DHL

147 Pakete - der Alltag eines Paketboten in der Adventszeit

In der Adventszeit verdoppelt sich die Zahl der Postsendungen. Das führt zu massiven Problemen bei der Zustellung - auch in Berlin.

Bei DHL laufen Pakete über das Förderband in einer Berliner Zustellbasis. Zu Weihnachten kommt es immer wieder zu Verzögerungen (Archivbild).

Bei DHL laufen Pakete über das Förderband in einer Berliner Zustellbasis. Zu Weihnachten kommt es immer wieder zu Verzögerungen (Archivbild).

Foto: imago stock / imago/photothek

Berlin. Hagen Schütts Tagesaufgabe stapelt sich vor ihm auf dem Förderband. 147 Pakete und Päckchen, manche nur kleine Büchersendungen, andere so groß, dass Schütt sie kaum umgreifen kann. Sie alle soll der DHL-Zusteller heute von der Zustellbasis in Britz bis an die Wohnungstür der Empfänger bringen. Hinter manchen von ihnen wird sich wohl auch ein Weihnachtswunsch verbergen.

Es ist ein Tag in der Adventszeit. Die „heiße Phase“, sagen sie hier bei der DHL. In einem ohnehin boomenden Liefermarkt ist es für die Paketdienste die wichtigste Zeit des Jahres. Viele Menschen machen ihre Weihnachtseinkäufe lieber mit wenigen Klicks von zu Hause aus – und lassen sie liefern. Nicht Weihnachtsmann oder Christkind, die Geschenke bringt heute immer öfter der Paketzusteller.

Bei Marktführer DHL, der Paketsparte der Deutschen Post, führt das im Jahresrhythmus zu neuen Rekorden: Das Unternehmen transportiert im Schnitt täglich 4,6 Millionen Pakete und Päckchen in Deutschland. In der Vorweihnachtszeit verdoppelt sich diese Zahl schlagartig. In diesem Jahr geht das Unternehmen davon aus, kurz vor Weihnachten elf Millionen Pakete pro Tag zu seinen Kunden zu bringen. Neue Höchstmarke. Noch einmal rund eine Millionen Sendungen mehr als im Vorjahr.

Doch mehr Pakete bedeuten auch immer mehr Arbeit für die Zusteller. Längst stößt das System an seine Grenzen. Mit jedem Päckchen, das die Kunden mehr bestellen, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass es nicht pünktlich ankommt.

Der Weg der DHL-Pakete für die Berliner Haushalte führt über Brandenburg. Alle Sendungen landen zuerst in einem der beiden Frachtzentren in Rüdersdorf östlich von Berlin oder in Börnicke im Nordwesten der Hauptstadt. Fast eine Million Pakete laufen im Advent täglich gemeinsam durch die beiden Umschlagzentren. Hier werden sie nach Postleitzahlbereich sortiert und verlassen den Knotenpunkt ab den frühen Morgenstunden in Richtung Zustellzentren.

Vom Lkw gelangt die Fracht auf die Sortieranlage

Eines davon ist die mechanische Zustellbasis in Britz. Von den anliefernden Lkw gelangen die Pakete dort in der riesigen Halle auf die Sortieranlage, ein mehrstöckiges Ungetüm aus Stahl, das mit seinen Bändern und Rampen fast den gesamten Innenraum der Basis einnimmt. Einmal in dieses System gesteckt, scannt die Anlage die Zieladresse der Pakete, ordnet sie einer Zustelltour zu und spuckt sie an der entsprechenden Rampe wieder aus.

Dort warten ab 7.45 Uhr Hagen Schütt und seine Kollegen. Sie stapeln die ihnen zugeordneten Päckchen in den Regalen ihres Transporters. An manchen Tagen kommt Schütt damit schnell durch. „Manchmal muss man aber noch auf ein paar Pakete warten.“ Seine Fahrt startet dann später. Entsprechend weniger Zeit bleibt dann zum Ausliefern. 9.20 Uhr. Die Rampe ist leer, der Transporter voll. Eine Durchsage ertönt. Jeder Zusteller bekommt schnell einen Scanner und Lieferpapiere in die Hand gedrückt. Vor Schütt liegt jetzt seine Route in Britz. Und 147 Pakete, die zu ihren Empfängern sollen.

