Lebensmittelkontrolle

Fast 2500 Berliner Lokale haben Probleme mit der Hygiene

Hunderte Restaurants, Cafés und Bäckereien in Berlin fallen mit Mängeln auf. Ein Bezirk schließt deshalb massenhaft Betriebe.

Die Lebensmittelaufsicht führte im vergangenen Jahr 13.689 Hygienekontrollen durch (Symbolbild)

Die Lebensmittelaufsicht führte im vergangenen Jahr 13.689 Hygienekontrollen durch (Symbolbild)

Foto: pa

Berlin. Kontrolleure haben in Hunderten Berliner Gastronomiebetrieben Hygienemängel festgestellt. Insgesamt fiel fast jedes fünfte Lokal, Café oder Bäckerei bei den Überprüfungen durch die Lebensmittelaufsichten durch. Insgesamt waren es 2452. Das ergab eine Anfrage der Verbraucherzentrale Berlin bei den für die Kontrollen zuständigen Bezirken. Einzig Tempelhof-Schöneberger reagierte trotz Nachfrage nicht auf die Fragen der Verbraucherschützer, hieß es. In den übrigen elf Bezirken gab es im vergangenen Jahr insgesamt 13.689 Hygienekontrollen.

Auffällig sind die großen Unterschiede zwischen den Bezirken. Die meisten Betriebe wurden in Charlottenburg-Wilmersdorf (2481) und Mitte (2441) untersucht. Gleichzeitig fanden die Kontrolleure mit 97 Fällen nirgendwo so wenige Mängel wie in Mitte. In Charlottenburg-Wilmersdorf fielen 150 Lokale negativ auf.

Die meisten Mängel gibt es in Friedrichshain-Kreuzberg

Auf die meisten Hygieneprobleme stieß die Lebensmittelaufsicht in Friedrichshain-Kreuzberg: 482 Gastro-Betriebe fielen bei der ersten Kontrolle durch. Britta Schautz, Projektleiterin Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale Berlin erklärt letzteres Ergebnis mit den vielen Dönerbuden im Bezirk: Sie seien "rein vom Produkt her schon anfällig für solche Hygienemängel, da sie mit rohen Produkten wie Salat und Fleisch arbeiten.“

Umgekehrt bedeuten wenige gefundene Mängel nicht automatisch, dass es in einem Bezirk keine Hygieneprobleme gibt, so die Verbraucherschützerin. „Die Frage ist, wie gut die einzelnen Bezirke ausgestattet sind.“ Teils dünne Personaldecken könnten in manchen Bezirken auch einfach keine bessere Kontrolle zulassen.

Pankow schließt mit Abstand die meisten Betriebe

Strikt durchgegriffen wird hingegen in Pankow. Nirgendwo sonst wurden mehr Bußgelder verhangen (254). 221 Betriebe schloss der Bezirk wegen hygienischer Mängel gleich ganz. Zum Vergleich: Auf Rang Zwei in dieser Wertung liegt Friedrichshain-Kreuzberg mit 23 Betriebsschließungen.

„Wir sind an dieser Stelle etwas konsequenter was Ahndung und Schließung betrifft“, sagte Pankows Ordnungsstadtrat Daniel Krüger (AfD). Pankow habe bei Stellenstreichungen in der Vergangenheit eine andere Priorität als andere Bezirke gesetzt. Elf Kontrolleure kümmerten sich um die Lebensmittelhygiene. Der Bezirk sei daher auch in der Lage Gerichtsverfahren zu bewältigen, falls Gastronomen gegen die Schließung klagten.

Frankreich lässt Mängel am Lokaleingang anzeigen

Schaben in der Küche und verdorbenes Fleisch auf dem Teller sind für die Gäste nicht nur eklig sondern auch ungesund. Betriebe mit Hygienemängel müssten deshalb veröffentlicht werden, fordert Verbraucherschützerin Schautz. „Wir brauchen eine Bewertung an der Lokaltür und im Internet.“ Vorbild ist Frankreich. Dort gebe es ein System mit Smileys für fünf Kategorien. Auch Großbritannien, Dänemark oder Norwegen hätten bereits entsprechende Gesetze verabschiedet.

In Deutschland jedoch fehlt eine solche Regelung bisher. Daran änderte auch ein vom Land Berlin auf der Verbraucherschutzministerkonferenz im Juni 2018 eingebrachte Antrag nichts, ein bundeseinheitliches Modell für mehr Transparenz zu beschließen.

Sollte der Bund bis Ende 2018 kein Gesetz dazu auf den Weg bringen, werde Berlin eine eigene Regelung einführen, heißt es im rot-rot-grünen Koalitionsvertrag. Konkretes gibt es in der Sache aus Berlin bisher jedoch nicht. Andere Bundesländer hätten mittlerweile Modellprojekte auf den Weg gebracht, teilte die Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz mit. Man werte diese Modelle nun aus, um den besten Weg für mehr Transparenz für die Verbraucher zu finden, hieß es.

Update: Der Bezirk Mitte antwortete erst nach Veröffentlichung des Artikels auf eine Anfrage. Darin weißt das Ordnungsamt des Bezirks darauf hin, dass die Zahl der Nachkontrollen im Bezirks nicht so stark von anderen Bezirken abweicht, wie von der Verbraucherzentrale geschildert. Demnach habe es zwar 97 angeordnete Nachkontrollen gegeben. Insgesamt hätten jedoch 363 Nachkontrollen wegen Mängeln in Gastro-Betrieben stattgefunden (14,9 Prozent der kontrollierten Betriebe).

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