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U2 und U3 gesperrt - Wie lange dauert die Umfahrung?

Die U-Bahnlinien U2, U3 und U7 sind ab Freitag unterbrochen. Wie lange dauert die Umfahrung der Baustelle? Ein Selbsttest.

Charlene Rautenberg beim Test mit Zeitmessung auf ihrer aktuellen Ausweichstrecke.

Charlene Rautenberg beim Test mit Zeitmessung auf ihrer aktuellen Ausweichstrecke.

Foto: Sergej Glanze

Berlin. Ab Freitag werden die Wege für all jene länger, die vom Osten der Stadt in den Westen wollen – und umgekehrt. Als ich von der bevorstehenden Sperrung erfuhr, schwante mir schon, was das bedeuten wird: Mehr Zeit einplanen, wie die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) so gern zu sagen pflegen. Zweimal in der Woche fahre ich zum Tanztraining von der City West bis zur Eberswalder Straße.

Normalerweise kann ich mit der U2 durchfahren. Doch die Linie wird bis zum 24. Februar zwischen Gleisdreieck und Zoologischer Garten unterbrochen, Grund sind Weichenerneuerungen am U-Bahnhof Wittenbergplatz. Einen Schienenersatzverkehr bietet die BVG nicht an, auf der gesperrten Strecke sollen Fahrgäste auf die U-Bahnlinien 9 und 1 umsteigen. Ich habe mich also auf den Weg gemacht und getestet, was im Bereich der Sperrung auf mich und Tausende andere Fahrgäste zukommen wird.

Mein Weg beginnt am U-Bahnhof Zoologischer Garten, wo schon große Plakate mit den Umfahrungsmöglichkeiten und einem Streckenplan angebracht sind. Daran mangelt es auf allen Umsteigebahnhöfen, die ich ansteuern werde, nicht.

Wer nicht genau hinsieht, landet beim falschen Aufgang

Glücklicherweise habe ich mich vorab über die Sperrungen im Internet informiert, sonst hätte ich die Karte mit den vielen Hinweisen und bunten Markierungen wohl nicht auf Anhieb verstanden. So geht es auch Thomas Land aus Kreuzberg, den ich unten auf dem Bahnsteig treffe. Er ist Psychiater und fährt auf dem Weg zur Arbeit jeden Tag von der Prinzenstraße zum Kurfürstendamm. Die Hinweistafel versteht er nicht, und auch vor der Karte mit dem alternativen Fahrplan steht er minutenlang ratlos. „Das erinnert mich an die Arbeit: verrückte Botschaften, die man erstmal nicht versteht“, sagt der 56-Jährige mit einem Schmunzeln.

Ich steige also in die U9 in Richtung Steglitz und fahre bis zum Kurfürstendamm. Auch dort ist der Weg zur U1 ausgeschildert, für Touristen auch auf Englisch. Das ändert nichts an der Tatsache, dass ich den ganzen Bahnsteig entlanglaufen muss, bis ich den Fahrstuhl und die Treppen erreiche. Es gibt zwei Aufgänge: Links Richtung Uhlandstraße, rechts geht es zur Warschauer Straße. Wer so wie ich nicht genau hinschaut, landet bei der falschen Richtung. Also wieder Treppe runter, Treppe rauf, und da steht auch schon die Bahn, in die ich nach einem kurzen Sprint gerade noch so hineinspringen kann. Bis zu meinem Ziel am Gleisdreieck wird kein Sitzplatz frei. Nach rund 17 Minuten komme ich an – die normale Strecke auf der U2 dauert ohne Unterbrechungen der BVG-App zufolge sieben Minuten.

Die Rückfahrt dauert noch länger

Mich interessiert natürlich auch, wie der Weg zurück funktioniert. Also wieder Treppensteigen. Oben auf dem Bahnsteig zieht es bei drei Grad Celsius, meine Hände und Füße sind schon nach wenigen Minuten kalt. Zum Glück kommt die nächste Bahn in vier Minuten. Während ich noch einmal den ausgedruckten Fahrplan lese, wird es laut neben mir. Auf der Mitte des Bahnsteiges schreit und gestikuliert eine Gruppe, wenig später versuchen die Männer, aufeinander einzuschlagen. Bei genauerem Hinsehen wird mir die Szene klar: Ein oder mehrere Fahrgäste wollten den zwei Kontrolleuren in Zivil ihren Fahrschein nicht zeigen. Noch bevor die Polizei eintrifft, flüchten zwei Männer über die Gleise.

