Bildung

Alle Berliner Schulen sollen Wlan erhalten

Berlin wird vom Digitalisierungspakt des Bundes profitieren. Auch wenn noch nicht alle Fragen etwa zur Datensicherheit geklärt sind.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) lässt sich von Schülerinnen  das Programmieren von Robotern erklären.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) lässt sich von Schülerinnen das Programmieren von Robotern erklären.

Foto: imago stock / imago/snapshot

Berlin.  Die Frage, wie es um Berlins Schulen in Sachen Digitalisierung steht, ist nicht ganz einfach zu beantworten. So klagte vor Kurzem die Leiterin eines großen Oberstufenzentrums öffentlich: Sie habe für ihre 2300 Schüler den Internet­anschluss eines Vier-Personen-Haushalts. Das Otto-Nagel-Gymnasium in Marzahn-Hellersdorf erhielt dagegen gerade die Auszeichnung als „Digitale Schule“. Hier läuft alles im Unterricht mit Laptop, alles „kreidefrei“. Kein Problem – man hat ja Breitbandanschluss. Die Eltern hatten den anfangs selbst finanziert.

Zwei Antworten, zwei Realitäten – das ist Berlin. Klar ist, es gibt in Berlin einen „Digitalisierungsstau“ in den Schulen. Abwechselnd verlangen verschiedene Parteien, den nun endlich aufzulösen. FDP, CDU, zuletzt die Grünen. Wlan für alle Schulen lautet die Forderung. Die Chance ist nun da.

Berlin wird vom Digitalisierungspakt des Bundes profitieren, man rechnet mit rund 255 Millionen Euro für die kommenden fünf Jahre. Das wären rund 51 Millionen Euro pro Jahr für Berlins Schullandschaft. Die Eigenfinanzierung durch die Länder kommt noch hinzu – die müssen sich nämlich am Digitalpakt beteiligen. Dazu kommt noch die Co-Finanzierung durch das jeweilige Bundesland, deren Höhe noch festgelegt werden muss.

Die Ausstattung ist Sache des Schulträgers

Natürlich ist die Infrastruktur wichtig. Bei der letzten Sitzung des Schulausschusses im Abgeordnetenhaus berichtete Bildungsstaatssekretär Mark Rackles, man habe es geschafft, nun auch Berlin in die Breitbandinitiative des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur aufzunehmen. Das Internet wird also schnell an Berlins Schulen, überall. Denn schon jetzt melden manche Bezirke zurück, alle ihre Schulen seien mit Breitbandinternet ausgestattet – wie Pankow oder Tempelhof-Schöneberg. In anderen Bezirken sieht es dagegen schlechter aus. Schließlich ist die IT-Ausstattung und -Infrastruktur Sache des Schulträgers. Und diese sind bei den öffentlichen Schulen nun mal die Bezirke.

Digitale Infrastruktur ist die eine Sache. Aber mit welchen Geräten will man in den Klassenzimmern arbeiten? Sollte man überhaupt Computer, also „Hardware“ anschaffen, die dann in wenigen Jahren veraltet sind? Oder doch lieber mit den Geräten arbeiten, die die Schüler eh mit in den Unterricht bringen? Inzwischen ist ja jedes Smartphone ein kleiner Computer.

Und da ist noch die Frage der Sicherheit. Ein offenes Wlan kann sich keine Schule leisten, denn Fremde könnten ins Netz eindringen, womöglich den Unterricht lahmlegen. Schon deshalb bestehen an Berlins Schulen „zwei physikalisch getrennte Datennetze“. Einmal für die Verwaltung der Schulen, also für Leiter, Lehrer, Sekretariat. Will man alles digital, sind es auch die Schulakten. Hier finden sich also bald viele vertrauliche Informationen.

Als Zweites gibt es den „edukativen“ Teil des Netzes: alles, was im und für den Unterricht gebraucht wird. In diesem Bereich arbeiten Schüler und Lehrer zusammen. So heißt es im Unterricht beispielsweise: „Klickt euch unter folgender Adresse auf die Plattform, dort habe ich Aufgaben für euch vorbereitet.“ Die Schüler arbeiten dann mit ihren Laptops die Aufgaben ab.

Private Wirtschaft gewinnt Einfluss auf Schulen

Was sich hier schon andeutet: Mit der Digitalisierung gewinnt die private Wirtschaft großen Einfluss auf die Schulen. Siemens-Stiftung, Bertelsmann-Stiftung, Robert-Bosch-Stiftung, Telekom-Stiftung, sie alle mischen beim Update der Schulen Deutschlands und Berlins kräftig mit.

„Nach der IT-Ausstattungsstatistik nutzen zurzeit 530 Schulen in bezirklicher Trägerschaft den Telekom@School-Anschluss“, heißt es in der Antwort auf eine aktuelle Anfrage der Grünen zum Wlan-Stand an Berliner Schulen. Das sind fast 70 Prozent der Einrichtungen. Wer die Schüler, die kommende Generation, an sich als Marke gewöhnen will, kann es nun über das Klassenzimmer machen. Darum werden verlockende Digital-Angebote von Schulversionen gemacht, die umsonst oder preiswert sind.

In Berlin hat man deshalb „Lernraum Berlin“ entwickelt, eine Plattform für Lehrer und Schüler, ein digitales Klassenzimmer sozusagen. Das Angebot kommt direkt von der Senatsverwaltung für Bildung. Ob „Leseprojekt Französisch“ oder das „Mathe-MSA“ als Selbsttest. Alles möglich. Doch wie sagte eine jüngere Lehrerin vor Kurzem: „Das nutzen nur ältere Kollegen. Mir ist das zu umständlich.“

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