Verkehr

Immer mehr Menschen pendeln von und nach Berlin

Studie: Zahl der Pendler in der Region Berlin-Brandenburg wächst stark. Wo am meisten gependelt wird und Staus und volle Züge stressen.

Stau auf der Stadtautobahn: Für viele Pendler das tägliche Los.

Stau auf der Stadtautobahn: Für viele Pendler das tägliche Los.

Foto: dpa Picture-Alliance / Robert Schlesinger / picture alliance / Robert Schles

Berlin.  Seit dem Mauerfall haben noch nie so viele Pendler in der Region Berlin-Brandenburg so viel Zeit in Zugabteilen oder auf der Straße verbracht wie heute. Laut den neuesten Zahlen des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) für das Jahr 2017 entwickelt sich die Strecke zwischen Berlin und Potsdam dabei zur wichtigsten Verkehrsverbindung in der Region. Demnach fuhren 15.000 Menschen aus der Bundeshauptstadt täglich nach Potsdam zur Arbeit. Umgekehrt pendelten 17.000 von dort nach Berlin. Hier verzeichnete der VBB gegenüber 2013 ein Plus von 17 Prozent – einer der Spitzenwerte im aktuellen Vergleich.

Die höchste Zuwachsrate gab es bei Fahrten von Berlin nach Hoppegarten. Hier transportierten die Bahnen 2017 21 Prozent mehr Fahrgäste als im Jahr zuvor. Rund 3800 Berliner zog es täglich in die Kommune am östlichen Stadtrand.

Eine deutlich höhere Nachfrage verzeichnete der VBB mit jeweils 18 Prozent Steigerung auch auf den Trassen von Teltow und Bernau nach Berlin und umgekehrt. Deutlich dichter drängten sich Reisende auch in Zügen von Falkensee und Königs Wusterhausen nach Berlin. Hier stieg das Fahrgastaufkommen gegenüber 2016 jeweils um 13 Prozent.

Immer mehr und immer weiter

Insgesamt waren im vergangenen Jahr laut VBB täglich 300.000 Pendler zwischen Berlin und Brandenburg unterwegs. Seit 2013 stieg die Zahl der Fahrgäste pro Jahr im Verbund um 11,2 Prozent auf 1,47 Milliarden.

„Es wird immer mehr und immer weiter gependelt“, sagt Matthias Gibtner vom Fahrgastverband IGEB. „Aber das Angebot wurde in den letzten Jahren nicht wirklich angepasst. In Zügen aus Nauen und Falkensee ist das Platzangebot völlig erschöpft. Die Fahrgäste finden es unerträglich“, so Gibtner.

Belastend seien für Pendler inzwischen auch Fahrten mit den U-Bahnen der BVG. Vor allem auf den Linien 6, 7 und 9 herrsche nicht nur zu Stoßzeiten unangenehme Enge. Hinzu kämen täglich „massive Störungen des Betriebs“, wobei sich die U-Bahn dem schwachen Niveau der S-Bahn angenähert habe, sagt Gibtner. Dass laut Umfragen der Berliner Morgenpost und des RBB immerhin 58 Prozent der Berliner mit dem Angebot im Nahverkehr zufrieden sind, hält Gibtner für eine Momentaufnahme. Er geht davon aus, dass die Zahl der Zufriedenen eher sinken wird.

Pendeln kann Stress und aggressives Verhalten hervorrufen

Vergangene Woche hatte der VBB angekündigt, dass im Zuge des Fahrplanwechsels am 9. Dezember das Angebot ausgeweitet werden soll. Doch die Nachbesserungen kommen dem Zuwachs an Fahrgästen nicht hinterher.

Dabei ist der Stress, der durch das berufliche Pendeln entsteht, nicht zu unterschätzen. Eine neue Untersuchung des Bundesinstituts für Bevölkerungsentwicklung warnt vor einer erhöhten Belastung für Pendler, die länger als 30 Minuten unterwegs sind. „Mit steigender Pendeldauer sinkt das Wohlbefinden, während das Stressempfinden und das Risiko für körperliche Beschwerden wie Bluthochdruck oder Nacken- und Rückenschmerzen steigen“, heißt es im Bericht.

Mit der Länge der Reisezeit wachse zudem die betriebliche Fehlzeit. Auch aggressives Auftreten am Arbeitsplatz sei ein Indiz für Stress durch Pendeln.

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