Missbrauch

Canisius-Skandal: Kirche verurteilt den Haupttäter

Der einstige Lehrer und Priester Peter R. (77) wird aus dem Klerikerstand entlassen und verliert seine Pensionsberechtigung.

Das Canisius-Kolleg in Berlin (Archivbild).

Das Canisius-Kolleg in Berlin (Archivbild).

Foto: dpa Picture-Alliance / Stephanie Pilick / picture alliance / dpa

Berlin. Neun Jahre nach Bekanntwerden des Missbrauchsskandals am Berliner Canisius-Kolleg hat die katholische Kirche in Berlin ein Urteil gegen einen der beiden Haupttäter verhängt. Der einstige Lehrer und Priester Peter R. (77) wird aus dem Klerikerstand entlassen und verliert seine Pensionsberechtigung. Dass ein Urteil in den vergangenen Tagen gefallen sei, bestätigt Stefan Förner, Sprecher des Erzbistums Berlin. Nach dem gängigen Verfahren muss der Vatikan in Rom das Urteil noch bestätigen. R. hat zwei Wochen Zeit, in Berufung zu gehen.

Es ist bereits das zweite Kirchen-Urteil gegen R., jedoch das erste, das sich auch auf die Taten am Canisius-Kolleg bezieht. Dort sollen R. und ein weiterer Lehrer in den 70er- und 80er-Jahren bis zu 100 Schüler sexuell missbraucht haben. Strafrechtlich wurde R. nie belangt, weil die Taten, als sie ans Licht kamen, bereits verjährt waren.

2009 hatten sich betroffene ehemalige Schüler des katholischen Gymnasiums dem damaligen Rektor der Schule offenbart. Jesuitenpater Klaus Mertes machte den Skandal öffentlich. In dessen Folge sowie weiterer Fälle in ganz Deutschland wurden 2013 die Verjährungsfristen für Missbrauchstaten an Minderjährigen verlängert.

Der Skandal beleuchtet auch, wie sexuelle Gewalt innerhalb der Kirche systematisch vertuscht wurde. So wurde Peter R. nach einem ersten Verdacht mehrfach nach Hildesheim und andere Orte versetzt, ohne dass die Gemeinden über den Verdacht informiert wurden. Danach soll es zu elf weiteren Taten gekommen sein. 2014 wurde R. schließlich in einem ersten Kirchenprozess verurteilt – für den Missbrauch an einem zur Tatzeit elfjährigen Mädchen, einer Enkelin von Freunden, die R. in seiner Wohnung in Berlin besucht hatte. R. musste 4000 Euro an die Kirchenkasse zahlen, durfte sich weiterhin Priester nennen, bezog weiter seine Pension. Nachdem Betroffene weiter recherchierten, rief die katholische Kirche 2017 Opfer auf, sich als Zeugen zu melden. Aufgrund dieser Aussagen konnte R. nun erstmals auch für Taten am Canisius-Kolleg verurteilt werden.

Matthias Katsch, Sprecher der Betroffeneninitiative „Eckiger Tisch“, zeigte sich zufrieden über das Urteil. „Bitter ist jedoch, dass es nicht zu einem weltlichen Urteil kommen wird. Das hätte ganz andere Auswirkungen gehabt“, sagte Katsch in einer am Freitag veröffentlichten Erklärung.

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