Nahverkehr in Berlin

Vorstoß: So diskutieren Leser "straffreies" Schwarzfahren

Rot-Rot-Grün erwägt, auf Schwarzfahren nur noch "erhöhtes Beförderungsentgelt" zu erheben. Morgenpost-Leser diskutieren bei Facebook.

 Eine Frau entwertet ein BVG-Ticket (Archivbild).

Eine Frau entwertet ein BVG-Ticket (Archivbild).

Foto: Hauke-Christian Dittrich / dpa

Berlin. Wenn es nach dem Willen des rot-rot-grünen Senats geht, soll Schwarzfahren künftig kein Fall für die Justiz mehr sein. Lediglich ein "erhöhtes Beförderungsentgelt" von 60 Euro müssten erwischte Schwarzfahrer dann noch zahlen. Mit diesem Schritt soll die Justiz entlastet werden. Der Vorstoß sorgt bei Facebook für Diskussionen. Ausgewählte Kommentare im Überblick:

Christiane J. schreibt: "Da ich das letzte halbe Jahr nicht kontrolliert wurde (ich habe ein Jahresabo), ist es eine Überlegung wert, schwarz zu fahren. Ist halt eine Rechenaufgabe."

Auch Thomas S. findet: "Das ist echt mal eine Überlegung wert. Ich bin seit gut drei Jahren nicht kontrolliert worden, seit fast einem Jahr hab ich auch keine Kontrolleure in U- oder S-Bahn gesehen."

Kurt N. hingegen ist sehr skeptisch. "Der erste Schritt zum Übergang in die Anarchie", urteilt er. "Sollte das wirklich so sein, schätze ich, dass der Schwarzfahrer-Anteil um mindestens ein Drittel anwachsen wird."

"Dann brauche ich mir kein Kopf mehr machen, ob ich Kleingeld habe für einen Fahrschein", kommentiert Joachim W.

Lothar W. findet. "Hauptsache, sie zahlen ihre 60 €, ansonsten würde ich schwarz sehen für die BVG."

Regidür H. meint: "Ein heftiger Schlag ins Gesicht für alle ÖPNV-Nutzer, die ehrlich sind und ein Abo haben oder einen Fahrausweis ziehen."

Bernhard S. glaubt: "Je mehr die Justiz von Verfolgung und Würdigung von Vergehen entlastet wird, desto mehr verlottern die Sitten." Sein Vorschlag: "Wie wäre es, eine Rechtsverordnung zu erlassen, dass soziale Dienste von x Std zu leisten sind, wenn jemand zum zweiten oder dritten Mal beim Schwarzfahren erwischt wird." Zudem wolle er das erhöhte Beförderungsentgeld nach oben anpassen. "Zum Beispiel auf 120 Euro."

Jürgen O. schreibt: "Aha, um die Justiz zu entlasten, wird das 'Erschleichen von Beförderungsleistungen' (Para. 265a StGB) quasi straffrei gestellt. Die Strafvorschrift enthält die Möglichkeit einer Gefängnis- ODER Geldstrafe. Hier zeigt sich mit dem Vorhaben der Straffreiheit das Rechtsverständnis von Rot-Rot-Grün. Der Gesetzgeber knickt ein vor einem strafbewehrten Problem. Das führt zwangsläufig zu einer weiteren Vernachlässigung des Unrechtsbewusstseins beim Bürger. Was folgt als Nächstes? Ehrlicher und konsequenter wäre dann die kostenfreie Fahrt im ÖPNV für alle - finanziert durch Steuergelder! Übrigens könnte man auch die Justiz personell und sächlich besser aufstellen."

"So wird getestet, wer ehrlich ist", meint Gundi L.

Barbara S. weist auf einen Umstand hin, der in der Diskussionen teilweise übersehen wird: "Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Schwarzfahrer müssen weiterhin 60 Euro abdrücken, wenn sie erwischt werden."

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