Berliner S-Bahn

Die meisten Verspätungen haben Züge auf der Stadtbahn

S-Bahn-Chef Peter Buchner setzt auf die Wirkung des neuen Qualitätsprogramms.

Eine S-Bahn am Hauptbahnhof

Eine S-Bahn am Hauptbahnhof

Foto: Reto Klar

„Gut, dass ich nicht nach Pünktlichkeit bezahlt werde, das sähe heute nämlich ziemlich mau aus“, schrieb am Donnerstagabend ein Triebfahrzeugführer der S-Bahn Berlin auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Nach Ende des Eisenbahnerstreiks hatte die S-Bahn Tage gebraucht, bis der Zugverkehr auf allen Linien wieder einigermaßen stabil lief. Am Montagvormittag war fast der gesamte Verkehr zusammengebrochen, weil vor allem die Betriebszentrale der S-Bahn in Halensee bestreikt wurde. Bei der S-Bahn-Geschäftsführung dürfte der von der Gewerkschaft EVG ausgerufene Warnstreik die letzte Hoffnung zerstört haben, die den Ländern Berlin und Brandenburg vertraglich zugesicherte Pünktlichkeit von 96 Prozent aller Zugfahrten doch noch zu erreichen. Zu schlecht war schon die Bilanz für 2018 in den Monaten zuvor (siehe Grafik).

Bis November war es lediglich in einem Monat, nämlich im September, gelungen, den Vertragsanforderungen gerecht zu werden. Wobei eine Zugfahrt überhaupt erst dann als verspätet gewertet wird, wenn sie vier Minuten und mehr vom Fahrplan abweicht. Dies wird von Fahrgastvertretern immer wieder kritisiert, weil im dicht getakteten Berliner Nahverkehr schon Verspätungen von zwei Minuten ausreichen, um wichtige Anschlussverbindungen zu verpassen.

Dabei sah die S-Bahn sich bereits auf einem guten Weg. Im Juli hatte das nach der BVG zweitwichtigste Nahverkehrsunternehmen (bis zu 1,5 Millionen Fahrgäste am Tag) unter dem Titel „S-Bahn plus“ eine Qualitätsoffensive gestartet. Sie umfasste mehr als 180 Einzelmaßnahmen, die zu mehr Pünktlichkeit, Qualität und Service für die Fahrgäste führen sollen. Rund 30 Millionen Euro stellte der Bahnkonzern zur Finanzierung bereit.

Laut S-Bahnchef Peter Buchner konnten mehrere Probleme, die den Betriebsalltag stören, inzwischen erkannt und teilweise auch gelöst werden. Etwa die Sache mit den Zügen, die nach dem Wechsel erst einmal ungeplant im Bahnhof stehen blieben, weil neueingebaute Computertechnik ewig brauchte, um wieder hochzufahren. Die Lösung: Die Fahrer lassen ihren persönlichen Fahrschalterschlüssel (vergleichbar mit dem Autoschlüssel) beim Schichtwechsel stechen und nehmen den Schlüssel der Ablösung mit.

Störanfälliges Tür-Relais

Zudem wurde erkannt, dass bei den Zügen der Baureihe 481 ein bestimmtes Relais für die Türsteuerung besonders störanfällig ist. Es wurde inzwischen bei 324 der 500 Zwei-Wagen-Züge der Baureihe vorsorglich ausgewechselt. Im Sommer ließ die S-Bahn zudem auf der Stadtbahn zwischen den Stationen Ostkreuz und Hauptbahnhof automatisch alle Zugtüren öffnen, damit der Fahrgastwechsel schneller geht. Zuvor war immer wieder beobachtet worden, wie sich vor allem Touristengruppen vor einer Tür versammelten, die im Fahrplan verankerten kurzen Haltezeiten zum Ein- und Aussteigen konnten dann vielfach nicht eingehalten werden.

Mit Hilfe dieser Maßnahmen konnte die S-Bahn zumindest den Negativtrend der letzten Monate beenden. Laut S-Bahnchef Buchner hat sich die Pünktlichkeit auf den Nord-Süd-Linien von 92,4 auf 96,1 Prozent deutlich verbessert (Oktober 2018 zu Oktober 2017). Aufwärts gehe es auch auf der Ringbahn (plus 0,7 auf 94,8 Prozent Pünktlichkeit). Mit 93,7 Prozent (plus 1,4) ist die Pünktlichkeit auf der Stadtbahn (Linien S3, S5, S7, S75, S9) immer noch die schlechteste. Buchner geht aber davon aus, dass sich mit der Anfang Dezember erfolgten Inbetriebnahme zusätzlicher Gleise zwischen Ostkreuz und Ostbahnhof die Zahl der Verspätungen auf diesen Linien spürbar verringern werde.