwurf liegt Ihnen mittlerweile vor. Bringt das neue Gesetz eine Verbesserung?

Ich glaube nicht, dass es der große Wurf ist. Es gibt zwar ein paar bürokratieentlastende Aspekte, das ändert aber nichts daran, dass dieses Vergabegesetz ein extrem ideologisches Regelwerk ist. Das widerspricht doch dem eigentlichen Gedanken. Denn ein Vergabegesetz sollte dazu da sein, effizient und kostengünstig öffentliche Aufträge zu vergeben. Stattdessen versucht die Politik darin Dinge wie Frauenförderung, eine Ausbildungsquote oder auch ökologische Aspekte zu verankern. Es ist nicht so, dass wir diese Werte gering schätzen würden – ganz im Gegenteil. Aber diese Ziele sind eine politische Aufgabe und gehören nicht in ein Vergabegesetz.

Die Opposition bemängelt auch die fehlende Abstimmung mit Brandenburg,

Als Bauindustrieverband Ost haben wir die Möglichkeit uns mit Brandenburg, Berlin, Sachsen und Sachsen-Anhalt vier Länder anzuschauen und damit auch vier unterschiedliche Landes-Vergabegesetze. Vor dem neuen Entwurf war unsere Bewertung, dass Berlin das für Bauunternehmen ungünstigste Vergabegesetz hat. Das wird sich nicht groß ändern. Die Abstimmung mit Brandenburg hätte ohne Frage erfolgen können. Das sieht man beim Mindestentgelt. In Berlin hat sich der Senat auf 11,30 Euro geeinigt. In Brandenburg wird darüber noch diskutiert. Berlin befindet sich in Brandenburg in einer Insellage. Da wäre noch viel mehr Abstimmung nötig.

Der Senat will auch, dass kleinere Bauunternehmen mehr öffentliche Aufträge bekommen. Was bedeutet das für die größeren Firmen, die ihr Verband vertritt?

Mittelstandfreundlichkeit ist auch für uns wichtig. Und die Teilvergabe von Aufträgen wird sicher dazu führen, dass mehr kleine Firmen zum Zuge kommen. Aber man darf nicht vergessen, dass eine Stadt wie Berlin auch Großprojekte hat, die sicherlich nicht über Teilvergaben zu stemmen sind. Berlin sendet mit diesen Regeln das Zeichen und die Stimmungslage aus, dass Generalunternehmer nicht mehr gewünscht sind. Ich halte das für gefährlich. Wenn man per se sagt, dass größere Unternehmen offenbar keine Berechtigung mehr haben, Aufträge zu übernehmen, ziehen sich die Großen zurück und fühlen sich hier nicht mehr gewollt. Wir werden aber nach wie vor große Bauunternehmen brauchen, zum Beispiel für Ingenieurbauwerke. In Berlin steht ja etwa der Neubau der Elsenbrücke an.

Das neue Vergabegesetz diskriminiert aus ihrer Sicht also große Bauunternehmen?

Zumindest das wirtschaftspolitische Zeichen, das damit versendet wird, können wir nicht gutheißen. Wir beobachten doch schon heute, dass das Miteinander zwischen Unternehmen und Politik in der Stadt nicht besonders gut ist. Der wirtschaftsfreundliche Geist ist der Stadt abhandengekommen. Das spüren wir in Gesprächen mit unseren Mitgliedern, aber auch mit der Verwaltung und der Politik. Und wir sehen es am Umgang mit Google in Kreuzberg oder mit Investoren am Checkpoint Charlie. Das sind keine Anzeichen dafür, dass dem wertschöpfenden Teil der Gesellschaft besonders entgegengekommen wird.

Wie wichtig wäre dann ein Schulterschluss zwischen Baubranche und Politik?

