Ex-Polizeipräsident

Klaus Kandt: „Als ob man einen alten Lappen wegwirft“

Ex-Polizeipräsident Klaus Kandt kritisiert Innensenator Andreas Geisel (SPD) für die Form seiner Entlassung.

Berlins ehemaliger Polizeipräsident Klaus Kandt fühlt sich ungerecht behandelt.

Berlins ehemaliger Polizeipräsident Klaus Kandt fühlt sich ungerecht behandelt.

Foto: dpa Picture-Alliance / Soeren Stache / picture alliance / Soeren Stache

Berlins früherer Polizeipräsident Klaus Kandt hat die Form seiner überraschenden Entlassung im Februar scharf kritisiert und Vorwürfe gegen Innensenator Andreas Geisel (SPD) erhoben. „Das war jetzt ein hartes Ding, das hätte man auch netter machen können, nicht so schäbig“, sagte Kandt in einem Gespräch mit der „Bild“-Zeitung.

Kurz vor dem Rauswurf sei er krank gewesen, die Senatsinnenverwaltung habe ihn aber trotzdem mehrfach dringend gebeten, zum Empfang einer EU-Kommission zu kommen. Drei Tage später erfolgte die Entlassung. „Ein Gefühl, als wenn man einen alten Putzlappen nimmt, ihn noch mal richtig dreckig macht, bevor man ihn wegwirft. Also richtig ausgebeutet, bis aufs Letzte. Das fand ich unanständig und in dieser Form schäbig.“

Kandt, der CDU-Mitglied ist, sagte, er habe Geisels Staatssekretär Torsten Akmann (SPD) aufgefordert: „Wenn ich politisch nicht gewollt bin, dann soll man es mir doch einfach sagen. Dann trennen wir uns wie Männer.“ Das sei aber nicht passiert. Obwohl er zu der Zeit gut hätte ins Bundesinnenministerium wechseln können. Allerdings habe er gewusst: „Mein Stuhl wackelt wie schon lange nicht mehr.“ Doch niemand habe ihm ein Signal gegeben. „Es musste diese harte Tour sein. Aber ich weiß, was ich geleistet habe, und das lass ich mir auch nicht kaputtreden. Und die Kollegen wissen es auch.“ Er habe sehr viel angeschoben – und zwei Tage nach der Entlassung habe der Innensenator eine hervorragende Kriminalstatistik präsentiert.

Kandt räumte ein, auch das Verhältnis zu seiner Vize-Präsidentin Margarete Koppers sei nicht immer einfach gewesen. „Am Anfang waren wir Konkurrenten und das war sicherlich eine schwierige Startsituation. Aber in den entscheidenden Momenten haben wir uns zusammengerauft und zusammengehalten.“ Kandt kündigte an, er orientiere sich derzeit beruflich neu. Allerdings in einem anderen Bereich. „Polizei ist vorbei.“

Geisel hatte argumentiert: „Die Polizei muss frei gemacht werden von den Debatten der Vergangenheit.“ Kandt habe nicht sein Vertrauen für den nötigen Neuanfang. Nach dem islamistischen Terroranschlag Ende 2016 stand die Berliner Polizei lange in der Kritik. Kandt führte sie mit ihren rund 22.000 Mitarbeitern rund fünf Jahre lang. Er war zu Beginn seiner Karriere bei der Anti-Terror-Einheit GSG 9 gewesen. In den 80er-Jahren leitete er ein Spezialeinsatzkommando bei der Berliner Polizei. Später war er Polizeipräsident in Frankfurt (Oder) und Potsdam, danach Chef der Bundespolizei in Berlin und Brandenburg.

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