Verspätungen und Ausfälle

Fahrzeugmangel: BVG prüft längere Taktzeiten bei der U-Bahn

Längere Fahrtabstände sollen dafür sorgen, dass der Verkehr sich stabilisiert. Der Fahrgastverband forderte zuletzt einen Notfallplan.

Impression aus dem U-Bahnhof Bismarckstraße in Charlottenburg, wo sich die beiden Linien U5 und U7 kreuzen.

Impression aus dem U-Bahnhof Bismarckstraße in Charlottenburg, wo sich die beiden Linien U5 und U7 kreuzen.

Foto: Reto Klar

Berlin. Mit einem Sofortprogramm wollen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) die anhaltenden Probleme im U-Bahnverkehr in den Griff bekommen. Entsprechende Pläne bestätigte am Donnerstag BVG-Sprecherin Petra Reetz. „Unser Ziel ist, allen unseren Fahrgästen einen verlässlichen Fahrplan anzubieten. Daher prüfen wir unterschiedliche Maßnahmen, wieder zuverlässiger zu werden“, sagt die Unternehmenssprecherin.

So werde derzeit geprüft, ob auf einigen Linien mit sehr dichten Taktzeiten diese geringfügig zu verlängern. Als Beispiel nennt Reetz die U5 (Hönow–Alexanderplatz): Auf dieser wichtigen Zubringerlinie aus dem Berliner Osten ist im Berufsverkehr geplant, dass die Züge im Abstand von viereinhalb Minuten fahren. Eine Verlängerung des Abstands auf fünf Minuten würden die Fahrgäste kaum merken, es würde sich aber die Anzahl der benötigten Züge auf dieser Linie möglicherweise verringern lassen. Ähnliche Prüfungen soll es auch für die gleichfalls störanfälligen Linien U8 (Wittenau–Hermannstraße) und U9 (Osloer Straße–Rathaus Steglitz) geben.

Die BVG folgt damit einen Vorstoß des Berliner Fahrgastverbandes, der dies angesichts der Vielzahl der Zugausfälle in den vergangenen Wochen wiederholt einen „Notfahrplan“ gefordert hatte. Dieser müsse die realen Kapazitäten an Fahrzeugen, Fahrern und Werkstattpersonal berücksichtigen. Er sei vor allem notwendig, um das Angebot für die Fahrgäste wieder berechenbarer zu machen.

Berliner U-Bahnflotte ist im Durchschnitt 30 Jahre alt

Der Mangel an einsatzfähigen Zügen, aber auch an Fahrpersonal ist, wie berichtet, seit Monaten das Hauptproblem für einen stabilen U-Bahnbetrieb. Vor allem wegen des hohen Alters der rund 1300 Wagen zählenden U-Bahnflotte (im Durchschnitt 30 Jahre) fallen immer wieder kurzfristig Fahrten wegen „Schäden am Zug“ aus. Besonders die älteren Baureihen sind inzwischen sehr anfällig. Sie haben zudem das Problem, dass eine einzelne Türstörung ausreicht, um den gesamten Zug lahmzulegen. Anders als bei neueren Fahrzeugen ist es bei ihnen nicht möglich, defekte Türen einzeln zu sperren. Aus Sicherheitsgründen muss bei einer Türstörung dann der gesamte Zug aus dem Verkehr gezogen und in die Werkstatt geschickt werden.

Fällt jedoch ein Zug komplett aus, können auch die mit ihm geplanten Fahrten nicht mehr angeboten werden. Es entstehen „Löcher“ im Fahrplan. Der nächstfolgende Zug ist wiederum so voll, dass er aufgrund der dann deutlich längeren Ein- und Ausstiegszeiten von nervös wartenden Fahrgästen rasch zusätzlich Verspätung einfährt. Statt im eigentlich geplanten Viereinhalb- oder Fünf-Minuten-Takt fahren zwei Züge hintereinander dann real im Abstand von einer Viertelstunde. Das Chaos auf der Linie ist perfekt, der Unmut der Fahrgäste riesengroß.

Um auf den dauerhaften Mangel an einsatzfähigen Fahrzeugen zu reagieren, gibt es nach Ansicht von Verkehrsexperten prinzipiell zwei Möglichkeiten. Entweder die Takte ausdünnen oder die Länge verkürzen. Letzteres wird von der BVG bereits seit einiger Zeit praktiziert. Statt des eigentlich vorgesehenen Zuges mit sechs oder acht Wagen fährt dann nur ein „Kurzzug“ mit vier Wagen. Ist diese Möglichkeit ausgereizt, bleibt nur noch die Ausdünnung von Takten oder gar die teilweise oder gänzliche Einstellung des Zugverkehrs auf einzelnen Linien und der Ersatz der Bahnen durch Busse. In der Vergangenheit tauchte diese bei Baustellensperrungen praktizierte Idee immer mal wieder für die vergleichsweise wenig genutzte Linien U4 (Nollendorfplatz–Innsbrucker Platz) auf, wird aber von der BVG dementiert.

Laut Reetz ist eine Entscheidung über ausgedünnte Takt noch nicht gefallen. „Unsere Leute rechnen jetzt intensiv, ob das wirklich etwas bringt.“ Außerdem sei ein größerer zeitlicher Vorlauf dafür notwendig. „Es müssen unter anderem in erheblichem Umfang die Dienstpläne geändert werden“, sagt Reetz. Mit einer Umsetzung sei daher nicht vor April oder Mai 2019 zu rechnen.

Bis es so weit ist, will die BVG nicht untätig bleiben. Vor allem die Fahrgastinformation im Störungsfall soll besser werden. Die Ansage „‚Auf dieser Linie unregelmäßiger Zugverkehr‘ hilft dem Fahrgast nicht weiter“, so Reetz. Geplant sind exaktere Ansagen oder auch Online-Informationen zu den Gründen eines Zugausfalls sowie mehr Informationen über alternative Fahr- und Umsteigemöglichkeiten. Vorgesehen ist auch, dass graffitibeschmierte Züge nicht sofort aus dem Verkehr gezogen werden, sondern weiterfahren.

„Das hat allerdings Grenzen: Sind die Scheiben für den Fahrer oder die Zuglichter beschmiert, dürfen wir den Zug nicht weiterfahren lassen“, sagte die BVG-Sprecherin.

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