Sehr wichtig. In Berlin gibt es zahlreiche Baustellen und es werden weitere dazukommen. Wenn dabei die politische Flankierung fehlt, fragen sich die Bürger irgendwann, ob wir all diese Baustellen wirklich brauchen und ob die Stadt dadurch wirklich vorankommt. Sicherlich ist das aber auch ein Gemeinschaftswerk. Wir müssen uns als Bauindustrie gut darstellen und zeigen, dass wir Werte und Lebensräume schaffen. Dabei muss uns die Politik unterstützen. In der Gesellschaft kommt die Akzeptanz dann von ganz alleine: Okay, die Typen sind zwar laut und manchmal dreckig, aber genau das brauchen wir, um uns weiterzuentwickeln.

Noch ein Blick in die Glaskugel: Wir werden sich die Baupreise 2019 entwickeln?

Das ist schwer zu sagen. 2018 sind die Baupreise deutschlandweit um fünf bis sechs Prozent gestiegen. Einerseits ist das natürlich der wachsenden Nachfrage geschuldet. Andererseits geben die Bauunternehmen ihre Kosten weiter. Rohstoffe, Vorprodukte und Personal – all das ist teurer geworden. Es ist aber mitnichten so, dass sich Bauunternehmen jetzt eine goldene Nase verdienen. Die Umsatzrendite der Baufirmen liegt weiter deutlich unter der der Industrie allgemein. Das ist ein Fingerzeig, dass die Preissteigerung eher mit den Vorkosten zu tun hat, die einfach nur weitergegeben werden.

Wie steht es um die Entsorgung von Bauabfällen?

Das ist weiterhin eine Herausforderung. Die abgebaggerten Materialien sind kaum noch unterzubringen. Gleichzeitig ist es politisch auch nicht gewollt, dass neue Deponien entstehen. Die Firmen müssen also weite Wege zurücklegen, um Bauschutt zu entsorgen. Die Reste von Berliner Baustellen gehen etwa nach Brandenburg, Sachsen oder Sachsen-Anhalt. Das verteuert nicht nur das Bauen, sondern ist auch unter ökologischen Gesichtspunkten fragwürdig. Die Politik will umweltpolitische Ziele erreichen, lässt aber Bauschutt hunderte Kilometer weit durch das Land fahren.

Berlin wächst. Doch nicht immer finden neue Einwohner eine Wohnung. Wie der Wohnungsbau beschleunigt werden könnte, erklärt Robert Momberg, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes Ost.

Herr Momberg, in Berlin sollen bis 2030 mindestens 200.000 neue Wohnungen gebaut werden. Sie schlagen vor, stärker auf seriellen Bau zu setzen. Warum?

Robert Momberg: Berlin steht vor der Herausforderung, sehr schnell sehr viele Wohnungen neu bauen zu müssen. Da ist es naheliegend, Erfahrungen aus anderen Branchen aufzunehmen und in die Bauindustrie zu übertragen. Wenn Wohnungen verstärkt mit dem Einsatz von Fertigelementen gebaut werden könnten, würden Projekte nicht nur schneller fertig, sondern auch günstiger werden. Mir geht es nicht darum, den traditionellen Wohnungsbau beiseitezuschieben. Aber die serielle Bauweise kann eine Alternative sein, in einer Zeit, in der schnell und günstig gebaut werden soll. Berlin hat bei Schulen mit serieller Bauweise bereits gute Erfahrungen gemacht. Unser Verband wird das Gespräch auch mit den zuständigen Senatsverwaltungen suchen, um diese Bauart auch verstärkt auf Wohnungen zu übertragen.

Droht Berlin angesichts zahlreicher Wohnungen von der Stange dann nicht eine gewisse Monotonie?

Das muss nicht sein. Die Bauindustrie erfindet sich gerade auch ein Stück weit neu. Mehrere Firmen sind bereits mit entsprechenden Ideen auf dem Markt. Schon das stellt eine gewisse Varianz sicher. Zudem haben Bauherren noch immer den Hut auf, wenn es um die Grundrisse oder auch die Gestaltung der Fassade geht. Aber klar ist auch: Es muss verantwortungsvoll mit der Gestaltung umgegangen werden, um nicht den schwer vermietbaren Wohnraum der Zukunft zu produzieren.

Haben die Bauunternehmen in Berlin überhaupt noch Luft, neue Aufträge anzunehmen?

