Berlin-Neukölln

Stadtrat gegen umstrittenes Kita-Heft zu Rechtsextremismus

In der Broschüre wird anhand von Fallbeispielen erläutert, wie Erzieher problematische Elternhäuser erkennen und handeln können.

Blick in eine Kindertagesstätte (Archivbild)

Blick in eine Kindertagesstätte (Archivbild)

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Berlin. Im Streit um eine Broschüre für Erzieher zum Umgang mit Rechtspopulismus hat der Berliner Bezirk Neukölln von der Nutzung abgeraten. Der CDU-Jugendstadtrat Falko Liecke teilte am Freitag im Namen des Bezirksamtes mit: „Die Broschüre will Vorurteile bekämpfen, vermittelt sie aber selbst.“ Es sei nicht Aufgabe von Erziehern, die politische Gesinnung der Eltern zu überprüfen.

Die 60-seitige Broschüre „Ene, mene, muh – und raus bist du“ stammt von der Amadeo Antonio Stiftung, die sich gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus engagiert. Unterstützt wurde sie von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD), die früher Bezirksbürgermeisterin in Neukölln war.

Im Bundestag hatte es von der CDU Kritik an der Broschüre gegeben. Moniert wurden unter anderem ein Fallbeispiel über ein Mädchen mit Zöpfen, Röcken und Vorlieben für Handarbeit und Disziplin und ihren Bruder, der körperlich gedrillt werde. Im nächsten Schritt des Fallbeispiels stellen sich die Eltern als völkisch gesinnt heraus. Unmittelbar vor dem Fallbeispiel wird zudem auf eine Broschüre verwiesen, die Hinweise nicht nur für das Erkennen nationalsozialistischer Symbole, sondern auch des "Lifestyles von Neonazis und extrem Rechten" eingegangen.

„Das ist abstoßend, kontraproduktiv und entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage“

Liecke bemängelte eine „einseitige Fixierung auf rechtsradikale Elternhäuser“ und fügte hinzu: „In Neukölln sehen wir eher ein Problem mit religiösem Extremismus, wenn Kinder beispielsweise zum Tragen des Kopftuches genötigt oder Zwangsehen schon im Kindesalter arrangiert werden. Auch die Indoktrination durch Linksextremisten ist eine Gefahr.“

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“: „Hier wird zu einer Gesinnungsschnüffelei aufgerufen, wie sie zuvor der AfD wegen ihres „Lehrer-Prangers" vorgeworfen worden war.“ Mit fragwürdigen Kategorien werde ein „völkischer Typus“ kreiert, „das ist abstoßend, kontraproduktiv und entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage“.

Der CSU-Bildungspolitiker im Bundestag, Albert Rupprecht, sagte der „NOZ“: „Hier liegt ein politischer Missbrauch von Erzieherinnen und Erziehern vor, der sofort beendet werden muss.“

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