Stromeinkauf

Berlin zahlt verschiedene Preise für seinen Strom

Opposition sieht Sparpotenzial von mehreren Millionen Euro. Die Wirtschaftsverwaltung verweist auf das Vergabegesetz.

Stromausfall an der Frankfurter Allee (Archivbild)

Stromausfall an der Frankfurter Allee (Archivbild)

Foto: Christophe Gateau / dpa

Berlin. Die gute Nachricht vorweg: Berlins öffentliche Hand hat im vergangenen Jahr weniger Strom verbraucht als 2016. Insgesamt sank der gemessene Stromkonsum von Polizei, Feuerwehr, Bezirksämtern und Co. um 2,7 Prozent auf rund 772.005 Megawattstunden im Jahr. Das entspricht dem, was 193.000 Vier-Personen-Haushalte in Einfamilienhäusern ohne Warmwasserboiler benötigen. Die schlechte Nachricht: Trotz des Rückgangs sind die Ausgaben um 2,6 Prozent gestiegen. Grund dafür sind die teurer gewordenen Strompreise. Während Berlin 2016 noch rund 139,8 Millionen Euro für Strom aufwendete, waren es 2017 knapp 143,4 Millionen Euro.

Das belegt eine noch unveröffentlichte Senatsantwort auf eine parlamentarische Anfrage des FDP-Politikers Marcel Luthe, der erhebliches Einsparpotenzial beim Stromeinkauf sieht. Die öffentliche Hand kauft ihren Strom nämlich nicht gebündelt ein, bezieht ihn nicht von ein und demselben Unternehmen. Stattdessen schreibt der Senat acht verschiedene Vergabelose aus, auf die sich die Stromanbieter bewerben können: Der Stromeinkauf für die öffentliche Beleuchtung wird etwa gesondert vergeben, genauso gibt es ein Los für den Strom, den Kultur- und Sporteinrichtungen verbrauchen.

Da die Stromfirmen bei jedem Los einen anderen Preis aufrufen können, ergeben sich in der Folge stark schwankende Durchschnittskosten für die zehn Abnehmer-Gruppen in Berlin: Während sonstige öffentliche Einrichtungen, zu denen etwa der Zoo, die Bäderbetriebe und die Stadtreinigung BSR zählen, im Schnitt 16,3 Cent pro Kilowattstunde zahlen, müssen die Kitas im Eigenbetrieb für ihren Strom im Schnitt 23,5 Cent je Kilowattstunde hinblättern. Die Polizei zahlte im Schnitt 18,9 Cent, die Feuerwehr 20,8 Cent.

Senatsverwaltung verweist auf strenges Vergabegesetz

Für Luthe deutet das auf große Unterschiede im Preis je Los hin. Er plädiert dafür, den Einkauf zu bündeln oder zumindest darauf zu achten, dass bei allen Losen der gleiche Preis ausgehandelt wird. „Wenn bekannt wird, dass es einen preislich günstigeren Anbieter für das identische Produkt gibt, muss das in die Vergabe einfließen und derjenige den Zuschlag erhalten“, so der FDP-Politiker. Allein mit dem niedrigsten Durchschnittspreis ergebe sich ein Einsparpotenzial von mehreren Millionen Euro. „Dieses Geld könnte man sofort einsetzen für ausreichende Beleuchtung in unserer Stadt“, sagt Luthe.

Die Wirtschaftsverwaltung verweist auf das Vergabegesetz. Eine Ausschreibung über die rund 800.000 Megawattstunden „in nur einem gebündelten Stromvertrag“ sei nicht möglich, so eine Sprecherin. Ausnahmen seien wegen des Strombedarfs Berlins nicht zulässig.

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