Energie

Experten: Berlins Stromnetz gut gegen Blackout gesichert

Berlin wird über zwei Anschlussstellen versorgt, zudem gibt es Kraftwerke auch in der Stadt. Dennoch sollte die Bevölkerung vorsorgen.

Ein Vattenfall-Mitarbeiter steuert in dem Netzleitstand in Berlin das Stromnetz der Bundeshauptstadt.

Ein Vattenfall-Mitarbeiter steuert in dem Netzleitstand in Berlin das Stromnetz der Bundeshauptstadt.

Foto: dpa Picture-Alliance / Maurizio Gambarini / picture alliance / dpa

Berlin.  Berlins Stromnetz lahmzulegen, ist nicht so einfach. Im März unternahmen unbekannte Täter einen Versuch, die Energieversorgung des Flughafens Tegel und die Leitungen zum Regierungsviertel zu unterbrechen. Die linksextreme Gruppe, die sich „Vulkangruppe NetzHerrschaft zerreißen“ nennt, legte ein Feuer an der Mörschbrücke über die Spree in Charlottenburg. Die Flammen zerstörten acht 10.000-Volt-Kabelsysteme des Netzbetreibers Stromnetz Berlin.

Die Folgen waren für Anwohner zwar gravierend, vom Katastrophenfall war Berlin aber auch an jenem Märztag weit entfernt. 6500 Haushalte und 400 Gewerbekunden saßen ohne Strom da. Es dauerte vom Zeitpunkt des Anschlags am Mittag bis in den Abend hinein, ehe die Techniker neue Leitungen geschaltet hatten.

Kleinere Ausfälle wegen technischer Pannen gibt es immer wieder auch in Berlin. Aber selbst wenn wie im Januar in Friedrichshain ein Umspannwerk mit technischem Defekt ausfällt, beschränkt sich die Zahl der im Dunkeln sitzenden Haushalte auf ein paar Tausend.

„Wir nehmen die Sicherheit natürlich sehr ernst“, sagte Olaf Weidner, Sprecher der Vattenfall-Tochter Stromnetz Berlin GmbH. Regelmäßig treffe sich der Krisenstab, um sich auf verschiedene Szenarien vorzubereiten, vom Hackerangriff auf die zentralen Datenknoten bis zu Bomben in Kraftwerken. Über Details reden die Hüter des Netzes ungern, um niemanden auf dumme Gedanken zu bringen.

Grundsätzlich halten die Experten Berlins Stromnetz für vergleichsweise gut gesichert gegen einen totalen Blackout. Das beginnt damit, dass das Berliner Übertragungsnetz über zwei Anschlüsse ans überregionale Hochspannungsnetz der Firma 50 Hertz verfügt: einen im Westen, am Teufelsbruch in Spandau. Und einen im Osten, der von Neuenhagen nach Marzahn abzweigt. Dazwischen verläuft als Schlagader der Berliner Stromversorgung ein Höchstspannungskabel unterirdisch quer durch die Stadt. Zudem können auch in der Stadt die Kraftwerke Strom erzeugen. Überhaupt bedeuten die in Berlin zu 98 Prozent im Boden verbuddelte Stromleitungen ein Plus an Sicherheit.

Es ist sehr viel schwieriger, an die Kabel heranzukommen. Und auch abknickende Hochspannungsmasten sind in Berlin selbst nicht zu befürchten. Gleichwohl würde eine Katastrophe wie 2005 im Münsterland, als 82 Strommasten im eisigen Wintersturm umknickten, auch in Berlin Folgen haben, wenn sie sich im Umland ereignete. Das Münsterland lag seinerzeit weit genug entfernt vom Berliner Netz, sodass der Spannungsabfall hier kaum Auswirkungen hatte. Die Manager des Berliner Stromnetzes müssen aber darauf vorbereitet sein, falls so etwas in Brandenburg passierte.

Auch in der Stadt selbst ist das Berliner Netz durch seine feinmaschige Struktur eher weniger anfällig für großflächige Ausfälle. Die 34.000 Kilometer Stromkabel verbinden sich an 80 Umspannwerken und 11.000 Netzstationen. Daraus bilden sich zellenartige Zusammenhänge, sodass Ausfälle eben nur einen kleineren Teil eines Stadtbezirks betreffen.

Sensible Infrastruktur, also Krankenhäuser, Polizeidienststellen oder Ministerien verfügen nach den Worten des Stromnetz-Sprechers zudem in der Regel über zwei Netzanschlüsse, um zusätzliche Sicherheit zu gewährleisten. Für die größte Not stünden auch Generatoren bereit, um die ersten Stunden eines Blackouts überstehen zu können.

Trotz der geringen Wahrscheinlichkeit, dass es in der Stadt zu einem großflächigen und lang anhaltenden Stromausfall kommen könnte, raten auch Berliner Behörden den Bürgern zur Vorsorge. Regelmäßig warnen die Experten bei Katastrophenschutztagen vor Ereignissen, mit denen niemand rechne. Deswegen gehöre in jeden Küchenschrank ein Vorrat von Konserven und anderen Lebensmitteln, die auch bei ausgefallenem Elektroherd gegessen werden könnten. Auch Trinkwasser für einige Tage solle jeder einlagern. Wichtige Medikamente gehörten in die Hausapotheke, auch ein kleines Radio sei nützlich, denn ohne Strom fällt auch das Internet als Informationsquelle aus.

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