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CDU streitet über Merkels Zukunft

Forderungen aus dem Landesverband für Rückzug der Kanzlerin sorgen für Kritik.

CDU-Landeschefin Monika Grütters kritisiert Debatte über Merkels vorzeitigen Abgang.

CDU-Landeschefin Monika Grütters kritisiert Debatte über Merkels vorzeitigen Abgang.

Foto: Anke Waelischmiller/SVEN SIMON / Sven Simon / PA

Berlin. In der Berliner CDU ist ein Streit über den Verbleib von Angela Merkel im Amt der Bundeskanzlerin entbrannt. Nach ihrem Rückzug von der Parteispitze am Wochenende waren Forderungen laut geworden, Merkel solle nun auch den Übergang im Kanzleramt für die neue CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer vorbereiten.

Der Bundestagsabgeordnete und Kreischef von Steglitz-Zehlendorf, Thomas Heilmann, hatte dieser Zeitung am Sonnabend gesagt, die von Merkel bewusst initiierte Übergangsphase dürfe nicht zu lange dauern. Auch der Neuköllner Kreischef Falko Liecke forderte, Merkel solle für einen Übergang noch vor Ablauf der Legislaturperiode 2021 sorgen. Die neue Parteichefin Kramp- Karrenbauer sei sonst ein „zahnloser Tiger“.

Berlins CDU-Chefin Monika Grütters zeigte sich nicht erfreut über die Äußerungen von Heilmann und Liecke: „Angela Merkel braucht diese Ratschläge nicht“, kritisierte sie. Der Landesgruppenchef der Berliner CDU-Bundestagsabgeordneten, Jan-Marco Luczak, sagte der Berliner Morgenpost: „Es ist nicht klug, nach einem solchen Parteitag, der ein Signal des Aufbruchs war, eine Debatte darüber anzufangen, wie wir uns personell aufstellen.“ Die neue Parteichefin Kramp-Karrenbauer habe deutlich gemacht, dass sie die CDU in guter Zusammenarbeit, wo es aber notwendig ist, auch in Abgrenzung zur Regierung führen werde. „Und die Kanzlerin hat deutlich gemacht, dass sie für die gesamte Legislaturperiode zur Verfügung steht“, betonte Luczak. „Die letzten Wochen haben gezeigt, dass Angela Merkel in der Bevölkerung einen großen Rückhalt hat, das US-Magazin ‚Forbes‘ hat sie zum achten Mal in Folge zur weltweit mächtigsten Frau gekürt.“

Mario Czaja meint: Merkel wird selbst entscheiden

Auch der stellvertretende Fraktionschef der CDU im Abgeordnetenhaus, Mario Czaja, betonte: „Angela Merkel ist als Bundeskanzlerin gewählt bis zum Ende der Legislaturperiode. Falls ein geordneter Übergang zu einem anderen Zeitpunkt erforderlich ist, wird sie das selbst entscheiden.“

Fraktionschef Burkard Dregger hatte ebenfalls erklärt, er vertraue auf die Kanzlerin und auf die neue Parteivorsitzende Kramp-Karrenbauer, dass sie „die Möglichkeit nutzen, wenn sie kommt“. Das klingt allerdings nicht danach, als wünsche man sich, dass Merkel als Kanzlerin bis zum Ablauf der Wahlperiode in drei Jahren weitermacht.

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