Die Baufirmen sind gut ausgelastet. Im Bauhauptgewerbe liegt die Auslastung bei rund 80 Prozent. Es sind also noch Kapazitäten vorhanden. Gleichzeitig versuchen die Unternehmen, ihre Kapazitäten weiter auszubauen. Das ist aber in Zeiten des Fachkräftemangels gar nicht so einfach.

Häufig wird das Berufsumfeld des Bauarbeiters noch immer als laut und dreckig wahrgenommen. Wie kann sich das ändern?

Der Bau ist erst auf den zweiten Blick sexy. Lärm und auch Dreck gehören auf einer Baustelle dazu. Doch die Branche wird immer digitaler, die Verdienstmöglichkeiten sind gut, die Arbeit ist vielseitig. Unternehmen müssen das noch stärker nach außen tragen.

Die Arbeit auf dem Bau scheint angesichts der Auftragslage aber vor allem auch ein sicherer Job zu sein. Viele Unternehmen benötigen noch nicht mal mehr die Aufträge der öffentlichen Hand, um über die Runden zu kommen.

Das ist auch eine Folge des Baubooms. Wenn viele Aufträge auf dem Markt sind, können sich die Firmen aussuchen, wo sie Angebote abgeben. Viele Bauunternehmen empfanden Aufträge des Landes zuletzt nicht mehr als attraktiv.

Woran lag das?

Viele Firmenchefs haben die Stimmung in der Stadt Berlin in den letzten Jahren nicht gerade als unternehmensfreundlich wahrgenommen. Das klingt erst mal pauschal, aber es geht auch ganz handfest zu. Die Bauaufträge der öffentlichen Hand etwa sind nicht besonders attraktiv, weil sie extrem bürokratisch sind und lange Genehmigungszeiten nach sich ziehen. Firmen sind teilweise nicht mehr bereit, sich die Ausschreibungen überhaupt anzusehen, sondern wenden sich der privatwirtschaftlichen Seite zu. Auch da gibt es genug zu tun.

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) will jetzt mit einem neuen Vergabegesetz gegensteuern. Vor allem der Abbau von Bürokratie ist ein Ziel. Der Entwurf liegt Ihnen mittlerweile vor. Bringt das neue Gesetz eine Verbesserung?

Ich glaube nicht, dass es der große Wurf ist. Es gibt zwar ein paar bürokratieentlastende Aspekte, das ändert aber nichts daran, dass dieses Vergabegesetz ein extrem ideologisches Regelwerk ist. Das widerspricht doch dem eigentlichen Gedanken. Denn ein Vergabegesetz sollte dazu da sein, effizient und kostengünstig öffentliche Aufträge zu vergeben. Stattdessen versucht die Politik, darin Dinge wie Frauenförderung, eine Ausbildungsquote oder auch ökologische Aspekte zu verankern. Es ist nicht so, dass wir diese Werte gering schätzen würden – ganz im Gegenteil. Aber diese Ziele sind eine politische Aufgabe und gehören nicht in ein Vergabegesetz.

Die Opposition bemängelt auch die fehlende Abstimmung mit Brandenburg.

Als Bauindustrieverband Ost haben wir die Möglichkeit, uns mit Brandenburg, Berlin, Sachsen und Sachsen-Anhalt vier Länder anzuschauen und damit auch vier unterschiedliche Landesvergabe­gesetze. Vor dem neuen Entwurf war unsere Bewertung, dass Berlin das für Bauunternehmen ungünstigste Vergabegesetz hat. Das wird sich nicht groß ändern. Die Abstimmung mit Brandenburg hätte ohne Frage erfolgen können. Das sieht man beim Mindestentgelt. In Berlin hat sich der Senat auf 11,30 Euro geeinigt. In Brandenburg wird darüber noch diskutiert. Berlin befindet sich in Brandenburg in einer Insellage. Da wäre noch viel mehr Abstimmung nötig.

Der Senat will auch, dass kleinere Bauunternehmen mehr öffentliche Aufträge bekommen. Was bedeutet das für die größeren Firmen, die Ihr Verband vertritt?

