Prozessauftakt

Vierfache Mutter erstochen: Lebensgefährte vor Gericht

Der 40-Jährige soll in Wedding seine Lebensgefährtin mit mindestens zwölf Messerstichen getötet haben - vor den Augen ihrer Kinder.

 Seit Freitag muss sich der 40-Jährige wegen Mordes vor einer Schwurgerichtskammer am Landgericht Moabit verantworten (Archivbild).

Seit Freitag muss sich der 40-Jährige wegen Mordes vor einer Schwurgerichtskammer am Landgericht Moabit verantworten (Archivbild).

Foto: dpa

Berlin. „Mama ist tot“, diesen Schrei eines Kindes werden viele Bewohner eines Mehrfamilienhauses an der Fehmarner Straße in Wedding ihr Leben lang nicht vergessen. Gehört haben sie ihn in den Abendstunden des 19. April 2018. Da starb Patrycja F. (32), getötet durch mindestens ein Dutzend Messerstiche. Der mutmaßliche Täter: Ihr Lebensgefährte Ahmed T. Seit Freitag muss sich der 40-Jährige wegen Mordes vor einer Schwurgerichtskammer am Landgericht Moabit verantworten.

Rasend vor Eifersucht soll T. auf seine Lebensgefährtin eingestochen haben, immer wieder. Die Berliner Staatsanwaltschaft sieht bei ihm „niedere Beweggründe“. Und die machen aus einem Tötungsdelikt einen Mord. Das Erschreckende an diesem Fall: Die vier gemeinsamen Kinder des Paares, elf, acht, vier und zwei Jahre alt, waren dabei und mussten das grausame und blutige Geschehen mit ansehen.

Stimmen die Aussagen, die Hausbewohner gegenüber den Ermittlern der Mordkommission machten, dann war es eine Tat mit Ansage. Die Beziehung zwischen dem Opfer und dem mutmaßlichen Täter soll diesen Aussagen zufolge schon seit langem von Gewalt und Brutalität ge-prägt gewesen sein. Immer wieder soll T. seine Lebensgefährtin misshandelt haben, regelmäßig kam wegen dieser Übergriffe und anderer Vorfälle die Polizei.

Um sich vor der Gewalt des Partners zu schützen, erwirkte die 32-Jährige schließlich ein Kontaktverbot, genützt hat es nichts. Nachbarn zu-folge soll T. immer wieder zurückgekommen sein. Am Tattag selbst soll Patrycja F. ihm den Zutritt zur Wohnung allerdings verweigert haben, dem widersetzte sich T. und verschaffte sich mit Gewalt Zutritt. Was dann folgte, war nach Ansicht der Staatsanwaltschaft ein weiterer Anfall maßloser Eifersucht, diesmal überlebte ihn die Frau nicht. Sie starb noch am Tatort, alle Bemühungen des von Nachbarn alarmierten Notarztes blieben vergebens.

Die gebürtige Polin F. war ihrem Partner zuliebe schon vor Jahren zum Islam konvertiert. Sie lebte streng religiös, ging nie ohne Kopftuch aus dem Haus. Ahmed T. hingegen hielt offenbar nicht viel von religiösen Vorschriften. Er soll viel und regelmäßig Alkohol getrunken und angeblich auch Drogen konsumiert haben. Und vor allem in dem Zustand ständig mit allen möglichen Menschen Streit gesucht haben.

Der erste Verhandlungstag war gleich nach der Verlesung der Anklage schon wieder vorbei. Ob T. sich an den weiteren fünf Verhandlungstagen zu den Vorwürfen äußern wird, ist noch unklar. Der Prozess wird am 11. Januar fortgesetzt.

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