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Arbeitslosenquote in Berlin ist auf dem Tiefstand

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Ein Handwerker bei der Arbeit

Ein Handwerker bei der Arbeit

Foto: pa

Ohne Job sind 7,6 Prozent. Gleichzeitig steigen die Löhne. Aber es gibt Probleme bei tausenden Schulabgängern.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) und der Chef der Regionaldirektion der Arbeitsagentur Bernd Becking feierten am Donnerstag neue Rekorde: Im Oktober war die Zahl der Arbeitslosen in Berlin erstmals seit der deutschen Einheit unter die Marke von 150.000 gefallen. Bereits im September hatte die Hauptstadt zudem erstmals mehr als 1,5 Millionen Beschäftigte verzeichnet. „Wir befinden uns in einer historisch guten Situation“, sagte Müller angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung in Berlin. Die Arbeitslosenquote liegt derzeit bei 7,6 Prozent. 2014, als Müller Regierungschef wurde, lag der Anteil der Personen ohne Arbeit noch bei elf Prozent.

50.000 Jobs wurden zuletzt von den Unternehmen in der Stadt neu geschaffen. In Berlin entstanden neue Arbeitsplätze vor allem in den Bereichen Information und Kommunikation, in der Bau- und Immobilienwirtschaft sowie im Bereich Erziehung und Unterricht. Die Firmen suchen vor allem gut ausgebildete Fachkräfte. Arbeitsplätze in Berlin sind deswegen immer besser bezahlt. Die Stadt hole im bundesweiten Vergleich auf, sagte Becking. Derzeit verdient ein durchschnittlicher Berliner Arbeitnehmer 3120 Euro Bruttolohn im Monat. Der Durchschnittsverdienst in Deutschland sei nur noch 90 Euro höher.

Insbesondere für gut ausgebildete Menschen waren die Chancen auf dem Arbeitsmarkt wohl nie besser. Derzeit seien rund 5000 ausgebildete Fachkräfte arbeitslos gemeldet, so Becking. Demgegenüber steht ein Angebot von 15.000 offenen Stellen in Berlin. Die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) sprechen sogar von derzeit rund 50.000 fehlenden Fachkräften in der Hauptstadtregion.

Müller will Jugendliche an die Hand nehmen

Gleichzeitig fällt es ungelernten Arbeitskräften immer schwerer einen Job zu finden. Etwa 69.000 Arbeitslose in Berlin haben keine abgeschlossene Berufsausbildung, verdienen im besten Fall mit Hilfstätigkeiten ihren Lebensunterhalt. Allerdings gebe es derzeit nur 5000 offene Stellen in diesem Bereich, sagte Becking. „Wer heute keinen Berufsabschluss hat, hat eine schlechte Perspektive für die weitere Lebensführung“, so der Regionalchef.

Der jüngste Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt ist deswegen auch nicht bei allen Berlinern gleich stark angekommen: Eine Baustelle ist die noch immer hohe Jugendarbeitslosigkeit. 2014 waren laut Arbeitsagentur rund 4000 junge Berliner unter 20 Jahren arbeitslos gemeldet, auch 2017 waren es noch 3500. Die Jugendberufsagentur, die sich um Problemfälle wie Schul- und Ausbildungsabbrecher kümmern soll, setze zu spät an, beklagte Müller. „Wir müssen in der frühen Ansprache besser werden und Jugendliche an die Hand nehmen, damit sie gar nicht erst in ein Loch fallen und am Ende ohne Abschluss dastehen“, sagte Müller. Um Jugendlichen berufliche Chancen aufzuzeigen, will Müller auch Patenschaften mit Schulen weiter ausbauen, kündigte er an.

Firmen in Berlin bräuchten die jungen Menschen dringend. Fachkräfte fehlten in zahlreichen Bereichen, so UVB-Hauptgeschäftsführer Christian Amsinck. Engpässe gebe es vor allem in Handwerk, Pflege, Lebensmittelhandel und Energietechnik. In den Branchen dauere es im Schnitt fünf Monate, bis ein freier Arbeitsplatz besetzt sei. Hoffnungen setzt die Hauptstadt-Wirtschaft vor allem in das neue Fachkräfte-Einwanderungsgesetz, an dem die Bundesregierung derzeit arbeitet.

Unternehmen in Berlin hoffen auch darauf, weitere Langzeitarbeitslose in den Arbeitsmarkt integrieren zu können. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Menschen, die ein Jahr und länger arbeitslos sind, zwar halbiert. Dennoch zählen noch immer gut 49.000 Berliner zur Gruppe der Langzeitarbeitslosen. „Für die Menschen, die von dieser Dynamik bisher noch nicht profitieren konnten, bietet das Teilhabechancengesetz nun eine neue Beschäftigungsperspektive“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Jan Eder. Ab 2019 können Firmen, die Langzeitarbeitslose einstellen, zusätzlich gefördert werden. Mit Blick auf den von Müller geplanten Modellversuch zum solidarischen Grundeinkommen sagte Eder, Berlin solle sich nicht in regionalen Sonderprojekten verkämpfen.