Reaktion

Nach Berlin-Kritik: Ramona Pop greift Boris Palmer an

"Wenn Du Metropole, Vielfalt, Tempo und Lebenslust nicht erträgst, kannst Du woanders die Kehrwoche zelebrieren", so Pop.

Ramona Pop geht mit Boris Palmer hart ins Gericht

Ramona Pop geht mit Boris Palmer hart ins Gericht

Foto: dpa Picture-Alliance / Britta Pedersen / picture alliance / Britta Peders

Berlin. Nach der Berlin-Schelte von Boris Palmer zu Missständen in der Bundeshauptstadt hat Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) auf die Kritik von Tübingens Oberbürgermeister reagiert. "Lieber Boris Palmer, niemand zwingt Dich, nach Berlin zu kommen", schrieb sie beim Kurznachrichtendienst Twitter. "Wenn Du Metropole, Vielfalt, Tempo und Lebenslust nicht erträgst, kannst Du woanders die Kehrwoche zelebrieren und Dich als Hilfssheriff blamieren."

Auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) äußerte sich am Dienstag zu Palmers Aussagen. „Wir sind eine Fast-Vier-Millionen-Stadt, da gibt es besondere Probleme, Anforderungen und Dynamiken, die wird man in eher dörflichen Strukturen, in denen Herr Palmer arbeitet, eher nicht finden“, so Müller. Er betonte, er wolle die Herausforderungen nicht schön reden. „Aber ein Generalangriff auf die Hauptstadt Berlin ist weder sachgerecht noch parteipolitisch zu erklären, schließlich regieren ja die Grünen in Berlin mit. Das ist eine ewig gestrige Diskussion, die keinem weiter hilft."

Berlins CDU-Fraktionschef Burkard Dregger lud Palmer in die Hauptstadt ein. „Es ist ein Alarmsignal, wenn Berliner und unsere Besucher sich zunehmend unsicher fühlen in unserer Stadt", so Dregger. Palmer hatte gesagt, er komme mit der Mischung aus Kriminalität, Drogenhandel und bitterer Armut in Berlin nicht klar. Wenn er nach Berlin komme, denke er sich: "Vorsicht, Sie verlassen den funktionierenden Teil Deutschlands".

Laut Dregger sei das "eine Ohrfeige gegen Senat und Koalition, vor allem aber gegen seine mitregierenden Grünen-Parteifreunde in unserer Stadt. Wir dürfen nicht zulassen, dass Berliner Angst haben, dass unsere Gäste sich unsicher fühlen oder verschreckt werden. Das wirft kein gutes Licht auf unsere Stadt."

Die Berliner CDU-Fraktion und Dregger wollten Palmer daher "gern bei einem seiner nächsten Berlin-Besuche unsere Strategien vorstellen, um die tatsächliche und gefühlte Sicherheit zu verbessern." Gleichzeitig forderte er den Senat auf, bei einer Umfrage unter Berlinern und Besuchern abzufragen, wie sicher sie sich in Berlin fühlen.

FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja fasste sich kürzer. Ebenfalls auf Twitter fragte er trocken: „Wer ist dieser Boris Palmer?“ Der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Frank Zimmermann, zeigte sich überrascht über Palmers Zitate. „Herr Palmer hat keine Ahnung von Berlin, er kennt sich hier nicht aus. Und weil das so ist, sollte er sich mit solchen Aussagen lieber zurückhalten.“

Anders sah es Karsten Woldeit, der innenpolitische Sprecher der AfD-Fraktion. „Herr Palmer hat völlig recht“, sagte er. „Er zählt zu den wenigen bei den Grünen, der die Dinge anspricht. Es geht ihm ganz offensichtlich nicht darum, Berlin schlecht zu reden – sondern darum, mit Blick von außen auf Probleme hinzuweisen. Linken-Innenpolitiker Hakan Tas: „Herr Palmer scheint Interesse daran zu haben, innerhalb der Partei der Grünen Karriere zu machen, wenn er so etwas von sich gibt. Bevor er es das nächste Mal tut, sollte er sich vielleicht aber einmal beim innenpolitischen Sprecher der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus erkundigen. Dann wüsste er, dass Berlin kein Sicherheitsproblem hat.“

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