Verkehr in Berlin

Deutsche Bahn macht Tempo bei der Siemensbahn

2019 will der Konzern einen Plan vorlegen, wann auf der 1980 stillgelegten Strecke wieder S-Bahnen fahren können.

S Bahnstation Wernerwerk Siemensstadt

S Bahnstation Wernerwerk Siemensstadt

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Berlin.  Der Eingang ist vergittert und mit Stahlblechen bewehrt, im Treppenaufgang dahinter türmen sich Schutt und Unrat. Auch der Bahnsteig bietet ein Bild des Jammers. Das Aufsichtshäuschen ist demoliert, das Dach verrottet. Die Schienen sind längst abgebaut Wer den S-Bahnhof Wernerwerk am Siemensdamm betritt, bekommt eine leise Ahnung von der Herkulesaufgabe, die 1980 stillgelegte Siemensbahn wieder in Betrieb nehmen zu wollen.

Genau dieses Vorhaben wollen der Berliner Senat und die Deutsche Bahn nach rund 40 Jahren Dornröschenschlaf nun ernsthaft angehen. Hintergrund ist die Zusage des Siemens-Konzerns, auf dem ausgedehnten Werksgelände in Spandau rund 600 Millionen Euro in einen Zukunfts-Campus zu investieren. In Siemensstadt sollen nicht nur zahlreiche neue innovative Arbeitsplätze, sondern auch Wohnungen entstehen. Vor diesem Hintergrund sagte der Senat gemeinsam mit der Bahn eine Prüfung zu, ob und wie schnell die einstige S-Bahnverbindung wieder in Betrieb genommen werden kann.

„Ich habe den Eindruck, dass alle den Willen dazu haben“, sagte der Bahn-Bevollmächtigte für Berlin, Alexander Kaczmarek, am Dienstag in Siemensstadt. Zuvor hatte es bereits ein Treffen mit Vertretern des Eisenbahn-Bundesamtes sowie des Denkmalschutzes gegeben. Von beiden Behörden dürfte es maßgeblich mit abhängen, wie schnell die knapp fünf Kilometer lange Bahntrasse reaktiviert werden kann. Der große Vorteil: Trotz mehrfacher Versuche der Bahn ist die Strecke nicht für den Eisenbahnverkehr entwidmet. Es besteht also Bestandsschutz. Ein langwieriges und teures Planfeststellungsverfahren ist zumindest für den größten Teil der Trasse daher nicht erforderlich.

Allerdings: Baulich muss an der im Dezember 1929 eröffneten Strecke eine Menge getan werden, bevor dort wieder Züge fahren können. Daher will die Bahn zunächst Fachleute für eine genaue Bestandsaufnahme beauftragen. Sie sollen unter anderem den Zustand des Bahndamms, der Bahnhöfe und vor allem der Viadukte einschätzen. Um den Verkehr auf dem Werksgelände möglichst nicht zu stören, ist fast die gesamte Strecke als Hochbahn errichtet worden. Die Stahlkonstruktionen stehen heute unter Denkmalschutz. Ein Ersatzneubau könnte teuer werden.

Wie hoch der Finanzbedarf am Ende sein wird, lasse sich seriös erst nach der Bestandsaufnahme sagen, wehrte der Bahn-Manager entsprechende Nachfragen ab. Sein Zeitplan sieht vor, bis Ende nächsten Jahres dem Senat einen konkreten Vorschlag zum Wiederaufbau der Siemensbahn einschließlich einer Kostenkalkulation zu unterbreiten. Das Geld müsste dann wohl das Land aufbringen. Über die vom Bezirk Spandau geforderte Verlängerung der Bahnstrecke bis nach Gartenfeld, wo zahlreiche neue Wohnungen stehen sollen, ist noch nicht entschieden. „Pläne dafür gab es aber schon in den 20er-Jahren“, sagte dazu Kaczmarek.

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