Mittelstandfreundlichkeit ist auch für uns wichtig. Und die Teilvergabe von Aufträgen wird sicher dazu führen, dass mehr kleine Firmen zum Zuge kommen. Aber man darf nicht vergessen, dass eine Stadt wie Berlin auch Großprojekte hat, die sicherlich nicht über Teilvergaben zu stemmen sind. Berlin sendet mit diesen Regeln das Zeichen und die Stimmungslage aus, dass Generalunternehmer nicht mehr gewünscht sind. Ich halte das für gefährlich. Wenn man per se sagt, dass größere Unternehmen offenbar keine Berechtigung mehr haben, Aufträge zu übernehmen, ziehen sich die Großen zurück und fühlen sich hier nicht mehr gewollt. Wir werden aber nach wie vor große Bauunternehmen brauchen, zum Beispiel für Ingenieurbauwerke. In Berlin steht ja etwa der Neubau der Elsenbrücke an.

Das neue Vergabegesetz diskriminiert aus Ihrer Sicht also große Bauunternehmen?

Zumindest das wirtschaftspolitische Zeichen, das damit versendet wird, können wir nicht gutheißen. Wir beobachten doch schon heute, dass das Miteinander zwischen Unternehmen und Politik in der Stadt nicht besonders gut ist. Der wirtschaftsfreundliche Geist ist der Stadt abhandengekommen. Das spüren wir in Gesprächen mit unseren Mitgliedern, aber auch mit der Verwaltung und der Politik. Und wir sehen es am Umgang mit Google in Kreuzberg oder mit Investoren am Checkpoint Charlie. Das sind keine Anzeichen dafür, dass dem wertschöpfenden Teil der Gesellschaft besonders entgegengekommen wird.

Wie wichtig wäre dann ein Schulterschluss zwischen Baubranche und Politik?

Sehr wichtig. In Berlin gibt es zahlreiche Baustellen, und es werden weitere dazukommen. Wenn dabei die politische Flankierung fehlt, fragen sich die Bürger irgendwann, ob wir all diese Baustellen wirklich brauchen und ob die Stadt dadurch wirklich vorankommt. Sicherlich ist das aber auch ein Gemeinschaftswerk. Wir müssen uns als Bauindustrie gut darstellen und zeigen, dass wir Werte und Lebensräume schaffen. Dabei muss uns die Politik unterstützen. In der Gesellschaft kommt die Akzeptanz dann von ganz alleine: Okay, die Typen sind zwar laut und manchmal dreckig, aber genau das brauchen wir, um uns weiterzuentwickeln.

Noch ein Blick in die Glaskugel: Wir werden sich die Baupreise 2019 entwickeln?

Das ist schwer zu sagen. 2018 sind die Baupreise deutschlandweit um fünf bis sechs Prozent gestiegen. Einerseits ist das natürlich der wachsenden Nachfrage geschuldet. Andererseits geben die Bauunternehmen ihre Kosten weiter. Rohstoffe, Vorprodukte und Personal – all das ist teurer geworden. Es ist aber mitnichten so, dass sich Bauunternehmen jetzt eine goldene Nase verdienen. Die Umsatzrendite der Baufirmen liegt weiter deutlich unter der Industrie allgemein. Das ist ein Fingerzeig, dass die Preissteigerung eher mit den Vorkosten zu tun hat, die einfach nur weitergegeben werden.

Wie steht es um die Entsorgung von Bauabfällen?

Das ist weiterhin eine Herausforderung. Die abgebaggerten Materialien sind kaum noch unterzubringen. Gleichzeitig ist es politisch auch nicht gewollt, dass neue Deponien entstehen. Die Firmen müssen also weite Wege zurücklegen, um Bauschutt zu entsorgen. Die Reste von Berliner Baustellen gehen etwa nach Brandenburg, Sachsen oder Sachsen-Anhalt. Das verteuert nicht nur das Bauen, sondern ist auch unter ökologischen Gesichtspunkten fragwürdig. Die Politik will umweltpolitische Ziele erreichen, lässt aber Bauschutt Hunderte Kilometer weit durch das Land fahren.

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