Streit um den Checkpoint

Heskel Nathaniel: „Eine absolut irrationale Hexenjagd“

Der Trockland-Chef Heskel Nathaniel wollte am Checkpoint Charlie bauen. Doch dann machte der Senat eine Kehrtwende.

Im Büro von Trockland-Chef Heskel Nathaniel hängt ein Bild vom Checkpoint Charlie. Noch hat er nicht entschieden, ob er sich von dem Projekt zurückziehen will.

Im Büro von Trockland-Chef Heskel Nathaniel hängt ein Bild vom Checkpoint Charlie. Noch hat er nicht entschieden, ob er sich von dem Projekt zurückziehen will.

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin. In seinem Büro im alten Postamt an der Hauptstraße in Schöneberg hängt ein großes Bild vom Checkpoint Charlie. Glück hat es dem Immobilienentwickler Heskel Nathaniel nicht gebracht. Der Immobilienentwickler, der mit seiner Firma Trockland in Berlin seit 2009 rund 15 Bauvorhaben weitgehend störungsfrei umsetzte, stößt mit seinem Projekt am ehemaligen alliierten Grenzkontrollpunkt auf heftigen Widerstand insbesondere bei den Politikern der Linken und der Grünen. Auch weil zuletzt Zweifel an den Geldgebern aufgekommen waren. Der Senat verkündete am Dienstag überraschend ein neues Planungsrecht am Checkpoint Charlie. Zum Interview mit der Berliner Morgenpost erschien Nathaniel in Begleitung von Vladimir Sokolov – dem Mann, dessen finanzielle Beteiligung an dem Projekt die meiste Kritik ausgelöst hatte.

Wie bewerten Sie das Vorgehen des Berliner Senats am Checkpoint Charlie?

Heskel Nathaniel: Wir sind sehr enttäuscht. Wir haben mit dem Senat drei Jahre eng zusammengearbeitet und das als eine gute Partnerschaft empfunden. Wir hatten gemeinsam die Idee, dieses Projekt zu realisieren und dabei alle Wünsche und Forderungen des Landes Berlin zu berücksichtigen. Wir sind unseren Verpflichtungen immer komplett nachgekommen, haben unsere Kapitalpartner und Banken mit zu den Gesprächen geholt. Wir haben alles vorgelegt und gemeinsam ein Konzept erarbeitet, bis ins letzte Detail. Wir haben die gewünschte Freifläche akzeptiert, die Wohnungen, die Sozialwohnungen, die Bauvolumina. Die Idee war, dass wir noch im Dezember einen endgültigen Vertrag schließen und uns im Januar auf den Architektenwettbewerb als nächste Stufe konzentrieren. Von uns gab es keinerlei heimliche Absprachen. Warum präsentiert der Senat jetzt einen komplett neuen Plan? Weil die Koalition scheinbar nicht zufrieden ist mit dem, was der Senat ausgehandelt hat. Dann spricht man eben miteinander und findet Lösungen. Aber ohne uns zu informieren? Das finden wir sehr überraschend. Wir fragen uns, wer hier eigentlich nicht verlässlich ist. Wir hätten schon längst bauen können.

Tatsächlich?

Ja. Es gab auf einem Grundstück bereits 2013 einen Bauvorbescheid. Aber auf Wunsch des damaligen Senats haben wir uns entschieden, gemeinsam ein neues Konzept zu entwickeln. Der Schaden für uns ist enorm. Es geht aber nicht nur um die Quadratmeterverluste. Es sind wirtschaftliche Schäden entstanden – auch ein Reputationsschaden für unser Unternehmen ist möglich. Wir wissen bis heute offiziell noch gar nichts von der neuen Beschlusslage. Der Senat hat uns über seine geänderten Planungsabsichten nicht informiert. Um die Wirtschaftlichkeit des Projektes unter den neuen Vorzeichen zu berechnen, reichen keine Presseverlautbarungen. Dazu braucht es Planungsunterlagen. Es sind sehr viele Fragen offen.

Werden Sie das Projekt jetzt beerdigen?

