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Wohin? Werbespot will Berliner nach Mittelsachsen locken

„Die Stadt grau, das Büro voll (...) Drum zieh ich um nach Mittelsachsen.“ So wirbt der Landkreis in einem Kinospot um Berliner.

Berlin. „Die Stadt grau, das Büro voll. Ich find das alles nicht mehr toll.“ Eine klare Reimbotschaft in Grau (Büro) und Rosa („Ich träum von klarer Frühlingsluft und Erdbeer-Marmeladenduft...“), unterlegt mit sehnsuchtsvoller Klaviermusik. Doch die Sehnsucht findet schon nach gut 20 Sekunden Erlösung: „Drum zieh ich um nach Mittelsachsen.“ Gelächter erfüllt den Kinosaal. Der kurze Werbespot des Landkreises Mittelsachsen sorgt bei den Kinobesuchern in Berlin zumindest für gute Laune. Oder ist es vielleicht doch eher ein Lachen des Erstaunens? Denn was soll denn ein Kinospot des Landkreises Mittelsachsen in Berliner Kinos? Wo überhaupt liegt dieses Mittelsachsen? Und was sollte Berliner motivieren, dahinzuziehen?

Mittelsachsen ist der flächenmäßig zweitgrößte Landkreis Sachsens, liegt zwischen Leipzig und Dresden, grenzt an die Tschechische Republik. Die größte Stadt hier ist Freiberg mit knapp 41.500 Einwohnern. Ansonsten gibt es viel Land, das aber von immer weniger Menschen bewohnt wird, ein paar kleine Berge und wie überall einen größeren Fachkräftemangel.

Um gegenzusteuern hat sich das Landratsamt Mittelsachsen nun offenbar gedacht, ein Kinospot könnte Abhilfe schaffen, passend zum Slogan des Landkreises: „Mittelsachsen ist mein Platz zum Wachsen. Angesprochen werden sollen damit vor allem Menschen aus der Region, die sich in die großen Städte aufgemacht haben und nun zur Rückkehr bewegt werden sollen. Das 52-sekündige Filmchen, für dessen Produktion und Ausstrahlung der Landkreis 100.000 Euro ausgegeben hat, läuft daher seit Anfang Dezember nicht nur in elf Berliner Kinos, sondern auch in 14 anderen Großstädten von Hamburg bis München, von Leipzig bis Düsseldorf.

"Zu Weihnachten ist das Heimatgefühl besonders groß"

Der Startpunkt in der Vorweihnachtszeit ist nicht zufällig gewählt:„Da ist das Heimatgefühl besonders groß, man denkt viel an Familie und Freunde“, erklärt der Sprecher des Landkreises, André Kaiser. Und im besten Falle überlege da vielleicht manch einer, in die Heimat zurückzukehren. Besonders an junge Familien richtet sich die Werbung: Kita- und Hortplatz, ein Haus im Grünen, das sei doch leichter in Mittelsachsen zu bekommen als in der Großstadt, verspricht zumindest der Kinospot.

Ob sich überhaupt und wenn ja wie viele mittelsächsische Emigranten über den Spot zur Rückkehr bewegen lassen, lässt sich schwer feststellen. Aber für alle, die tatsächlich nach Mittelsachsen ziehen wollen, gibt es die „Nestbau-Zentrale“ Mittelsachsen, die bei der Landung in der Region helfen soll, auch bei der Suche nach einem eigenen „Haus, mit ganz viel Platz für Mann und Maus“, wie es im Spot heißt. „Zum Abschluss des Jahres 2018 stellen wir fest, dass das Interesse für Nestbau bei den mittelsächsischen Unternehmen gestiegen ist“, erklärt Anja Helbig, Projektleiterin der Nestbau-Zentrale.

Und wenn dann doch mal Sehnsucht nach der Großstadt aufkommt? Dann hilft vielleicht ein Kinobesuch. In Mittelsachsen gibt es schließlich auch Kinos. Vier im ganzen Landkreis.

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