Verteilungsprobleme

Lageso beklagt Engpässe bei Impfstoff gegen Grippe in Berlin

Offenbar gibt es Verteilungsprobleme in Berlin. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales geht von einem Mangel aus.

Nicht alle Ärzte und Apotheken haben dem Impfstoff vorrätig.

Nicht alle Ärzte und Apotheken haben dem Impfstoff vorrätig.

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

Berlin. In Berlin gibt es einen Mangel an Grippeschutzimpfstoffen. Das bestätigte das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) auf Anfrage der Berliner Morgenpost. Zahlen würden aber nicht vorliegen, da solche im Lageso nicht erfasst würden, hieß es.

„Möglicherweise handelt es sich hierbei auch um ein regionales Verteilungsproblem, sodass gegebenenfalls zumindest von keinem flächendeckenden Mangel mit der aktuellen Influenza-Vakzine 2018/19 auszugehen ist“, sagte ein Sprecher der Behörde. Von dem offiziellen Versorgungsmangel an Grippeimpfstoffen hatte das Landesamt erst durch eine Bekanntmachung des Bundesgesundheitsministeriums Kenntnis genommen.

Auch Berliner Hausarztpraxen verfügen derzeit nicht über Impfstoff. Das ergaben am Mittwoch Stichproben der Morgenpost. Die Krankenkasse AOK Nordost, die die Situation aufgrund der aktuellen Entwicklungen nach eigenen Angaben aufmerksam beobachtet und in engem Austausch mit den Landesapothekerverbänden steht, bestätigt die Angaben des Lageso.

„Punktuell kann es derzeit vorkommen, dass Ärzte und Apotheken keinen Grippeimpfstoff mehr vorrätig haben“, sagte ein Sprecher der AOK Nordost. „Vor diesem Hintergrund begrüßen wir den Erlass des Bundesgesundheitsministeriums, dass Apotheker und Ärzte sich untereinander mit Influenza-Vakzinen versorgen und Grippeimpfstoffe aus EU-Ländern importieren dürfen.“ Aktuell geht die Krankenkasse davon aus, dass sich dieser zusätzliche Bedarf im Land Berlin auf weniger als ein Prozent der in der Vorsaison verwendeten Grippeimpfstoffdosen beläuft.

Probleme gibt es auch in anderen Bundesländern

Berlin ist jedoch nicht das einzige betroffene Bundesland. „Aus verschiedenen Regionen Deutschlands werden aktuell Versorgungsengpässe mit Influenza-Impfstoffen gemeldet“, heißt es beim Paul-Ehrlich-Institut (PEI). Es ist ein Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit. „Wir gehen jedoch nicht von einem generellen Versorgungsengpass aus“, sagte Institutssprecherin Susanne Stöcker. D

as PEI hat nach eigenen Angaben 15,7 Millionen Dosen Grippeimpfstoff freigegeben, eine Million mehr, als sich im vergangenen Jahr Verbraucherinnen und Verbraucher insgesamt gegen Influenza haben impfen lassen. Nach Einschätzung des PEI sind die regionalen Engpässe eher ein Verteilungsproblem, auf das das Institut aber keinen Einfluss hätte.

Wie viel, wann und in welche Bundesländer geliefert wird, entscheiden die Hersteller des Impfstoffs selbst. Das PEI könne lediglich Unternehmen darauf hinweisen, wenn Brennpunkte entstehen.

Im November war die Versorgung noch gesichert

Bereits im November hatten mehrere Bundesländer Versorgungsengpässe mit den Impfstoffen gemeldet. Betroffen waren Schleswig-Holstein, das Saarland und Thüringen. Doch auch in Hamburg, Sachsen, Niedersachsen und Hessen wurde von Lieferverzögerungen oder Engpässen gesprochen. Nur in Berlin und in Baden-Württemberg war die Versorgung zu diesem Zeitpunkt noch gesichert.

„Die Patienten haben in diesem Jahr möglicherweise viel früher angefangen, sich impfen zu lassen“, sagte die Sprecherin des PEI. „Ob sich auch insgesamt mehr Menschen impfen lassen oder die Impfungen nur früher stattfinden, können wir noch nicht wissen.“ Die heftige Grippewelle im vergangenen Winter hat offenbar zu einer erhöhten Nachfrage geführt. Immunisierungen mit dem effektiven Vierfach-Impfstoff werden nun von den Krankenkassen gezahlt.

Als eine weitere Ursache für den Mangel nannte das Bundesgesundheitsministerium möglicherweise auch verspätete Bestellungen von Impfstoffen durch Ärzte und Apotheker, zu große Vorräte in manchen Praxen und Apotheken sowie Direktverträge zwischen Krankenkassen und Apothekern. In dieser Woche wurden dem Robert Koch-Institut nach dem Infektionsschutzgesetz deutschlandweit insgesamt 283 bestätigte Influenza-Fälle übermittelt. Für Berlin wurden keine Zahlen genannt.

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