Wenn die Möglichkeit besteht, dass das Vorhaben auch unter den neuen Voraussetzungen wirtschaftlich Sinn macht und wir den Verpflichtungen gegenüber unseren Partnern nachkommen können, werden wir das wohlwollend positiv bewerten. Aber das weiß ich wie gesagt noch nicht.

Schaffen Sie das denn rein zeitlich? Am 31. Januar endet Ihre Kaufoption für das Grundstück.

Wir werden Zeit brauchen. Der Senat muss uns zuerst einmal mitteilen, was genau seine Wünsche wirklich sind. Ich bezweifele ehrlich gesagt, dass wir alle Probleme bis Ende Januar lösen können.

Verstehen Sie den Wunsch des Landes, das Museum zum Kalten Krieg in einem eigenen Gebäude unterzubringen?

Das war auch immer unser Verständnis. Wir haben drei Jahre über den Plan für das Museum gesprochen und dabei auch das professionelle Know-how der Museumsbetreiber aus der Senatsverwaltung für Kultur einbezogen. Von Anfang an war das Museum das Herz unseres Projektes, sehr gut und plausibel geplant. Wir haben das weltweit renommierte Architektenbüro Ralph Appelbaum dazu geholt, um das Konzept zu bewerten. Das Büro war auch beim Design des Humboldt Forums verantwortlich. Das Museum wäre gut sichtbar gewesen auf dem westlichen Grundstück an dem Stadtplatz, der Eingang wäre herausgehoben worden. Alle Grundlagen waren gelegt, um eines der attraktivsten Museen Berlins zu schaffen.

Wenn sich das Vorhaben für Sie nicht mehr realisieren ließe, wie ginge es dann weiter?

Alle Optionen sind offen. Wir sind Inhaber der Grundschulden. Wir werden das aber nicht alleine entscheiden. Für alle unsere Finanzierungspartner ist die neue Entwicklung genauso ein Schock wie für uns.

Sehen Sie rechtlich eine Handhabe, gegen den Kurswechsel des Landes vorzugehen?

Wir werden das bestimmt prüfen. Wir sind bisher immer davon ausgegangen, dass wir gemeinsam als Partner mit dem Land Berlin agieren. Deshalb waren juristische Fragen für uns kein Thema. Das ist jetzt anders. Wir werden Juristen konsultieren. Aber der Zukunft des Checkpoint Charlie hilft das im Augenblick wenig weiter.

Und jetzt?

Wir werden weiter in Berlin aktiv sein und haben noch viel vor. Bislang hatten wir ausschließlich auf Bezirksebene gearbeitet. In Schöneberg, Mitte, Prenzlauer Berg, Friedrichshain. Die Bezirke wissen, dass wir unsere Pläne auch verlässlich realisieren. Mit einem Projekt, das auf Senatsebene angesiedelt ist, haben wir beim Checkpoint Charlie das erste Mal Erfahrungen gesammelt.

Wie hoch ist denn eigentlich das Investitionsvolumen am Checkpoint?

Das bisherige Konzept sah inklusive der Grundschuld von 90 Millionen knapp unter 350 Millionen Euro vor. Es hätte auch mehrere Hundert neue Arbeitsplätze in der Stadt geschaffen. Das ist ein beträchtlicher Betrag. Wir sind zwar nicht Siemens, sondern ein kleines Unternehmen. Aber das ist schon eine beachtliche Größenordnung.

Können Sie garantieren, dass kein schmutziges Geld im Spiel ist?

Wir haben keinen Zugang zu illegalen Kapitalquellen. Die ganzen Vorwürfe über Geldwäsche, Korruption oder Drogenhandel sind Unsinn. Der Senat hat uns geprüft, wir haben unsere finanzielle Struktur komplett vorgelegt. Wir haben bereits bei anderen Objekten mit dem Land Berlin als Mieter gearbeitet. Der Senat weiß also, mit wem er es zu tun hat. Die Kritik kam ja aus unterschiedlichen Quellen, die offenbar kurz vor der Entscheidung auf den Senat Druck ausüben sollten. Am 17. Dezember sollte der Vertrag zum Abschluss gebracht werden. Das, was wir in den vergangenen Tagen erlebt haben, war eine absolut irrationale Hexenjagd mit nicht belegbaren Vorwürfen. Ich bin in einer Demokratie aufgewachsen. Für mich gilt jemand als unschuldig, bis das Gegenteil bewiesen ist. Beweise dafür, dass wir schmutziges Geld investieren, habe ich bis heute nicht gesehen.

