Organisierte Kriminalität

Behörden arbeiten bei Clan-Kriminalität enger zusammen

Innensenator Andreas Geisel will die Neuköllner Strategie beim Kampf gegen Großfamilien auch in anderen Berliner Bezirken anwenden.

Razzia gegen kriminelle Großfamilien: Die Berliner Sicherheitsbehörden versuchen, mehr Druck auf die Täter auszuüben (Archivbild)

Razzia gegen kriminelle Großfamilien: Die Berliner Sicherheitsbehörden versuchen, mehr Druck auf die Täter auszuüben (Archivbild)

Foto: dpa

Berlin. Die Idee eines „Clan-Gipfels“ war von Innensenator Andreas Geisel (SPD) nach den Auseinandersetzungen und tödlichen Schüssen am Rande des Tempelhofer Feldes im September dieses Jahres ins Leben gerufen worden. Damals hatten noch immer flüchtige Männer Intensivtäter Nidal R. mit mehreren Schüssen hingerichtet. Die Tat, heißt es im Milieu, stehe im Zusammenhang mit Schüssen auf ein Café der Familie S. an der Urbanstraße in Kreuzberg.

Nun sind die Probleme mit kriminellen Clanmitgliedern in Neukölln nicht neu, mit der Tat an einem Sonntagnachmittag und in der Nähe eines Eiswagens und Kinderspielplatzes sei aber endgültig eine rote Linie überschritten worden, heißt es aus Sicherheitskreisen. Der Staat lasse seine Muskeln spielen – und zwar auf allen Ebenen. In den Wochen nach den Schüssen gab es in Berlin mehrere Razzien. Laut Sicherheitskreisen genüge das allerdings nicht. In der Innenverwaltung will man das in Neukölln praktizierte Modell, bei dem behördenübergreifend zusammengearbeitet wird, auf die ganze Stadt übertragen.

„Wir müssen die ganze Bandbreite nutzen, die wir haben. In Neukölln ist die Zusammenarbeit zwischen Polizei und Bezirksamt wirklich hervorragend“, sagte Geisel der Berliner Morgenpost. Das sei aber nicht in jedem Berliner Bezirk so und die Organisierte Kriminalität beschränke sich nicht nur auf Neukölln. „Wir müssen auch in anderen Bezirken und Bezirksämtern solche Strukturen aufbauen“. Das sei ein Ziel des „Clan-Gipfels“ am 26. November.

„Wir werden nicht nachlassen, auch wenn das öffentliche Interesse nachlässt, weil die TV-Serie ,4Blocks‘ nicht mehr ausgestrahlt wird. An diesem Thema müssen wir dranbleiben“, so Geisel. Der Gipfel soll regelmäßig stattfinden und dient dazu, dass sich Senat, Bezirke und Polizei besser vernetzen und ihr Vorgehen abstimmen. Einer der ersten Vorschläge Geisels wird dabei die Einrichtung eines „Clan-Abwehrzentrums“ sein, das ähnlich dem „Gemeinsamen Terrorabwehrzentrum“ (GTAZ) im Bund arbeiten und sich um ganz konkrete Fälle kümmern soll.

Clan-Mitglieder brechen öffentlich Regeln

Derzeit gibt es auch Überlegungen, die „Besondere Aufbauorganisation (BAO) Türsteher“, die es in Berlin einmal gab, wieder ins Leben zu rufen. Diese Einheit hatte um die Jahrtausendwende im Berliner-Türstehermilieu für Unruhe gesorgt. Damals wurden zahlreiche Ermittlungsverfahren eingeleitet und Unterweltgrößen aus dem Verkehr gezogen. Vorteil einer solchen Einheit wäre, dass bei Kontrollen im Milieu grundsätzlich zahlreiche gut durchtrainierte Bereitschaftspolizisten dabei wären.

Dabei ist das eigentliche Interesse der Organisierten Kriminalität, im Verborgenen zu arbeiten, Macht und Einfluss zu gewinnen, Geld umzusetzen. Und nicht mit teuren Uhren und schnellen Autos den Kurfürstendamm entlang zu rasen. Organisierte Kriminalität, die im Verborgenen arbeitet, setzt mehr Geld um. „Die Kriminellen aus arabischstämmigen Familien ticken aber anders. Sie brechen öffentlich Regeln, um zu zeigen: ,Seht her! Eure Regeln gelten nicht für mich.‘ Wenn man ihnen an dieser Stelle nichts entgegenstellt, dann höhlt das Vertrauen in den Rechtsstaat aus“, sagte Geisel. Weil die Bürger sehen, der Staat lasse sich das gefallen. Das sei gefährlich und deshalb müsse man gemeinsam stärker dagegen vorgehen, begründet der Innensenator seinen Vorstoß mit der Einrichtung eines gemeinsamen Clan-Abwehrzentrums.

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