Berliner Landgericht

Prozess: Masseur soll 18 Frauen sexuell belästigt haben

Eineinhalb Jahre lang soll ein Masseur in Tegel sexuelle Übergriffe auf Patientinnen begangen haben. Jetzt steht er vor Gericht.

Berlin. Sasa M. hatte als Masseur und Therapeut offenbar sehr eigene Vorstellungen von seinem Berufsbild, zumindest bei weiblichen Patientinnen. Davon geht zumindest die Berliner Staatsanwaltschaft aus. Zwischen Dezember 2016 und Februar 2018 bot der Deutsche mit serbischen Wurzeln eine Vielzahl unterschiedlicher Massagen und Therapien an. Die Ermittlungsbehörden haben für das, was Sasa M. mit seinen Kundinnen tat, andere Bezeichnungen, unter anderem Vergewaltigung und sexuelle Belästigungen. Seit Freitag muss er sich dafür vor dem Landgericht verantworten.

18 Opfer haben die Ermittlungen zutage gefördert. Die Beschreibungen der in der Anklageschrift aufgelisteten Details aller mutmaßlichen Taten reichen von „Berührungen und Manipulationen im Intimbereich“ bis zu „beischlafähnlichen Handlungen“. In sechs Fällen soll der Angeklagte Gewalt angewendet haben. Was die Vertreterin der Staatsanwaltschaft zum Prozessbeginn vortrug, ist nichts anderes als die Übersetzung schrecklicher, teilweise bis heute nachwirkender Erfahrungen der Opfer in nüchternes Juristendeutsch.

Sich selbst bezeichnete Sasa M. als „Entspannungstherapeut“, seine „Wellness- und Beauty-Oase“ entpuppte sich als winziger und äußerst karg eingerichteter Raum im hinteren Teil eines Sportstudios in Tegel. Seine eigentlichen Räume seien wegen eines Wasserschadens gerade unbrauchbar, erklärte M. Kundinnen, die sich beim Anblick des Behandlungszimmers wunderten. Einen weiteren Raum, ähnlich klein und mit einer Liege und einer Matratze ausgestattet, hatte er zeitweise in Pankow.

Fast alle Kundinnen kamen mit Gutscheinen, die sie zuvor in Geschäften erworben hatten. Die allermeisten wünschten typische Massagen im Bereich des Rückens und der Schultern. Zwei der Frauen wollten eine so genannte Schwangerschaftsmassage, auch die bot M. an. Den Wünschen der Kundinnen soll er allerdings zumeist nur kurz nachgekommen sein, stattdessen wanderten seine Hände den Schilderungen der Frauen zufolge immer wieder sehr schnell zu intimen Bereichen ihrer Körper.

Ermittler: Taten dienten der sexuellen Erregung

Sasa M. habe die Taten begangen, um sich sexuell zu erregen, davon ist die Staatsanwaltschaft überzeugt. Wenn die Schilderungen der Opfer in allen Details zutreffen, muss er zum Erreichen dieses Ziels alle Register gezogen haben. Immer wenn er die Oberschenkel der Kundinnen massierte, sollen seine Hände schnell nach oben gewandert sein, mitunter wie zufällig und unbeabsichtigt wirkend. Und bei Kundinnen, die ausdrücklich eine Rückenmassage wünschten, befasste sich M. doch lieber mit dem Brustbereich.

Zu allen Fällen trug die Staatsanwältin vor, die Frauen hätten überwiegend „starr vor Angst“ die Behandlung des selbsternannten Entspannungstherapeuten über sich ergehen lassen. „Ich war in einer Art Schockstarre, unfähig mich zu bewegen oder irgendetwas zu sagen“, erklärte eine der betroffenen Frauen als Zeugin am ersten Verhandlungstag. Sie habe sich mehrfach gefragt, was da gerade eigentlich passierte, aber nicht gewagt zu protestieren, erklärte die 29-Jährige dem Gericht, bevor ihre Befragung unterbrochen werde musste. Noch sichtlich unter dem Eindruck des Erlebten stehend, konnte sie die Tränen nicht zurückhalten. Auch andere Opfer sollen in ihren Befragungen durch Ermittler des Landeskriminalamtes nur unter Tränen in der Lage gewesen sein, die für sie demütigenden Situationen zu beschreiben.

Sie alle werden diese Aussagen noch einmal vor Gericht wiederholen und so den Schrecken nochmals durchleben müssen. Denn der Angeklagte wird sich, wie seine Anwältinnen ankündigten, vermutlich nicht äußern. Zehn Verhandlungstage hat die 20. Große Strafkammer angesetzt, genug Zeit für eine ausführliche Befragung der Opfer.

Für die beiden Anwältinnen des Angeklagten ist das Verhalten der Opfer während der angeklagten Geschehnisse ein ganz wichtiger Aspekt ihrer Verteidigungsstrategie. Die Anklage sei unzulässig, äußerten sie schon zum Prozessauftakt. Begründung: Die Frauen hätten sich freiwillig in die Situation begeben. Und es unterlassen, dem Masseur klar und unmissverständlich zu sagen, dass sie diese Form der Behandlung nicht wünschen. „Warum hätten sie Angst haben sollen, sie hätten ja auch jederzeit gehen können“, erklärte eine der Verteidigerinnen. Für viele der zahlreichen Zuhörer klang das ein wenig so, als wären die Opfer letztlich selbst schuld. Zu den Vorwürfen äußerten sich die Anwältinnen dagegen nicht, bestritten wurden sie auch nicht.

Der Besitz von Kinderpornos ist ein weiterer Anklagepunkt

In solchen Momenten während des Prozesses zeigte der Angeklagte ausnahmsweise mal eine Regung. Zustimmend nickend wandte er sich seinen Verteidigerinnen zu und unterstrich die Ausführungen durch entsprechende Gesten. Ansonsten saß der muskulöse Mann, dem man seine Erfahrung als Kampfsportler ansieht, zumeist regungslos auf seinem Stuhl.

Die Anklage wirft ihm neben den sexuellen Übergriffen auch den Besitz von Kinderpornos vor. Auf seinem Handy wurde ein Foto entdeckt, das einen Säugling zeigt. Weitere Schilderungen, was auf dem Bild sonst noch zu sehen ist, verbieten sich. Der Prozess wird am 8. Januar fortgesetzt.

+++ Update +++ In einer früheren Version des Artikels war von 17 Opfern die Rede, es waren aber 18. Wir haben den Artikel entsprechend aktualisiert.

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