Arbeitsmarkt

Fachkräftemangel: Berliner Wirtschaft wächst langsamer

Das Wachstum der Berliner Wirtschaft schwächt sich ab. Grund dafür ist vor allem der Mangel an Fachkräften im Baugewerbe.

Vor allem im Baugewerbe fehlen Fachkräfte (Symbolfoto).

Vor allem im Baugewerbe fehlen Fachkräfte (Symbolfoto).

Foto: Christian Rudat

Berlin. Das Wachstum der Berliner Wirtschaft wird 2019 geringer ausfallen als im ablaufenden Jahr 2018. In einer aktuellen Prognose schätzen die Volkswirte der Investitionsbank Berlin (IBB), dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nächstes Jahr um 2,3 Prozent steigt. Für das 2018 rechnen sie derzeit noch mit einem Wachstum von 2,7 Prozent. Grund für das Abkühlen der Konjunktur sei vor allem der Fachkräftemangel. „Bislang haben wir ihn primär im Baugewerbe festgestellt“, sagte IBB-Volkswirt Claus Pretzell der Morgenpost. „Inzwischen aber ist auch der Dienstleistungssektor betroffen.“

Mit der vergleichsweise gedämpften Konjunkturaussicht folgt Berlin dem Bundestrend. Auch die Bundesbank hatte ihre Voraussage jüngst nach unten korrigiert, Grund dafür ist vor allem das Abflauen der Weltkonjunktur, die vor allem vom Handelskrieg zwischen den USA und China nach unten gezogen wird. Nach den Berechnungen der IBB wird die Wirtschaft deutschlandweit im kommenden Jahr um 1,5 Prozent wachsen, vor genau einem Jahr rechneten sie für 2018 noch mit einem Wachstum von 2,2 Prozent. „Berlin liegt damit nach wie vor deutlich über dem Bundesschnitt“, so Pretzell. „Wir würgen den Konjunkturmotor nicht ab, wir schalten nur einen Gang herunter, fahren langsamer.“

Ein positives Signal gehe trotz Fachkräftemangel vom Binnenkonsum und dem gut laufenden Arbeitsmarkt in der Hauptstadt aus: Rund 1,5 Millionen Berliner haben einen sozialversicherungspflichtigen Job, die Arbeitslosigkeit fiel im November auf 7,6 Prozent (Bundesschnitt: 4,8 Prozent). „Die Folge ist, dass mehr Menschen über genug Geld verfügen, um sich Dinge zu leisten“, so Pretzell. „Diese Nachfrage im Konsum stärkt die Wirtschaft.“ Sorgen bereitet der IBB hingegen das rückläufige Umsatzwachstum im Dienstleistungssektor, der mit BIP-Anteil von 30 Prozent die Konjunktur maßgeblich beeinflusst. Stieg der Umsatz von Dienstleistungsfirmen in den ersten drei Quartalen 2017 noch um 9,7 Prozent, registrierten die Ökonomen im vergleichbaren Zeitraum 2018 lediglich ein Erlösanstieg von 2,7 Prozent. „Der Höhepunkt im Konjunkturzyklus ist überschritten“, so Pretzell. In den kommenden Jahre werde sich das Wachstum dem langjährigen Durchschnittswert von 2,1 Prozent annähern.