Polizeiakademie

Pläne von Knapp sorgen bei Parlamentariern für Diskussionen

Innenpolitiker unterstützen die Leiterin der Akademie, Tanja Knapp, üben aber Kritik an Bildungssystem und Einstellungstests.

Tanja Knapp ist die Leiterin der Berliner Polizeiakademie.

Tanja Knapp ist die Leiterin der Berliner Polizeiakademie.

Foto: Amin Akhtar

Berlin. Das Interview der Berliner Morgenpost mit der neuen Leiterin der Polizeiakademie, Tanja Knapp, hat in den sozialen Medien für kontroverse Debatten gesorgt. Neben viel Zustimmung für die Pläne, dass an der Akademie wieder mehr Regeln wie das morgendliche Antreten gelten sollen, gab es auch Kritik, etwa an dem Umstand, dass die Polizeischule einen Sozialarbeiter braucht. Auch unter Berliner Parlamentariern sorgten die Pläne für Diskussionen.

Der innenpolitische Sprecher der FDP, Marcel Luthe, sieht in den aktuellen Entwicklungen Versäumnisse in der Bildungspolitik. „Es ist kein Ruhmesblatt, das an der Polizeiakademie nun die Defizite von mehr als zwei Jahrzehnten sozialdemokratischer Bildungspolitik ausgeglichen werden müssen. Dass das Problem nicht mehr geleugnet und eine Korrektur versucht wird, ist richtig“, sagte Luthe der Berliner Morgenpost.

Tanja Knapp hatte in der Morgenpost-Ausgabe vom Sonntag gesagt, dass sich viele Schüler nach den Skandalen der letzten Monate nach mehr Regeln sehnen und sich an der Schule künftig ein Polizeibeamter und ein Sozialarbeiter um Problemschüler kümmern würden. In ihren ersten Wochen nach Amtsantritt hatte Knapp der morgendlichen Dienstantritt als Ritual wieder eingeführt.

Der innenpolitische Sprecher der Grünen, Benedikt Lux, sagte der Berliner Morgenpost: „Wir haben nur die jungen Leute, die von den Schulen kommen. Ich finde es müßig, ständig deren Qualität infrage zu stellen“. Als Dozent für den Polizeivollzugsdienst an der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) erlebe er durch die Bank motivierte, aufgeschlossene und kompetente Polizeiauszubildende. „Alle sind ausreichend schulisch vorbereitet“, so Lux. Nur einige Wenige hätten Nachholbedarf.

Linke fordert mehr Verständnis für Polizeischüler

Auch von der Linken bekommt die neue Leiterin der Polizeiakademie Rückendeckung. „Ich habe den Eindruck, dass Frau Knapp mit den richtigen Ansätzen an die Sache herangeht. Sicherlich wird es Zeit brauchen, die Ausbildung an der Polizeiakademie nachhaltig zu verbessern“, sagte der Sprecher für Verfassungsschutz, Niklas Schrader und fordert mehr Verständnis für die Problemlagen der Polizei-Azubis. „Auszubildende bei der Polizei sind Menschen wie alle anderen auch. Sie haben verschiedenste Hintergründe und Problemlagen“ so Schrader weiter.

Der innenpolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Karsten Woldeit, plädiert gegenüber der Berliner Morgenpost für die Einführung eines Oberstufenzentrums für Öffentliche Sicherheit. Dort sollen sich Schüler noch vor einer Bewerbung für die Akademie auf eine Karriere bei der Polizei vorbereiten und bestehende Defizite abbauen können. Dass derzeit immer wieder Polizeischüler in die Negativschlagzeilen geraten, liege offenbar auch daran, dass die Anforderungen gesenkt und die Einstellungstest leichter geworden seien. Anders könne man das nicht erklären, so Woldeit. Die Innenverwaltung hatte allerdings stets betont, dass das nicht der Fall gewesen sei.

Der SPD-Innenexperte Tom Schreiber (SPD) erklärte auf Nachfrage: „Die Ausbildung künftiger Polizisten hat oberste Priorität. Die kommenden Haushaltsberatungen werden zeigen, wie wichtig das den Innenpolitikern ist“, so Schreiber. Nur mit ausreichend Geld könne die Polizeiakademie künftige Aufgaben meistern.

Der Fraktionsvorsitzende und innenpolitische Sprecher der CDU im Abgeordnetenhaus, Burkard Dregger, unterstützt Knapp bei ihren Plänen, wieder mehr Regeln einzuführen, ebenfalls und plädiert für mehr militärische Komponenten in der Ausbildung. „Disziplin, Pünktlichkeit und Verlässlichkeit sind unerlässlich. Das muss aber auch kon­trolliert werden. Frau Knapp hat da unsere volle Unterstützung“, sagte Dregger dieser Zeitung.

Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Norbert Cioma, verteidigte auch die Pläne, künftig einen Sozialarbeiter an der Akademie zu beschäftigen: „Die Hinzunahme eines Sozialarbeiters mit Migrationshintergrund kann durchaus Sinn machen. Wir müssen in den nächsten Monaten schauen, ob sein Einfluss die Situation nachhaltig verbessert“.

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