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Tierpark Berlin

Eisbärenbaby wird ständig überwacht

Dem neugeborenen Eisbärenbaby im Berliner Tierpark geht es gut. Mama Tonja kümmert sich liebevoll um den Winzling.

Eisbärin Tonja ihrem Nachwuchs

Foto: Zoo Berlin

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Berlin. er beste Platz ist unter dem Arm von Eisbären-Mama Tonja. Das hat das Eisbärenbaby bereits herausgefunden. Am liebsten liegt es in der Achselhöhle und ist dann gar nicht mehr auf dem Überwachungsmonitor zu sehen. „Aber zu hören“, sagt Zoo- und Tierparksprecherin Christiane Reiss. Die Schmatzgeräusche vom Trinken sind mittlerweile laut und regelmäßig. Aber auch wenn sich Eisbärenmutter Tonja kurz ein paar Schritte entfernt, „ist das Geschrei groß“. So lange bis Tonja zurückkommt und es sanft in ihre große Tatze nimmt.

Alles wird akribisch aufgezeichnet. Keine Sekunde bleibt Berlins Eisbärenbaby unbeobachtet. In der Wurfhöhle sind mehrere Kameras installiert. Im vergangenen Jahr mussten Zoo- und Tierparkdirektor Andreas Knieriem und Eisbären-Kurator Florian Sicks noch ins Büro kommen, um die Kamerabilder aus der Wurfhöhle auszuwerten. Diesmal können sie jederzeit live dabei sein, mit dem Handy, dem Laptop, auch von zu Hause aus.

Das Eisbärenbaby hatte einen tot geborenen Zwilling

Florian Sicks hatte das neugeborene Eisbärenbaby am 1. Dezember früh um sieben Uhr zu Hause auf dem Bildschirm entdeckt. Den ganzen Tag wachte er dann darüber, wann es endlich richtig zu trinken anfängt. Denn anfangs tat sich das Jungtier schwer damit. Erst suchte es die Zitzen, dann konnte es nicht richtig andocken und rutschte immer wieder ab. Am Abend gegen 21 Uhr konnte der Kurator endlich regelmäßige Schmatzgeräusche vernehmen. Es sei für ihn eine riesige Erleichterung gewesen, erzählt Sicks.

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Das ist gut zu verstehen. Denn was erst jetzt bekannt wurde: Auch dieses Eisbärenbaby hatte einen Zwilling. Am Freitagabend, gegen 22 Uhr, sei bereits ein Jungtier geboren worden, sagt Christiane Reiss. Es habe aber weder Geräusche gemacht noch sich bewegt. Deshalb gehe man davon aus, dass es tot geboren wurde. Wie in freier Natur fresse die Mutter tote Junge aus Instinkt auf, um Keime und Infektionen in der Wurfhöhle zu vermeiden. Etwas mehr als vier Stunden später sei dann das zweite Jungtier geboren worden, das sich sofort bemerkbar gemacht hat.

Anfang November hatte sich die neun Jahre alte Tonja in ihre Wurfhöhle zurückgezogen. Am Schluss schlief sie 22 Stunden pro Tag. Anders am Tag vor der Geburt. „Da wurde sie auf einmal unruhig“, erzählt der Kurator. Sie habe im Holzeinstreu gescharrt und die Späne von der einen auf die andere Seite geschoben, als ob sie ein Nest vorbereiten wollte. Eindeutige Vorzeichen für die Geburt, die sich dann auch bestätigten. Der Tierpark legt großen Wert darauf, dass die Geburten ohne menschliche Hilfe stattfinden. Auch in den ersten Wochen der Aufzucht soll sich noch keiner einmischen.

Besucher können die Eisbären im Moment nicht sehen

Zu der Aufzucht mit der Flasche, wie im Jahr 2006 bei Eisbär Knut im Berliner Zoo, sagt Christiane Reiss: „Über eine Handaufzucht machen wir uns aktuell keine Gedanken. Tonja kümmert sich vorbildlich um ihr Jungtier. Sollten wir feststellen, dass das Jungtier unsere Hilfe benötigt, werden wir helfen.“ Wie genau das aussehen werde, solle situativ beurteilet werden. Die ersten zehn Tage gelten bei Eisbären, die sehr unreif in Meerschweinchengröße auf die Welt kommen, als besonders kritisch. „Wir überwachen natürlich deshalb so genau, weil wir wollen, dass es klappt“, sagt Christiane Reiss. Gestört werden sollen Eisbärin Tonja und das Baby in den nächsten Wochen bewusst nicht. Sie sind auch für Tierpark-Besucher nicht zu sehen. Im natürlichen Lebensraum verlassen Eisbärenmütter mit ihren Jungen im Frühjahr die Wurfhöhle. Geht alles gut, wird der Nachwuchs erst nächstes Jahr im Tierpark zu sehen sein.

Für Tonja ist das Junge, das jetzt zur Welt kam, der dritte Wurf in drei Jahren. Ihre ersten Jungtiere starben nach wenigen Wochen oder Monaten. Das ist in freier Natur oft nicht anders. Geschätzt die Hälfte des Eisbären-Nachwuchses kommt nicht durch.

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