Nahverkehr in Berlin

Warum die S-Bahn auch dieses Jahr nicht pünktlich ist

Die vereinbarte Pünktlichkeit wurde nur in einem Monat erreicht. Der Fahrgastverband fordert den Senat zum Handeln auf.

S-Bahn-Chef Peter Buchner am Bahnhof Zoologischer Garten

S-Bahn-Chef Peter Buchner am Bahnhof Zoologischer Garten

Foto: Reto Klar

Berlin.  Trotz einer im Sommer gestarteten Qualitätsoffensive wird die Berliner S-Bahn eines ihrer wichtigsten Ziele auch in diesem Jahr verfehlen. Nach einer aktuellen Übersicht, die der Berliner Morgenpost vorliegt, hat die Bahntochter die gegenüber den Ländern Berlin und Brandenburg vertraglich zugesicherte Pünktlichkeitsquote von 96 Prozent lediglich im September erreicht. In diesem Monat sind 96,1 Prozent aller S-Bahnzüge ohne Verspätung gefahren. In den übrigen Monaten schwankt der Wert zwischen 94 Prozent (Juni) und 95,9 Prozent (Juli). Auch für den laufenden Monat Dezember rechnet die S-Bahn nicht mehr damit, die Vertragsvorgabe noch zu erreichen. Hauptgrund ist der Eisenbahnerstreik vor einer Woche, der bei der S-Bahn Berlin für 237 Zugausfälle und 6092 Verspätungsminuten sorgte.

Bereits seit 2009 kämpft die zur bundeseigenen Deutschen Bahn AG gehörende S-Bahn Berlin darum, ihr Angebot zu verbessern. Damals standen aufgrund technischer Mängel und schwerer Managementfehler zeitweise bis zu zwei Drittel der Flotte still. Seither hat der Bahnkonzern bereits mehr als 200 Millionen Euro unter anderem in die Reparatur von störanfälligen Zügen sowie für mehr Personal im Fahrdienst und in den Werkstätten investiert. Doch nach jedem Aufschwung gab es neue Einbrüche: Zuletzt im Herbst 2017, als die Pünktlichkeitsquote unter die 93-Prozent-Grenze rutschte. Wobei eine S-Bahn-Fahrt in Berlin erst dann als verspätet gewertet wird, wenn sie vier Minuten oder mehr vom Fahrplan abweicht.

180 Einzelprojekte zur Verbesserung der S-Bahn

Nachdem die Pünktlichkeit sich im ersten Halbjahr nicht verbesserte (Januar bis Juni: 94,4 Prozent), zog der Bahnkonzern die Reißleine. Im Juli wurde unter dem Titel „S-Bahn Plus“ ein umfassendes Programm „zur Verbesserung von Pünktlichkeit, Qualität und Service“ gestartet. Es beinhaltet mehr als 180 Einzelprojekte, mit denen unter anderem die Betriebsabläufe im Unternehmen verbessert sowie Störungen des Zugverkehrs verringert werden sollen. Dazu verpflichteten sich erstmals neben der S-Bahn auch die für Gleise und Signale, Bahnhöfe und Energieversorgung zuständigen Bahn-Tochterunternehmen zu konkreten Verbesserungen.

S-Bahnchef Peter Buchner sieht inzwischen erste Erfolge auf dem Weg zu mehr Pünktlichkeit. Demnach seien im Oktober 95,1 Prozent aller S-Bahnen ohne Verspätung gefahren, ein Plus von 2,2 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahresmonat. Buchner verwies auch auf die erheblichen Investitionen in die teils mehr als 30 Jahre alten Züge. Gut 44 Millionen Euro habe allein die „Ertüchtigung“ der 70 Zwei-Wagen-Einheiten der Baureihe 480 gekostet. Die einst für die West-Berliner BVG in den 80er-Jahren entwickelten Züge würden jetzt wesentlich zuverlässiger sein als zuvor. Noch mehr Geld – insgesamt 250 Millionen Euro – werde die Modernisierung von bis zu 500 Doppelwagen der Baureihe 481 kosten, die Mitte 2019 beginnen soll. Der Bau dringend benötigter Züge liege gut im Plan, die ersten Bahnen würden allerdings erst ab 2021 regulär fahren.

„Die S-Bahn hat noch eine Menge Baustellen“

Nach Einschätzung des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB), der die Einhaltung der Verträge für die beiden Länder kontrolliert, ist das Pünktlichkeitsniveau der S-Bahn gegenüber dem ersten Halbjahr 2018 „etwas besser“ geworden. „Aber es ist noch viel Luft nach oben“, sagte VBB-Sprecherin Elke Krokowski der Morgenpost. Sie verwies aber auch darauf, dass das Programm „S-Bahn Plus“ noch nicht beendet sei. „Die wirklich wichtigen Maßnahmen, wie der Austausch störanfälliger Signalkabel oder der Austausch von Weichen, werden erst allmählich umgesetzt und können folglich erst danach wirken.“

Auch der Fahrgastverband Igeb ist noch nicht zufrieden. „Die S-Bahn ist auf dem richtigen Weg, hat aber noch eine Menge Baustellen“, sagte Igeb-Sprecher Jens Wieseke. Er forderte den Senat erneut zum Handeln auf. Zwar werde gemeinsam mit der Bahnspitze endlich auch über Infrastrukturverbesserungen für die S-Bahn gesprochen. „Aber Probleme wie zum Beispiel die zu langen Signalabstände auf der Ringbahn müssen viel früher als erst 2030 gelöst werden“, sagte Wieseke.

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