Spitzenforschung

Berlin und die Suche nach einer besseren Zukunft

Im Exzellenzwettbewerb des Bundes und der Länder haben die drei großen Unis und die Charité sehr gut abgeschnitten. Ein Überblick.

Chemieprofessor Matthias Driess (TU Berlin) ist einer der Sprecher des Exzellenzclusters zur Katalyseforschung.

Chemieprofessor Matthias Driess (TU Berlin) ist einer der Sprecher des Exzellenzclusters zur Katalyseforschung.

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin. Die glorreichen Sieben: Der Titel des legendären Hollywood-Westerns lässt sich auch auf den Erfolg Berlins in der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder übertragen. Der 27. September 2018 war ein guter Tag für die Hauptstadt. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) stellte die Entscheidungen in der jüngsten Runde der Exzellenzstrategie vor. In deren Rahmen werden pro Jahr 385 Millionen Euro ausgeschüttet, um die Spitzenforschung an den deutschen Universitäten zu stärken. Für 88 große Forschungsprojekte, sogenannte Cluster, wurden Förderanträge gestellt. 57 wurden zur Förderung ausgewählt, davon allein sieben aus Berlin. Damit gehört die Hauptstadt zu den großen Abräumern des Exzellenzwettbewerbs und zu den erfolgreichsten Bundesländern – eine machtvolle Bestätigung für den Wissenschaftsstandort und für die vielen Menschen, die an den jeweiligen Projekten im Verbund arbeiten.

Das Expertengremium, das die Entscheidungen zu treffen hatte, war international besetzt, ihm gehörten Wissenschaftler sowie die Wissenschaftsminister des Bundes und der Länder an. Die sieben Berliner Cluster, die von Januar kommenden Jahres an gefördert werden, sind an der Freien Universität (FU), der Humboldt Universität (HU), der Technischen Universität (TU) und der Charité angesiedelt. Da einige Vorhaben gemeinsam von mehreren Universitäten betrieben werden, sind FU, HU und TU je dreimal vertreten, die Charité einmal.

Nun fließen in den kommenden sieben Jahren 320 Millionen Euro Fördergeld in diese Forschungsvorhaben. Jeder Cluster erhält bis zu zehn Millionen Euro pro Jahr. 75 Prozent davon zahlt der Bund über die Deutsche Forschungsgemeinschaft, 25 Prozent, also insgesamt 80 Millionen Euro, das Land Berlin. Bislang wurden in Berlin vier Exzellenzcluster gefördert. Der Geldsegen hat weitere positive Effekte. Der Erfolg steigert nicht nur das Renommee der beteiligten Wissenschaftler sondern auch das der Universitäten und des Wissenschaftsstandorts Berlin. Mit neuen Arbeitsplätzen wird zudem unmittelbar die „Stadtrendite“ gesteigert.

Große Bandbreite wichtiger Themen und Fragestellungen

Die großen Forschungsvorhaben betreffen sehr unterschiedliche Gebiete und Fragestellungen. Die Palette umfasst Politikwissenschaft, Mathematik, Neuromedizin, Literaturwissenschaft, Chemie, Intelligenzforschung und die Entwicklung von Designstrategien für Materialien und Strukturen, die sich spezifischen Anforderungen und Umgebungen anpassen. Die Cluster haben aber auch Gemeinsamkeiten: Alle sind international und in unterschiedlicher Ausprägung interdisziplinär ausgerichtet. Sie verstehen sich nicht als „Elfenbeinturmprojekte“ sondern beschäftigen sich mit Zukunftsfragen und gesellschaftlich relevanten Themen. Zudem suchen alle, auf unterschiedlichen Ebenen, den Dialog mit den Berlinern. Eine große Rolle wird dabei das künftige Humboldt-Forum spielen.

Die Auswahl der geförderten Forschungsprojekte ist aber nur die erste Stufe des Exzellenzwettbewerbes, der 2006/2007 gestartet wurde und derzeit seine dritte Runde erlebt. Nur Universitäten, die mit mindestens zwei Clustern im Wettstreit erfolgreich waren, können sich darum bewerben, den Status einer Exzellenzuniversität zugesprochen zu bekommen. Treten mehrere Hochschulen gemeinsam an, brauchen sie drei Cluster.

Mit einem gemeinsamen Antrag auf dem Weg zu Exzellenzuniversitäten

Die drei großen Berliner Universitäten und die Charité stellen einen solchen Verbundantrag, über den im Juli 2019 entschieden wird. Nach aktuellem Stand sollen dann elf Exzellenzuniversitäten oder -verbünde gekürt werden. Es gibt 19 Anwärter um das Prädikat, das Prestige und damit Vorteile im Kampf um Spitzenforscher, Talente und Fördergeld bringt. Bislang gehören FU und HU zu den Exzellenzuniversitäten, die TU noch nicht.

In die Freude an den Universitäten mischt sich aber auch ein Wermutstropfen. Weil die Exzellenzkommission im September kurzfristig entschieden hatte, erheblich mehr Cluster zu fördern als zunächst geplant, muss jedes Projekt 26 Prozent seines vorgesehenen Budgets einsparen. FU-Präsident Günter Ziegler kritisiert den Vorgang. „Die Förderentscheidung war kein vollständig wissenschaftsgeleitetes Verfahren mehr, sondern eine politische Entscheidung. Das ist nicht gut. Wenn der Bund ein Viertel mehr Cluster fördern will, muss er das auch finanzieren“, sagte Ziegler der Berliner Morgenpost. Und Matthias Driess, Chemieprofessor an der TU, sagte: „Da sucht man mit der Lupe die Achtung vor der Arbeit.“

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