Obdachlose

Kältebahnhöfe werden bislang kaum angenommen

In den ersten beiden Nächten kamen insgesamt 19 Menschen in die beiden U-Bahnhöfe. BVG weist mit Plakaten auf Angebot hin.

Der U-Bahnhof Moritzplatz (Archivbild)

Der U-Bahnhof Moritzplatz (Archivbild)

Foto: pa

Berlin. Die neuen Kältebahnhöfe in Berlin werden von Obdachlosen bislang kaum angenommen. In den ersten beiden Nächten haben nach Angaben der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) insgesamt lediglich 19 Menschen ohne feste Bleibe in den beiden für die Kältehilfe geöffneten Stationen übernachtet. In der Nacht zu Montag sind laut BVG in den U-Bahnhof Lichtenberg sieben Personen gekommen, zwei von ihnen konnten von Streetworkern in eine Notunterkunft vermittelt werden. Im U-Bahnhof Moritzplatz suchten am Sonntagabend drei Obdachlose Schutz. In der Nacht zu Dienstag übernachteten vier Menschen im Bahnhof Lichtenberg und fünf in Moritzplatz.

BVG-Sprecherin Petra Reetz ist über die vergleichsweise geringe Nutzung nicht überrascht. „Das war in den vergangenen Jahren auch so. Das Angebot muss sich in der Szene erst einmal rumsprechen.“ Kritiker hatten die Auswahl der Stationen wegen ihrer City-fernen Lage moniert. Diese Kritik weist Reetz zurück: „Die Stationen liegen an zwei wichtigen U-Bahnlinien und sind damit auch gut erreichbar.“

Die Bahnhöfe Lichtenberg und Moritzplatz waren von der BVG ausgewählt worden, weil dort Obdachlose in einem Zwischengeschoss und nicht auf einem Bahnsteig in unmittelbarer Nähe von Gleisen und Stromschiene übernachten können. Ursprünglich wollte die BVG die nächtliche Öffnung ihrer U-Bahnhöfe in diesem Jahr erstmals ganz verweigern. Sie machten vor allem Sicherheitsbedenken geltend, weil auch in der nächtlichen Betriebsunterbrechung trotzdem Züge fahren und die Schienen unter Strom stehen. In den vergangenen Wintern hatte es erhebliche Probleme gegeben, weil Obdachlose in Bahnhöfen unter Alkoholeinfluss standen und sich auch in den Gleisen aufhielten, um etwa ihre Notdurft zu verrichten.

Nach mehrwöchigem Hin und Her hatte sich die BVG in der Vorwoche mit dem Senat geeinigt, wieder zwei Stationen für Obdachlose zu öffnen. Zuvor hatte die Senatssozialverwaltung für Sanitäranlagen in Form von je zwei Dixi-Klos an jedem Bahnhof und die Betreuung durch Sozialarbeiter gesorgt.

Die BVG hat unterdessen an fast allen ihren 173 U-Bahnhöfe Plakate angebracht, mit der sie gezielt Obdachlose ansprechen will. In fünf Sprachen (neben Deutsch auch in Englisch, Russisch, Polnisch und Rumänisch) steht darauf die Frage „Noch kein Schlafplatz für kalte Nächte?“ Darunter die Telefonnummer 0178 - 523 58 38 , unter der in der Zeit von 19 bis 3 Uhr die Kältehilfe der Stadtmission erreicht werden kann. Ziel der aus eigenen Mitteln organisierten Aktion sei, dass möglichst viele Obdachlose in Notunterkünfte übernachten. Nach Angaben der Senatssozialverwaltung gibt es in diesem Jahr rund 1000 Notübernachtungsplätze in der Stadt. Schätzungsweise zufolge 4000 bis 6000 Menschen leben in Berlin auf der Straße, Tendenz zuletzt stark steigend. Wie viele es genau sind, weiß bisher allerdings niemand genau.