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U-Bahn: Zehn defekte Züge an nur einem Tag

Der Fahrgastverband spricht vom „Schwarzen Dienstag“ für U-Bahn-Fahrgäste. Ersatz kommt erst ab Frühjahr 2019.

Zugausfälle und Verspätungen bei der BVG häufen sich.

Zugausfälle und Verspätungen bei der BVG häufen sich.

Foto: dpa Picture-Alliance / Matthias Balk / picture alliance / dpa

Berlin. Beim Kurznachrichtendienst Twitter liest sich das so: „Die Linie ist leider stark verspätet“ oder „Die Linie ist aufgrund des hohen Fahrgastaukommens leider verspätet“. Mal fällt die Antwort von @BVG U-Bahn auf die Tweets genervter Fahrgäste ausführlicher aus: „Was soll ich dir sagen? Es ist halt Rush Hour und da sind wir natürlich auch stark von betroffen. Dazu kommt, dass wir derzeit bei der U-Bahn viele defekt/beschmierte Züge haben und dadurch ein paar Bahnen ausfallen. #sorry“.

Seit Tagen häufen sich Meldungen über teils erhebliche Betriebsprobleme bei der U-Bahn. Laut dem Berliner Fahrgastverband Igeb hat es etwa am Dienstag auf fast allen Linien „massive Ausfälle und Verspätungen“ gegeben, die an die große S-Bahnkrise von 2009 erinnerten. Der Igeb-Vorsitzende Christfried Tschepe sprach am Mittwoch gar von einem „Schwarzen Dienstag“ für die Berliner U-Bahn-Fahrgäste.

BVG-Sprecherin: „Das ist schon Jammern auf hohem Niveau“

Nach Angaben des Fahrgastverbandes sind an dem Tag allein auf der wichtigen Innenstadtlinie U2 (Pankow–Ruhleben) fünf von 26 benötigten Zügen nicht gefahren. Auf der U7 (Rathaus Spandau–Rudow) hätten zehn und auf der U8 acht Züge für den Betrieb gefehlt. Wegen des akuten Wagenmangels soll die U-Bahn auf der U6 (Alt-Tegel–Alt-Mariendorf) auch im Berufsverkehr nur im Zehn-Minuten-Takt statt alle fünf Minuten gefahren sein. „Diese Angaben haben wir aus einer ­verlässlichen Quelle“, betonte Igeb-Sprecher Jens Wieseke. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben am Mittwoch auf Nachfrage Probleme im U-Bahn-Betrieb eingeräumt, widersprechen aber den konkreten Zahlenangaben zu den Ausfällen.

Laut BVG-Sprecherin Petra Reetz standen am Dienstag für den Betrieb der U7 vier von 29 Zügen nicht zur Verfügung, bei der U8 fehlten zwei von 17 ­benötigten Zügen und bei der U6 vier von 21 Zügen. Dass auf dieser Linie durchgängig nur im Zehn-Minuten-Takt gefahren wurde, sei nicht richtig, widersprach Petra Reetz der Igeb-Darstellung. „Das war bestimmt nicht unser bester Tag, aber am Ende lief es noch ganz gut“, sagte die BVG-Sprecherin. Nach ihren Angaben sind am Dienstag 97,7 Prozent aller Züge pünktlich gefahren. „Das ist schon Jammern auf hohem Niveau“, sagte Reetz Richtung Fahrgastverband.

Hauptgrund für die aktuellen Angebotsmängel ist laut BVG der Mangel an einsatzbereiten Zügen. Besonders die älteren Wagenmodelle bereiten den Verkehrsbetrieben erhebliche Probleme. Laut Reetz musste die U-Bahn aufgrund von Rissen und anderen sicherheitsrelevanten Mängeln inzwischen 43 der 70 Wagen der 1979 ausgelieferten Baureihe F79 stilllegen.

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