Die Rückfahrt mit der U1 in Richtung Ruhleben ist ganz angenehm, ich genieße den Blick über die Stadt, während die Sonne durch die Fenster scheint. Am Kurfürstendamm angekommen, heißt es wieder Treppensteigen, die Rolltreppe rollt nur nach oben. Meine Bahn in Richtung Osloer Straße ist schon nach einer Minute da, drinnen ist es warm – und es sind sogar ein paar Plätze frei. Mir bringt das nichts, weil ich nur eine Station fahre. Am Zoologischen Garten steige ich in Fahrtrichtung vorne aus und muss wieder über den ganzen Bahnsteig zur U2 laufen. Die Treppe dorthin ist wie gewohnt voll. Auch im Fahrstuhl ist es eng, dort drängen sich zwei Frauen mit Kinderwagen. Oben auf dem Bahnsteig ist es dann wieder kalt, die nächste Bahn kommt in zwei Minuten für diejenigen, die weiter in Richtung Westen wollen. Mein Test ist am Zoologischen Garten zu Ende. Vom Gleisdreieck war ich mit Umsteigen 25 Minuten unterwegs, üblicherweise sind es auf dieser Strecke acht Minuten. Es stimmt also: Unbedingt mehr Zeit einplanen! Geduld und Stressresistenz sind an den oft überfüllten Umsteigebahnhöfen auch angeraten.

Angespannt dürfte die Lage auch andernorts werden. Wegen der Bauarbeiten am Wittenbergplatz ist die U3 zwischen Warschauer Straße und Spichernstraße unterbrochen und fährt nur zwischen Krumme Lanke und Spichernstraße. Die Sperrung führt auch dazu, dass der von den Arbeiten nicht direkt betroffene U-Bahnhof Bülowstraße nicht genutzt werden kann. Ein Ersatzverkehr mit Bussen ist laut BVG nicht geplant. Fahrgäste müssen auf die U7, U9 und U1 umsteigen. Zwischen Hohenzollernplatz und Kurfürstendamm fährt die Buslinie 249 – für gewöhnlich im 10- bis 20-Minutentakt. Auch die Linie U7 wird ab Freitag für acht Wochen unterbrochen. Zwischen Grenzallee und Britz-Süd werden dann keine U-Bahnen fahren.

Hinweistafeln: „Das ist ganz schön viel verlangt“

Birgit Haupt aus Marzahn steht grübelnd vor einer der zahlreichen Hinweistafeln, auf denen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) über die Unterbrechungen der Linien U2 und U3 informieren. „Mal sehen, was passiert, am Ende muss ich noch laufen“, sagt sie. Die 56-Jährige arbeitet in der Küche eines Seniorenheims. Um zu ihrer Arbeit am Theodor-Heuss-Platz zu kommen, fährt sie jeden Tag mit der S7 bis zum Bahnhof Zoo und steigt dann auf die U-Bahn um. „Die Sperrungen gehen auch mich etwas an, weil ich im Falle eines S-Bahnausfalls auf diese Linien angewiesen wäre und, wie es aussieht, deutlich länger bräuchte“, sagt sie.

Wenn Isabelle Trunschke aus Lichtenberg abends ausgeht, nutzt sie regelmäßig die Linien U1 und U2. Freunde haben ihr von der bevorstehenden Sperrung erzählt, deshalb schaut sie sich am Mittwoch die Aushänge am U-Bahnhof Kurfürstendamm genau an. Diese findet sie trotz abgebildetem Streckennetz mit aufgezeichneten Unterbrechungen unübersichtlich. „Das ist ganz schön viel verlangt und könnte deutlich einfacher gestaltet sein“, sagt die 34-Jährige. Dass keine Ersatzbusse angeboten werden, bedauert sie nicht. Denn während einer anderen U-Bahnsperrung ist sie einmal umgeknickt, als sie zum Ersatzbus rannte. Die Konsequenz war eine Bänderüberdehnung am Knöchel.

Anni Huiskonen aus Steglitz befürchtet, dass sie ab Freitag mit der U2 länger brauchen wird, wenn sie ihre Freunde besuchen will, die in der Nähe des U-Bahnhofs Klosterstraße in Mitte wohnen. Obwohl der alternative Fahrplan an allen Bahnhöfen auch auf Englisch erklärt wird, weiß die Finnin auch nach längerem Hinsehen nicht, wie sie die gesperrte Strecke umfahren soll. „Die Erklärungen und die Karte sind ganz schön kompliziert, und bis ich mir alles durchgelesen habe, verpasse ich meine Bahn“, sagt die 20-Jährige. „Generell finde ich das Nahverkehrs-Angebot in Berlin aber super, normalerweise kommt man schnell ans Ziel“, fügt sie hinzu. In Helsinki, der Hauptstadt ihres Heimatlandes, verkehre nur eine U-Bahnlinie. In anderen Städten könne man nur Tram fahren. char

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