Und dennoch kam der Sinneswandel …

Uns wurde mehrfach bestätigt, wir machen das Projekt mit euch, weil ihr korrekt und sauber seid. So waren die Aussagen aus dem Senat bis Montagabend dieser Woche. Einen Tag, bevor der neue Plan nicht etwa uns, sondern öffentlich nach der Senatssitzung präsentiert wurde. Ich kann nicht sagen, welche wirtschaftlichen, ideologischen oder politischen Interessen dahinterstecken, dieses Projekt zu sabotieren.

Kritik kam auch, weil Sie mit undurchsichtigen Firmengeflechten und Finanzgebern in Zypern arbeiten, das als Steueroase gilt.

Niemand aus unserem Unternehmen kommt aus einer Steueroase. Zypern ist Mitglied der Europäischen Union und kein Steuerparadies. Es ist unter Projektentwicklern üblich, die einzelnen Vorhaben voneinander abzugrenzen in separate Objektgesellschaften. Denn es gibt Verpflichtungen, die sich nur auf das eine Objekt beziehen, wie Bankfinanzierungen, Architektenleistungen und so weiter. In diesem Fall kommt hinzu, dass wir nicht Eigentümer der Grundstücke sind, sondern nur die Grundschulden daran erworben haben. Deshalb haben wir nicht vom Tag eins an eine übliche Hypothekenfinanzierung anbringen können. Wir mussten mit einer Mischung aus Eigenkapital und Fremdkapital an den Start gehen. Dafür haben wir Freunde und Partner gebeten, mit uns zu investieren. Die Hypothekenbank wäre in der zweiten Phase, dem Bau, eingestiegen. Es ist normal, auf diese Weise das Kapital zu sammeln. Auch Fonds arbeiten so, sammeln Geld bei Versicherungen und Pensionskassen ein. Auch das Land Berlin finanziert seine Schulden so, verkauft Anleihen an Fonds und Pensionskassen.

Sie haben aber eben keine Pensionskasse als Finanzgeber, sondern Partner, denen familiäre Verbindungen zum inzwischen verstorbenen Staatschef von Turkmenistan nachgewiesen wurden, der zu Lebzeiten Staats­gelder ins Ausland geschafft hat.

Vladimir Sokolov: Mit diesem Partner bin ich gemeint, deshalb war es mir wichtig, auch an diesem Gespräch teilzunehmen. Die in verschiedenen Zeitungen gemachten Vorwürfe haben mich und meine Familie schwer getroffen. Dabei hat das Ganze überhaupt nichts mit meiner Familie zu tun. Alles Geld, das ich hier investieren will, habe ich mir selbst erarbeitet. Es stammt aus meiner mehr als 20-jährigen Tätigkeit als Banker in London. Ich habe mein Einkommen dort immer korrekt versteuert. Das kann man nachprüfen, da ist nichts Heimliches dran. Das hat doch überhaupt nichts mit meiner Familie zu tun. Mein Schwiegervater ist bereits vor zwölf Jahren verstorben!

Werden Sie dem Druck nachgeben und sich zurückziehen?

Ich halte zu dem Unternehmen Trock­land. Auch im Projekt sehe ich eine Zukunft. Es ist übrigens in all den Jahren, in denen ich mich an der Finanzierung verschiedenster Projekte beteiligt habe, niemals Thema gewesen, dass ich über meine Heirat mit dem 2006 verstorbenen turkmenischen Staatschef verwandt bin. Jetzt scheint das plötzlich ein enormes Problem zu sein.

Wie erklären Sie sich das?

Es ist doch ein durchsichtiger Versuch, um das ganze Projekt zu stoppen. Und weil man nichts gefunden hat, war eben meine Familie dran. Ich kann aber nicht sagen, wer dahintersteckt und welche Gründe hier eine Rolle spielen.

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