Polizeiakademie

Mehr als die Hälfte der Polizeischüler fällt durch

Die neue Leiterin der Polizeiakademie will die Quote verbessern. Probleme haben die Schüler besonders mit der deutschen Sprache.

Tanja Knapp, Leiterin der Polizeiakademie, und Marco Langner, Vizepräsident der Polizei, beantworten im Innenausschuss Fragen.

Tanja Knapp, Leiterin der Polizeiakademie, und Marco Langner, Vizepräsident der Polizei, beantworten im Innenausschuss Fragen.

Foto: DAVIDS/Sven Darmer

Berlin. Disziplinlosigkeiten und Wissens­lücken, fehlende Lehrer und massiver Unterrichtsausfall, Reformchaos und Führungslosigkeit: Die Polizeiakademie geriet in den vergangenen Monaten immer wieder in die Schlagzeilen. Zuletzt oft zu Unrecht – findet zumindest Innensenator Andreas Geisel (SPD). In der Nachwuchsschmiede für die Berliner Polizei habe sich viel getan, sagte der SPD-Politiker am Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses. In einem Seitenhieb auf jüngste Medienberichte über unzufriedene Polizeischüler sagte Geisel zudem, er halte es „nicht für zielführend, wenn sich Polizeischüler mit ihren Beschwerden an die Öffentlichkeit wenden“.

Dass es Probleme an der Akademie gibt, ist indes unbestritten. Im Sommer dieses Jahres führten die Sorgen um die Ausbildung sogar zu einem Führungswechsel. Seit Juli leitet nun Tanja Knapp die Akademie. Auch sie mahnte, Polizeischüler sollten sich mit Kritik lieber nicht an die Medien, sondern an ihre Ausbilder wenden. Knapp räumte aber auch handfeste Schwierigkeiten ein: etwa die hohe Durchfallquote bei Prüfungen. „Wenn mehr als Hälfte der Polizeischüler den Abschlusstest nicht schaffen, dann hat auch die Akademie etwas falsch gemacht“, sagte Knapp. Probleme hätten viele Auszubildende vor allem mit ihren Deutschkenntnissen, Satzbau und Formulierungen, komplexen Fragestellungen sowie mit grundsätzlichen Fragen wie Pünktlichkeit und Ordnung.

Die Berliner Polizei gilt als unterbesetzt, in den kommenden Jahren steht zudem eine Welle von Pensionierungen bevor. Bei einer hohen Durchfallquote stünde die Polizei damit vor einem kaum zu lösenden Personalproblem. Knapp will daher gegensteuern. Ein Teil des Praktikums am Ende des zweiten Semesters soll möglicherweise auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden, damit den Schülern genug Zeit bleibt, sich auf die Prüfungen vorzubereiten. Die Lernzeit sei zu kurz, das hätten auch die Lehrer berichtet.

Geisel betonte, der Bedarf an fertig ausgebildeten Polizisten werde nicht dazu führen, dass die Leistungsanforderungen gesenkt würden. Knapp sagte dagegen: „Wir müssen eventuell die Komplexität reduzieren.“ Ein Widerspruch? Nein, meinte Knapp. Wenn aber schon die Fragen bei Prüfungen eineinhalb Seiten lang wären, müsste man überlegen, ob diese verständlicher formuliert werden könnten. Zudem werde es gezielte Förderungen geben. „Unser höchstes Ziel ist es, die jungen Leute erfolgreich durch diese Zeit zu bringen“, sagte Knapp. Einiges habe sich seit den ersten Negativberichten im Herbst 2017 bereits gebessert. So gebe es zwölf zusätzliche Lehrkräfte.

Schüler müssen morgens wieder antreten

Geklärt ist auch ein Streit, der vor allem seiner Symbolik wegen für Diskussionen gesorgt hatte: das morgendliche Antreten. Im Zuge der Polizeistrukturreform des Jahres 2014 wurde es abgeschafft, um einen weniger autoritären Lehrstil zu etablieren. Befragungen zufolge vermissten aber nicht nur die Lehrer, sondern auch die Polizeischüler das Ritual. Zum September wurde es wieder eingeführt. Man wolle den Zusammenhalt stärken, sagte Tanja Knapp.

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