Schießstand-Affäre

Geisel sagt Treffen mit Schießstand-Betroffenen ab

Der Berliner Innensenator Andreas Geisel (SPD) sagte das Treffen, das diesen Montag stattfinden sollte, kurzfristig ab.

Das Treffen sollte diesen Montag stattfinden

Das Treffen sollte diesen Montag stattfinden

Foto: picture alliance / dpa

Berlin. Ein Treffen von Betroffenen in der Schießstand-Affäre und des Berliner Innensenators Andreas Geisel (SPD) ist kurzfristig geplatzt. Geisel sagte das Treffen, das diesen Montag stattfinden sollte, kurzfristig am vergangenen Freitag ab. Als Grund nannte er zu viele Teilnehmer, die offenbar zu dem Gespräch kommen wollten. Einen zweiten von Geisel vorgeschlagenen Termin im Januar lehnen die Betroffenen, die sich im Verein „B.I.S.S.“ organisiert haben, ab. Zuerst hatte die B.Z. darüber berichtet.

In einer Mail an den Verein, die der Berliner Morgenpost vorliegt, schreibt Geisel: „Ich möchte Ihnen mitteilen, dass wir unser für Montag geplantes Treffen verschieben müssen“. Er bitte um Verständnis für die Kurzfristigkeit der Absage. „Ich bin sehr an einem persönlichen Gespräch mit Ihnen interessiert und hatte entsprechend Zeit dafür eingeplant“.

Die Absage begründet Geisel damit, dass er mit einem Treffen im kleinen Kreis gerechnet habe, bei dem ein „persönliches, vertrauensvolles und kritisch-konstruktives Gespräch“ möglich sei. „ Ich bin überzeugt davon, dass dies in der von Ihnen für Montag geplanten Form nicht möglich ist“, schreibt Geisel weiter. „Wir vereinbaren einen neuen Termin, an dem von Ihrer Seite bis zu 20 Personen teilnehmen, die Sie aus Ihren Reihen bestimmen. Dies garantiert meiner Überzeugung nach ein Gesprächsklima, das der Ernsthaftigkeit des Themas angemessen ist“. Als Vorschlag nennt Geisel den 17. Januar. „In einem später stattfindenden Termin hätte ich zudem die Möglichkeit, Ihnen die Ergebnisse der Charité-Studie vorzustellen, die zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vorliegt“, so Geisel weiter.

Betroffene sind verärgert

Viele Betroffene sind nun verärgert, weil der Gesprächswunsch schon lange vorhanden ist. „Der Innensenator hat auch keine Probleme damit, sich auf die Stufen vor die Klosterstraße (dort sitzt die Innenverwaltung, d. Red) zu stellen und seine Erkenntnisse in den Amri-Ermittlungen kund zu tun. Jetzt sind ihm mehr als 20 betroffene Schießtrainer aber zu viel“, sagte ein Beamter der Berliner Morgenpost. Es gibt Schätzungen, dass bis 1500 Beamte von dem Schießstand-Skandal betroffen sind, also giftige Dämpfe auf den Schießständen eingeatmet haben könnten.

Erst kürzlich waren zwei Schießtrainer an Krebs gestorben. Es besteht der Verdacht, dass die Schadstoffbelastung in den Schießständen die Krankheit ausgelöst, zumindest aber deren Entstehung erheblich begünstigt hat. Ob es einen Zusammenhang gibt, soll unter anderem eine Studie der Charité klären. Ergebnisse sollen diesen Dezember vorgelegt werden.

„Durch die sehr kurzfristige Absage ist das Tischtuch erst einmal zerschnitten“, sagte der Ex-SEK-Beamte und BISS-Vorstand Karsten Loest, der Berliner Morgenpost. Es sei nie von einer Begrenzung der Teilnehmerzahl die Rede gewesen. Organisiert wurde das Treffen von der SPD-Abgeordneten Clara West. Gegenüber der Berliner Morgenpost wollte West sich nicht äußern.

Bund Deutscher Kriminalbeamter über Absage verwundert

Verwunderung über die Absage kommt auch vom Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK). BDK-Vorstand und Sprecher für die Causa Schießstände, Michael Böhl, sagte der Berliner Morgenpost: „Die Absage des Treffens durch Innensenator Geisel ist unglücklich. Man hat hier eine Chance vertan. Die aktuelle Situation schürt Ungewissheit und Wut. Wir können den B.I.S.S. e.V. verstehen. Es wäre aber gut, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.“

Marcel Luthe, innenpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin, kommentierte die Gesprächsabsage so: „Versprechen, Abwarten, Vertagen - und gelegentlich falsche Zahlen präsentieren: diesbezüglich hat die Koalition einen klaren innenpolitischen Kurs. Angesichts von dreizehn Betroffenen, die alle weit vor der durchschnittlichen Lebenserwartung verstorben sind, und vielen hundert offenbar Vergifteten, muss sich der Senat endlich zu seiner Verantwortung bekennen und diese sowohl intern ermitteln als auch durch die Staatsanwaltschaft endlich aufklären. Das schulden Senat und wir alle den Beamten."

Seit 2016 ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen mutmaßlich Verantwortliche für die gesundheitsgefährdenden Zustände, unter den Beschuldigten ist auch die damalige Polizeivizepräsidentin und heutige Generalstaatsanwältin Margarete Koppers. Zivilklagen wurden bislang offenbar nicht erhoben, Betroffene wollen zunächst abwarten, welche Leistungen sie aus dem vom Senat eingerichteten Fürsorgefonds erhalten. Zum Jahresende seien aber wohl Schritte nötig, um eine Verjährung der Ansprüche zu verhindern, sagte ein BISS-Sprecher kürzlich.

Rückendeckung bekommt der Innensenator hingegen von der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Deren Sprecher Benjamin Jendro sagte: „Wir können die Absage nachvollziehen, weil ein sachlich differenziertes Gespräch in der gewünschten Konstellation nahezu unmöglich sein wird. Dennoch ist die Art und Weise mehr als unglücklich. Herr Geisel weiß, dass die Kollegen seit Jahren auf Antworten warten, die sie verdient haben und man viel zu lange auf Zeit gespielt hat, bisher sehr wenig passiert ist.“ Es sei klar, dass sie die Chance, ihn direkt zu sprechen und zu konfrontieren, zahlreich wahrnehmen würden. „Es wäre ein Kompromiss, das Gesprächsangebot mit 20 Kollegen anzunehmen, wenn der Innensenator verspricht, zeitnah eine Infoveranstaltung für alle Interessierten anzubieten“, so Jendro weiter.

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