Es ist kein leichter Job. Die Temperatur liegt an diesem Morgen knapp über null Grad, es regnet. Kälte zieht in die Glieder. Schütt darf das nicht kümmern. Er muss trotzdem schon auf den ersten Metern seiner Tour bei fast jedem Haus halten, um Sendungen abzuliefern. Bei einem Maschinenbauunternehmen sind es drei große Pakete. Schütt stapelt sie aufeinander. Umfassen kann er sie kaum. Immerhin sind sie nicht zu schwer.

Bis zu 190 Pakete pro Zusteller am Tag

Das ergeht Schütt und seinen Kollegen immer öfter anders. Die Gewichtsobergrenze liegt bei 30 Kilogramm. „Immer mehr Leute nutzen das massiv aus“, sagt Thomas Cosmar, ehrenamtlicher Vorsitzender der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi im Bezirk Berlin und Fachmann für den Bereich Paketzustellungen. Die Zahl der Pakete mit mehr als 15 Kilogramm sei stark gestiegen.

Der Lohn dafür ist überschaubar. Besonders für jene Boten, die nicht bei der Post oder der DHL angestellt sind, sondern über Subunternehmer beschäftigt werden. Zwar müssen auch Subunternehmer den Mindestlohn zahlen und eigentlich achte die DHL auf dessen Einhaltung, sagt Cosmar. „Aber man hört immer wieder, dass die Subunternehmer das unterlaufen.“ Beliebte Methode: Die Zusteller bekommen keinen festen Stundenlohn, sondern werden pro Paket bezahlt. In Berlin sollen etwa knapp tausend Paketzusteller für die DHL arbeiten, rund zwölf Prozent davon sind über Subunternehmer beschäftigt, sagt Cosmar. Sie liefern vor allem in Friedrichshain, Prenzlauer Berg, Charlottenburg und Tegel aus. Hermes und DPD arbeiten fast ausschließlich auf diese Weise.

Was viele Kunden noch mehr kümmert, ist der Verbleib ihrer Päckchen. Auch da hapert es. Wegen der vielen Sendungen ist seine Tour zur Weihnachtszeit kürzer, sagt Schütt. 147 Pakete sind noch weit entfernt von Spitzentagen mit bis zu 190 pro Zusteller. Dennoch: Auch so bleiben ihm pro Zustellung jedes Paketes nur rund drei Minuten. Schnell ist da Dienstende und im Transporter liegen noch einige Päckchen. Sie werden dann am Folgetag zugestellt. Laut Gewerkschafter Cosmar bleiben pro Tour im Schnitt zehn bis 20 Sendungen liegen.

Das Problem ist die Qualität der Kurzfrist-Zusteller

Hinzu kommt: Um das Paketaufkommen vor Weihnachten bewältigen zu können, stockt die DHL die Mitarbeiterzahl kurzfristig stark auf. Bis Ende Februar sollen in Berlin 800 Aushilfskräfte hinzukommen. Deutschlandweit sind es rund 10.000. Das Problem ist die Qualität der Kurzfrist-Zusteller. „Für die Unternehmen wird es immer schwieriger, Leute zu finden“, sagt Cosmar. Werden nicht genug gefunden, greife man doch auf Subunternehmer zurück. Deren Qualität sei oft schlecht. „Wenn die Menschen, die man einstellt, kein Deutsch können und sich hier nicht auskennen, führt das zu Problemen.“

Die Zustellungen würden dann erst recht nicht geschafft. Um sich der Pakete doch zu entledigen, werden manchmal einfach gleich Zustellkarten in den Briefkasten geworfen und das Paket landet an der nächsten Abholstelle oder beim Nachbarn, ohne dass geklingelt wurde. So etwas, beteuert Schütt, würde er nie machen. "Es kann schwarze Schafe geben, aber das ist nicht der Anspruch." Auch aus Sicht der Post ist die Lage nicht dramatisch. Es gebe „relativ wenige Beschwerden“, sagt Post-Sprecher Mattias Persson. 80 Prozent der Pakete kämen am nächsten Tag an.

Mehr zum Thema:

Weihnachtspost mit einem Jahr Verspätung

So kommen die Pakete noch bis zum Fest an

Paket-Zustellung an der Haustür – Hermes will Preise erhöhen